15. Januar 2020.

15 Jahre Stiftung Polytechnische Gesellschaft: Das haben wir in diesem Jahr vor

von Axel Braun

Im Interview gibt Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, einen Ausblick auf die Vorhaben der kommenden Monate.

Foto: Michelle Spillner


Aufbruch 2020 lautet das Motto des diesjährigen Neujahresempfangs der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. In was für ein Jahr und in was für eine Zukunft brechen wir auf?

Wir erleben eine Zeit des Umbruchs, technisch, wirtschaftlich, kulturell. Aber wir erleben sie nicht nur, sondern wir gestalten sie in unserer offenen Gesellschaft ja auch mit. Dabei kommt der Zivilgesellschaft und den Stiftungen eine wichtige Rolle zu als Impulsgeber und Wegbereiter für Neues.  

Wie reagiert die Stiftung als agile, unabhängige und tatkräftige Projektschmiede auf diesen Umbruch? Woran arbeiten Sie gerade zusammen mit Ihrem Team?

In diesem Jahr wird unsere Stiftung 15 Jahre jung. Sie ist dementsprechend unternehmenslustig. Wir werden in den nächsten Monaten gleich mehrere neue Dinge anpacken.

Im Bildungsbereich werden wir unser Engagement zugunsten der Rechtschreibfähigkeiten intensivieren und verstärkt Grundschulen und Mittelstufen unterstützen. Flüssig lesen können ist wichtig, aber richtig schreiben können auch.

Wir wollen im Sommer ein neues Projekt zum Thema Nachhaltigkeit beginnen: die Nachhaltigkeitspraktiker. Junge Leute können sich dabei persönliche Ziele setzen und selbst ausprobieren, wie sie Aspekte ihres Alltags nachhaltig gestalten können. Natürlich unterstützt durch Begleitung und Beratung, wie wir es in allen Programmen machen.

Im Herbst wird ein neues Projekt mit dem Titel Junge Paulskirche starten. Wir werden interessierte Schülerinnen und Schüler aus den Leistungskursen Politik und Geschichte einladen, sich vertieft mit den Chancen und Anforderungen unseres Grundgesetzes zu befassen.

Wir treiben das Digitechnikum voran, ein neues Projekt zur Förderung der jungen IT-Cracks in unserer Stadt.

Im Dezember werden wir die Internationale Jugend-Science-Olympiade, die nach Frankfurt kommt, unterstützen, finanziell und organisatorisch.

Im sozialen Bereich entwickeln wir die Straßen-Uni weiter, ein Bildungsangebot schwerpunktmäßig für wohnungssuchende und wohnungslose Menschen in Frankfurt, gemeinsam mit der Katholischen Erwachsenenbildung und dem Franziskustreff.

Beim Digitechnikum geht es um coden und maken. (Foto: Dominik Buschardt)

Und was passiert mit den Klassikern? Ein besonderes Kennzeichen der Polytechnischen Stiftung ist ja gerade ihr langer Atem und die Bereitschaft, Dinge, die fehlen und nützen,  voranzutreiben und weiterzuentwickeln.

Selbstverständlich setzen wir den Deutschsommer fort. Deutschförderung wird ja immer wichtiger. Wir erwarten, dass sich das Projekt im Verbund mit unseren Partnern weiter ausdehnt. Das Diesterweg-Stipendium für Kinder und Eltern wird von drei weiteren Standorten in Deutschland übernommen werden. In Zusammenarbeit mit dem Haus der Volksarbeit wird im Projekt Diesterweg plus die Kursreihe „Mein, dein, unser Deutschland“ fortgesetzt.

Ende Februar werden wir uns in unserem Main-Campus-Stipendiatenwerk im Rahmen eines Wissenschaftlichen Kolloquiums mit dem Thema unseres Grundgesetzes beschäftigen.

Im Bereich Bürgerengagement freuen wir uns auf einen neuen Jahrgang der Bürger-Akademiker. Unsere aktuellen Stadtteil-Botschafter werden ihre Projekte weiter vorantreiben, und im Laufe des zweiten Halbjahres wird eine neue Generation  mit neuen Projektideen antreten. Gespannt sind wir auch auf die Erfahrungen in den  inzwischen drei Kollegs für junge Talente

Und schließlich werden wir auch wieder besonders gute Projekte Dritter in Frankfurt fördern, so wie wir es seit Anbeginn getan haben.

Die Stiftung hat seit ihrer Gründung über 120.000 Bürger der Stadt Frankfurt am Main gefördert, alleine das Alumni-Programm umfasst inzwischen über 1.600 ehemalige Stipendiaten. Worauf können sich die vielen Alumni aber auch die zahlreichen Partner und Weggefährten der Stiftung sonst noch freuen in 2020?

Im September werden unsere Stipendiaten und Alumni für ein aktives polytechnisches Wochenende auf der Wegscheide zusammenkommen, auch um unser – diesmal ja eher kleines – fünfzehnjähriges Jubiläum zu feiern. Viele, die wir schon vor zehn oder mehr Jahren als Jugendliche gefördert haben, werden mit ihren Kindern kommen. Das wird ein Wiedersehen!

Vielfalt und Zusammenhalt: Die Teilnehmer des Alumnitags 2017 auf der Wegscheide. (Foto: Philip Eichler)

Wir setzen unsere Mittagsveranstaltung kurz&klug fort. Es wird im Mai ein Hausgespräch zum Thema "Alles gut? Kommunikation im radikalen Wandel" geben und im November ein Hausfest. Und wir werden unsere Online-Kommunikation mit dem Start eines eigenen Instagram Accounts für einen Blick hinter die Kulissen und auf die vielen Menschen, die die Stiftung ausmachen, ausweiten.

Und worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Ganz ehrlich: auf all das!

Herr Prof. Kaehlbrandt, herzlichen Dank für das Gespräch.