24. August 2017

Bürgerengagement und die (Wieder-)Entdeckung des öffentlichen Raums

von Miriam Mandryk

Im Polytechnik-Interview gibt Annette Gloser, Kunst-Kuratorin und StadtteilBotschafter-Mentorin, ihre Sicht auf den Wandel wieder, der in Frankfurt herrscht, und wie freiwilliges Bürger-Engagement den Wandel beeinflusst. Ein Auszug.

(Foto: Dominik Buschardt)


Miriam Mandryk — Welche Prozesse des Wandels nehmen Sie in Frankfurt wahr?

Annette Gloser — In den vergangenen Jahren ist hier, wie auch in vielen anderen Städten, zu beobachten, dass sich viel Privates in den öffentlichen Raum verlagert, und dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Das Bewegen in den sozialen Netzwerken macht fast selbstverständlich vieles öffentlich, was früher privat war. Und das verändert auch die Art, wie wir mit öffentlichen Räumen umgehen: In Parks oder rund ums Wasserhäuschen gibt es heute Urban Gardening, Public Viewing, Sport-, Musik- und Kunstprojekte. Die Bewohner machen sich öffentliche Plätze mehr und mehr zu eigen und gestalten sie mit. Ein Park bleibt immer ein öffentlicher Raum, der allen gehört. Und hier begegnen sich noch alle Gruppen der Gesellschaft. Der öffentliche Raum wird immer mehr zum gesellschaftlichen Experimentierfeld.

Miriam Mandryk — Wie beeinflusst freiwilliges Engagement den Wandel in der Stadt?

Annette Gloser — Das Angebot im öffentlichen Raum ist vielen zu platt. Die Bürger wollen eigene Formate ausprobieren. Der virtuellen Feedbackkultur, deren Wertung nur noch über Likes und Follower stattfand, wird wieder echte Begegnung vorgezogen. Auch Besitz wird immer öfter durch Sharing abgelöst, die Ökonomie des Teilens und der Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. Die Bürger sehnen sich wieder nach mehr Gemeinschaft und echter Kommunikation. All das sehen wir auch bei den StadtteilBotschafter-Projekten: Die Stipendiaten organisieren Stadtteilfeste, nachbarschaftliche Kochevents, Repair-Cafés, Foodsharing-Veranstaltungen, Stadtteilrallyes, oder sie öffnen – wie Lucas Kottmeier und Sofie Luckhardt mit ihrem Projekt dasda.hinter – private Räume für die Allgemeinheit. All das sind Formate, die es in dieser Form in den jeweiligen Stadtteilen vorher nicht gab und die häufig nachhaltig wirken: Einige Projekte bleiben bestehen oder werden in modifizierter Weise fortgeführt, mancherorts entstehen Strukturen, die es anderen Menschen erleichtern, sich ebenfalls zu engagieren, andere dienen als Impuls für die Etablierung neuer Projekte.

Miriam Mandryk — Warum engagieren sich die Leute – heute und früher?

Annette Gloser — Gerade junge Leute scheinen sich unserer Postwachstumsgesellschaft bewusst, soziale Beziehungen und das Wohlbefinden der Menschen rücken wieder mehr ins Zentrum. Vielen geht es darum, sich selbst in die Geschehnisse um sich herum einzubringen, Menschen zusammenzubringen, darum, gemeinsam etwas zu tun, vor Ort etwas zu verändern, Neues zu schaffen, etwas zu bewegen. Und das geht in meiner direkten Nachbarschaft oder mit Freunden am besten. Bürgerengagement kann – weil es konkret und nah an den aktuellen "Fehlstellen" ansetzt – oft bessere Lösungen für Probleme vor Ort finden. Und schnelle Erfolgserlebnisse schaffen Zufriedenheit, motivieren und setzen häufig einen Schneeballeffekt in Gang.

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Das gesamte Interview finden Sie in der Polytechnik 1/2017. Das Heft gibt es entweder als PDF-Download, oder aber als Druckversion frei Haus. Schreiben Sie uns dafür eine E-Mail an info@sptg.de mit Angabe Ihrer Anschrift.