09. November 2020.

Bewegter Start für die zweite Generation des Digitechnikums

von Annika Löffler-Djahani

Die zweite Generation des Digitechnikums, der Zukunftswerkstatt für junge digitale Talente, steht in den Startlöchern. Projektleiterin Annika Löffler-Djahani berichtet über das erste Zusammenkommen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ambitionierte Vorhaben in den nächsten Monaten umsetzen wollen.

Foto: Annika Löffler-Djahani


Für ein erstes Kennenlernen reisten wir mit der Gruppe und zwei Erlebnispädagogen zum Jugendzeltplatz Hofheim. Dort konnten sich die Schülerinnen und Schüler, die von verschiedenen Schulen aus Frankfurt kommen und zwischen 14 und 18 Jahre alt sind, mithilfe vieler Spiele und Methoden besser untereinander kennenlernen und durch das gemeinsame Bewältigen von Aufgaben bereits ein starkes Teamgefühl entwickeln.

So mussten zum Beispiel Zahlenrätsel gemeinsam gelöst oder eine Murmelbahn mit Naturmaterialien gebaut werden. An Kreativität mangelte es den Jugendlichen dabei nicht. Für das zwischenzeitliche Aufwärmen sorgten Bewegungsspiele oder ein warmer Punsch vom Lagerfeuer. Der erlebnisreiche Tag an der frischen Luft legte eine wunderbare Grundlage dafür, dass sich die gesamte Gruppe besser kennenlernte und am Folgetag die Teams bilden konnte, in denen die Schüler das gesamte nächste Schuljahr im Digitechnikum zusammenarbeiten werden.

Blockchain als Einstieg

Am zweiten Tag des Digitechnikum-Startworkshops traf sich die Gruppe in einem großen Seminarraum auf dem Uni Campus Bockenheim. Luca Neuperti, Stiftungs-Alumnus und Student der Informatik und Soziologie, eröffnete die Veranstaltung mit einem Science Slam zum Thema Blockchain. Im Anschluss wurde die Gruppenbildung durchgeführt, an deren Ende sich vier Schülerteams mit jeweils vier Stipendiaten zusammenfanden.

So konnte der spannendste Teil des Tages starten, die Ideenfindung für künftige Projekte im Digitechnikum. Auch hier bewiesen die Jugendlichen Kreativität und Erfindergeist und sammelten viele tolle Ideen, wobei jeder Einfall nach bestimmten Kriterien wie beispielsweise der Machbarkeit oder Nützlichkeit beurteilt wurde. So konnten sich die Schülerteams mit Hilfe der Projektbetreuer am Ende des Tages auf ihr finales Ziel festlegen, das sie in den kommenden Wochen und Monaten gemeinsam umsetzen werden. Es war beeindruckend zu sehen und zu hören, dass die Schüler ganz konkrete Probleme lösen möchten. Besonders am Herzen liegt ihnen dabei vor allem das Thema Nachhaltigkeit, aber auch die Bereiche Gesundheit und Bildung.

Auch wenn sich die Projekte gerade in der Anfangsphase noch etwas anpassen und ändern können, sind hier bereits die Ideen und Ziele der vier Schülerteams skizziert:

Zwei Hardware-Projekte, zwei Software-Vorhaben

Zwei Teams wollen jeweils ein Hardwareprojekt umsetzen: Einen "smarten Kühlschrank", der den Inhalt des Kühlschranks mit Hilfe eines Scanners registriert und beispielsweise an bald ablaufende Lebensmittel erinnert, um das Wegwerfen von Nahrungsmitteln zu vermeiden. Er soll den Nutzer außerdem über eine App darüber informieren, wenn etwa die Butter oder Mich zur Neige geht und rechtzeitig nachgekauft werden muss.

Das zweite Hardware-Projekt möchte die offenen Bücherschränke der Stadt Frankfurt digitalisieren. So soll man in der Datenbank einer App sehen können, welche Bücher gerade in einem bestimmten Bücherschrank stehen. Für das Spenden von Büchern oder Schreiben von Buchrezensionen sollen Nutzer Punkte sammeln können. Mit dem Projekt soll insbesondere Menschen mittleren und höheren Alters die Nutzung digitaler Technik offen angeboten und nahegebracht werden.

Die zwei weiteren Teams möchten jeweils eine App entwickeln: zum einen ein Spiel, das Menschen mittels Gamification zum Fahrradfahren motivieren soll. Je öfter und länger man mit dem Rad fährt, desto mehr Punkte sammelt man. Am Ende der Woche erfährt man, wieviel CO2 durch die Radfahrten eingespart wurde. Erreicht man bestimmte Ziele, werden interessante Informationen freigeschaltet, wie etwa Tipps für einen besonders schönen Ort in einem Frankfurter Stadtteil. Die Fahrten werden dabei über GPS nachverfolgt und gemessen. Die andere App soll ein soziales Netzwerk für Frankfurt werden, das Menschen im Themenbereich Nachhaltigkeit vernetzt und einen persönlichen "Nachhaltigkeits-Tracker" beinhaltet: Dort kann man beispielsweise eintragen, ob man nachhaltig (regional, bio) eingekauft hat, wie oft das Auto genutzt oder gar per Langestrecke geflogen wurde. So wird ein eigener Richtwert ermittelt, der durch neue „nachhaltige Taten“ verbessert werden kann. Dabei tauscht man sich mit Freunden aus, motiviert sich gegenseitig oder spornt sich zu kleinen Wettbewerben an.

Tag 3 als Vorbereitung für die nächsten Monate

Am dritten und finalen Tag bekamen die neuen Stipendiaten das nötige Wissen an die Hand, um bald mit ihren Projektarbeiten beginnen zu können. Themen waren unter anderem die 3D-Modellierung für den 3D-Druck, Arbeiten mit Arduinos und Microcontrollern, die Programmierung von Webseiten und Apps sowie die Grundlagen für eine gute Teamzusammenarbeit. Dozenten waren neben den Projektbetreuern des Digitechnikums, Sina Wetzel und Tim Läufer vom Institut für Didaktik der Mathematik und der Informatik (IDMI), noch Nicolas Kruppa, Digitechnikum-Stipendiat der I. Generation, die Main-Campus-Stipendiaten Bastian Stock und Dominik Brey, sowie die Informatiker Daniel Fleischhauer und Iwan Gurjanow.

Nach drei intensiven, spannenden und erlebnisreichen Tagen sind die neuen Digitechnikum-Stipendiaten bestens darauf vorbereitet, mit ihren Projektentwicklungen zu starten.

Wir Projektleiter sind voller Vorfreude auf die gemeinsame Zeit der kommenden Werkstatt-Termine im Digitechnikum, das zudem noch dank der Jubiläumsinitiative Wirkung hoch 100 des Stifterverbandes zusätzliche Mittel erhält. Denn das Digitechnikum wird in der ersten Förderrunde als eines von insgesamt 100 Projekten für das Bildungs-, Wissenschafts- und Innovationssystem von morgen unterstützt - ein toller Ansporn für unser junges Projekt.

Das Digitechnikum ist ein Kooperationsprojekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Goethe-Universität Frankfurt. Die Website des Projekts finden Sie unter www.digitechnikum.de