09. Juni 2017

Christian Diegel im Porträt: "Ich konnte mich weiterentwickeln"

von Jens-Ekkehard Bernerth

Christian Diegel ist Alumnus der Junior-Ingenieur-Akademie und Experte im Schoko-3D-Drucken. Wir stellen den frischgebackenen Abiturienten vor, der eine ausgeprägte Vorliebe für MINT-Fächer (also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), Handball und Punkrock hat.

Kann gut mit dem 3D-Drucker Schokolade drucken: Christian Diegel (Foto: Dominik Buschardt).


Mathematik ist eine Leidenschaft von Christian Diegel. Schon seit der Grundschule liebt der 18-jährige, zurückhaltend-höflich wirkende Frankfurter die Welt der Zahlen, was sich bis zum Ende seiner Schulzeit durchgezogen hat – wenn auch mit einer Einschränkung: "Stochastik mochte ich nie so gerne, das war zu viel Würfeln für mich. Dafür mag ich lineare Algebra und Analysis. Diese beiden Halbjahre des Mathe-LKs haben mir am meisten Spaß gemacht." Auch die übrigen Mint-Fächer Physik und Chemie lagen dem gebürtigen Frankfurter sehr, einzig die Biologie konnte bei ihm keine große Leidenschaft entfachen.

Dementsprechend erscheint es logisch, dass Christian als nächsten Schritt ein Mathestudium anstrebt: "Ich bin gespannt, ob das klappt", sagt er lächelnd, "vielleicht werde ich ja sogar mal Lehrer." Einen Weg in die IT will er auch nicht ausschließen: "Mathe und Informatik lassen sich schön verknüpfen, vielleicht lerne ich das ja noch kennen und merke, dass mir das Spaß macht."

Sein Studium könnte sich der Frankfurter dann mit Handballtraining finanzieren: "Ich spiele seit zehn Jahren und habe auch als Trainer gearbeitet, was durch das Abitur ein wenig unterbrochen wurde", berichtet er. Ansonsten arbeitet der künftige Student gern mit Freunden an gemeinsamen Projekten, etwa bei der Junior Ingenieur-Akademie, und hört begeistert Musik: "Ich bin da recht 'veraltet', mag die 80er und 90er gerne, aber auch Punkrock. Meine Eltern kommen aus Eschwege, wo das Open-Flair-Festival ist, da hatte ich den Bezug zu dieser Musik und bin auf den Geschmack gekommen. Elektro und DJ-Musik hingegen ist nicht wirklich meins."

Im Interview verrät Christian, wie die Erfahrungen an der Junior-Ingenieur-Akademie ihn geprägt und verändert haben.

Welche Inspirationen haben Sie durch das Stipendium und die damit verbundenen Veranstaltungen erhalten? 

Durch die Junior Ingenieur-Akademie konnte ich Einblicke in naturwissenschaftliche Vorgänge erhalten, beispielsweise durch Besuche bei Samson oder beim Bäcker Eifler, wo wir nachts mal mitbacken durften. Dadurch konnte man viele Einblicke gewinnen, die man im Schulunterricht nicht bekommen hat. In der Schule ist das Ganze ja eher theoretisch, so konnte man sehen, wie die MINT-Fächer Jobs beeinflussen. Das fand ich super interessant. Und wer weiß, vielleicht führt das ja auch dazu, dass ich später nach dem Mathestudium im naturwissenschaftlichen Bereich arbeiten werde. War auf jeden Fall schön, von dem Theoretischen weg zu sein und zu sehen, was man mit den MINT-Fächern anfangen kann.

Wie hat sich Ihr Leben durch die Stiftung und das Stipendium verändert?

In der Junior-Ingenieur-Akademie haben wir einen Schoko-3D-Drucker konstruiert. Dabei habe ich erfahren, dass man in solch ein komplexes Projekt sehr viel Zeit und Arbeit investieren muss. Und man muss gut auf sein Zeitmanagement achten. Außerdem habe ich gelernt, mit unerwartet auftretenden Problemen umzugehen – Schokolade ist nicht der beste Stoff, den man zum 3-D-Drucken einsetzen kann… Immerhin konnten wir ihn am Ende essen. Aus dem Umgang mit dem Projekt hab ich mich weiterentwickelt und konnte viel für die Herausforderungen des Lebens lernen. Außerdem konnte ich super Kontakte knüpfen. Insgesamt wurde man sehr nett aufgenommen von der Stiftung, das kannte ich so noch nicht.

Was war das schönste Erlebnis, das Sie während Ihrer Zeit als Stipendiat gemacht haben?

Als endlich der erste Druck mit dem Schoko-3D-Drucker klappte. Das war auf jeden Fall cool, dass eine Sache, die viel Arbeit verlangt hatte, am Ende auch funktionierte. Wir hatten mehrere Wochen Arbeit in das Projekt gesteckt, also eigentlich viel zu viel Aufwand betrieben. Das war ein schönes Erfolgserlebnis. Die Ausflüge, die man machen konnte, waren auch immer cool - wie eben nachts um vier Brötchen backen, das macht man sonst ja nicht. Der Höhepunkt war für mich allerdings der Tag der Junior-Ingenieure in Höchst!

Was nehmen Sie aus der Begegnung mit den anderen Stipendiaten mit?

Ich war ja in der Junior-Ingenieur-Akademie der Elisabethenschule, und die anderen Stipendiaten waren deshalb vor allem meine Mitschüler. Durch die enge Zusammenarbeit haben wir uns nochmal besser kennengelernt und konnten uns gut aufeinander einstellen. Ich finde, dass ich Glück mit meiner Gruppe hatte – sowohl was die Lehrer als auch Mitschüler angeht. Alle haben einander super geholfen und mitgemacht, und dadurch hat es wirklich viel Spaß gemacht.

Welche Projekte/Ziele streben Sie in nächster Zeit an?

Ich will jetzt erstmal reisen. Deshalb werde ich das nächste halbe Jahr arbeiten und dann ein halbes Jahr lang die Welt kennenlernen und mein Englisch verbessern. Das sollte in Australien gut klappen. Und dann bin ich natürlich gespannt, ob das mit dem Mathestudium so läuft, wie ich es mir erhoffe. Ich freue mich auf die Erfahrungen und bin gespannt, ob mein Interesse an Mathe weiterhin bestehen bleibt.

Der Begriff "polytechnisch" beschreibt ein Menschenbild, das von vielfältigen Talenten eines Menschen ausgeht. Konnten Sie im Laufe Ihrer Stipendiatenzeit neue Talente an sich entdecken oder ausbauen?

Das konnte ich tatsächlich. Da wir viele verschiedene Aufgaben hatten, bei denen verschiedene Talente gefragt waren, war das auch unumgänglich. Ich hatte ja schon erzählt, dass ich mein Zeitmanagement verbessern konnte, aber ich habe auch vieles für die Präsentation von Projekten gelernt. Dieses Wissen konnte ich in letzter Zeit oft anwenden!

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Foto: Dominik Buschardt)