25. Februar 2019

Auf einen Spaziergang, Herr Bundespräsident!

von unserem Gastautor

Stiftungs-Alumnus Moritz Wagner führte zusammen mit seiner Stadtteil-Botschafter-Kollegin Vane Beglaryan den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am 7. Februar durch Frankfurts "Neue Altstadt". Eine besondere Ehre und große Überraschung für den 18-jährigen Moritz, der sich intensiv auf diesen Termin vorbereitete. Ein Erlebnisbericht.

Moritz Wagner (rechts) und Vane Beglaryan (links) führten das Bundespräsidentenpaar durch die Neue Altstadt. Foto: Bundesregierung / Steffen Kugler


"Das wird kein Problem sein", beruhigte uns Dieter Wesp, Stadtteil-Historiker der 6. Generation und Frankfurt-Experte. "Wenn wir fertig sind mit der Vorbereitung, seid ihr Experten für das Areal rund um den Frankfurter Römer". Und er sollte recht behalten.

Doch der Reihe nach. Seinen Anfang nahm dieses besondere Ereignis bereits Ende November. Mein Telefon klingelte. Silja Flach, Projektleiterin der Stadtteil-Botschafter, rief an. Zuerst dachte ich, dass es um meine Teilnahme am besagten Programm der Stiftung ging. Umso überraschter war ich, als Silja mich fragte, ob ich nicht denBundespräsidenten treffen und durch die "Neue Altstadt" führen wolle. Natürlich sagte ich sofort begeistert zu.

Aber: Wie soll man jemanden führen, wenn man selbst nicht so viel über so ein riesen Projekt weiß? Unsere Rettung war Dieter Wesp. Zusammen mit unserem Mentor besuchten wir die Ausstellungen des Deutschen Architekturmuseums (DAM) und des Historischen Museums. Als Führer im Historischen Museum kann Herr Wesp auf ein enormes Hintergrundwissen zugreifen, dass er uns prima vermitteln konnte. An zwei Abenden saßen wir dann in der Stiftung zusammen und lernten allerlei Historisches über Frankfurt. Das Themenspektrum reichte vom Hintergrund der Goldenen Bulle von 1356 über Goethe bis zum "Technischen Rathaus". Insgesamt haben wir uns circa zwei Monate lang auf diesen ganz besonderen Moment vorbereitet.

Am Tag selbst herrschte Ausnahmezustand in der Innenstadt. Es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass der höchste Mann des Staates, Frank-Walter Steinmeier, und seine Frau Elke Büdenbender zu Besuch kommen, um Frankfurt und seine Bürger kennenzulernen. Ein Gang durch das rekonstruierte Altstadtviertel stand als Abschluss des Tages ebenfalls auf dem Programm.

Wir erwarteten einen gemütlichen Spaziergang mit dem Präsidentenpaar; die Realität sah jedoch ganz anders aus: Fast 20 Journalistinnen und Journalisten drängten sich um uns, als wir den Innenhof von "Hinter den Lämmchen" verließen. Natürlich blieb solch ein Andrang nicht lange unbemerkt, und so gesellten sich immer mehr neugierige Passanten dazu. Von da an bewegten wir uns in einer große Traube durch die Gassen der “Neuen Altstadt”. Zeitweise kam es zu einem kleinen Gerangel um die besten Bilder. Aber der Bundespräsident und seine Frau ließen sich davon nicht beeindrucken. Ruhig, entspannt und sympathisch fragten sie interessiert nach und ließen sich von Vane und mir zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten führen.

Für mich war etwas ganz Besonderes, das Staatsoberhaupt und seine Frau zu treffen und ihnen Frankfurts “Neue Altstadt” vermitteln zu dürfen. Um den Rat des Bundespräsidenten aufzugreifen: "Wenn sich eine passende Möglichkeit am Wegesrand bietet, sollte man zugreifen." Es war eine der Möglichkeiten, die ich ergreifen durfte, von der ich sicher später einmal meinen Enkeln erzählen werde.


Text: Moritz Wagner