15. April 2020.

Das ist das Digitechnikum, die Zukunftswerkstatt für digitale Talente

von Karoline Leibfried

Das Digitechnikum, die "Zukunftswerkstatt für digitale Talente", ist das jüngste Leitprojekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Es bietet verantwortungsbewussten, kreativen und IT-begeisterten Jugendlichen die Chance, ihre informatischen Kenntnisse zu vertiefen und sie für einen guten Zweck einzusetzen. Doch auch die jungen IT-Talente des Digitechnikums stehen in Zeiten von Corona aktuell vor der Herausforderung, die Weiterarbeit an ihren Projekten, die sie in Kleingruppen entwickeln, digital voranzutreiben.

Foto: Dominik Buschardt


Allerdings sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei voll in ihrem Element: Die Teamarbeit organisieren sie digital mithilfe sogenannter Kanban Boards, und um ihre Ideen und den aktuellen Stand ihrer Projekte vorstellen zu können, produzieren sie derzeit kurze Filme, die bald online veröffentlicht werden sollen. Bei der Konzeption und Umsetzung ihrer Filme und Projekte werden sie im Rahmen von regelmäßigen Video-Konferenzen von ihren Betreuern unterstützt.

Welche Ziele mit dem Digitechnikum verfolgt werden, wie das Programm abläuft und was es seinen Teilnehmern bietet, verrät im Folgenden Annika Löffler-Djahani, die die "Zukunftswerkstatt für digitale Talente" zusammen mit ihrer Kollegin Sina Wetzel von der Frankfurter Goethe-Universität leitet.

Ganz gleich, wohin man blickt, an der Digitalisierung kommt man (fast) nicht mehr vorbei. Morgens werden die neuen Nachrichten auf dem Smartphone gecheckt, im Büro wird am PC gearbeitet, für das Schulreferat über Suchmaschinen im Internet recherchiert; nach Feierabend verabredet man sich über Whatsapp mit Freunden und streamt abends auf dem Sofa noch ein paar Serien.

Besonders die sogenannten Digital Natives, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, nutzen immer früher und immer länger das Internet und digitale Geräte mit großer Selbstverständlichkeit. Jugendliche sind laut Selbsteinschätzung an einem durchschnittlichen Wochentag 214 Minuten online, wie die JIM-Studie 2018 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest aufzeigt. Viele der über lange Zeit genutzten elektronischen Geräte wurden mittlerweile durch digitale Technologien ersetzt, weitere Veränderungen werden noch folgen.

Ruf nach Digitalkompetenz

Der Ruf nach Digitalkompetenz bei Schülerinnen und Schülern wird daher zu Recht immer lauter. Doch nur wenigen Schulen ist es möglich, diesen Anforderungen gerecht zu werden und Informatik als Grund- oder gar Leistungskurs anzubieten. Dabei eröffnet die Digitalisierung die große Chance, gerade mit relativ einfachen Mitteln neue Ideen und Projekte umzusetzen, die einen positiven Einfluss auf unser Leben haben können.

An Ideen, Interesse und Engagement der Jugendlichen mangelt es sicher nicht. Doch fehlt bisher die Plattform, auf der sich Schülerinnen und Schüler genau zu diesem Zweck regelmäßig treffen, austauschen und gemeinsam kreative Projekte umsetzen können, um Digitalität mit Ethik und gesellschaftlicher Verantwortung zu verknüpfen. Und zwar ganz analog, denn viele Jugendliche berichten, dass ihnen insbesondere der Austausch mit Gleichgesinnten in ihrem Umfeld fehlt.

Digitechnikum will die Lücke schließen

Diese Lücke schließt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit ihrem neuen Projekt Digitechnikum: Gemeinsam mit dem Institut für Didaktik der Mathematik und der Informatik (IDMI) an der Frankfurter Goethe-Universität unterstützt die Stiftung verantwortungsbewusste, kreative und IT-begeisterte Jugendliche dabei, ihre informatischen Kenntnisse zu vertiefen und sie für einen positiven Zweck einzusetzen. So wird es den Jugendlichen ermöglicht, im digitalen Zeitalter selbst aktiv ihre Umwelt mitzugestalten und zu verbessern. Dabei arbeiten sie in Teams zusammen und werden bei ihren Projektentwicklungen kontinuierlich von Mentoren unterstützt und begleitet.

Das Programm wurde erstmals im Schuljahr 2019/2020 an 25 Frankfurter Schulen ab der 9. Klasse ausgeschrieben und läuft über ein Schuljahr. Mit mehr als doppelt so vielen Bewerbungen wie freien Plätzen war die erste Resonanz auf das Digitechnikum sowohl bei den Schülerinnen und Schülern als auch bei den Lehrkräften und Schulleitern äußerst positiv. Die erste Stipendiatengruppe mit 25 Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren bringt unterschiedlichste Programmierkenntnisse mit, hat jedoch eines gemeinsam: die Leidenschaft und Begeisterung für Digitales und das Ziel, mit ihren Ideen die Welt ein wenig besser zu machen.

Kreative und agile Methoden

Das Programm beginnt mit einem Impuls- und Ideenworkshop, bei dem die Stipendiaten verschiedene Themenbereiche, wie Umwelt, Gesundheit oder Mobilität, beleuchten und aktuelle Probleme identifizieren. Mithilfe kreativer und agiler Methoden aus der Softwareentwicklung suchen sie dann nach den besten Lösungen für die erkannten Herausforderungen. Dabei steht es ihnen frei, Software- oder Hardware-Projekte zu entwickeln, beispielsweise in Form einer neuen Website, einer App oder eines Robotikprojekts.

Danach startet die "Zukunftswerkstatt für digitale Talente": Etwa alle drei Wochen treffen sich die Jugendlichen zum Werkstatt-Termin in der Goethe-Universität, um in kleinen Teams ihre Projekte weiterzuentwickeln. Lehramtsstudierende der Informatik an der Goethe-Universität betreuen die Schüler als Mentoren. Die Studierenden können das Digitechnikum als neues Seminar im Studienangebot an ihrer Hochschule belegen. Durch die fachliche und pädagogische Betreuung der Jugendlichen können sie wertvolle Praxiserfahrungen für ihre spätere Lehrtätigkeit sammeln. Das Programm wird somit Teil der Lehrkräfteausbildung.

Nachhaltig

Durch die fachliche Betreuung des Digitechnikums an der Goethe-Universität sorgt die Stiftung außerdem bereits nachhaltig für die Frankfurter Schullandschaft vor: Parallel zum Stipendienprogramm wird das Projekt wissenschaftlich begleitet und ein didaktisch fundiertes Unterrichtsangebot für Schulen nach dem Vorbild des Digitechnikums entwickelt. Dies kann zum Beispiel in Form von Wahlunterricht, einer Arbeitsgemeinschaft oder als Projektunterricht gestaltet sein und soll in einem zweiten Schritt an Frankfurter Schulen transferiert werden, um sie bei der Förderung junger Menschen im Themenfeld Digitalisierung und Ethik zu unterstützen.

Um zu verstehen, was sich hinter aktuellen Trends und Themen wie Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Blockchain-Technologie, Smart Home oder Virtual Reality verbirgt, beleuchtet ein Blitzvortrag eines Experten bei jedem Werkstatt-Termin eines dieser Themen – unter ihnen sind ehemalige Main-Campus-Stipendiaten der Stiftung, Softwareprogrammierer, Mitglieder des Chaos Computer Clubs, Gründer von Start-ups oder Wirtschaftsprofis. Gemeinsame Exkursionen zu thematisch passenden Veranstaltungen und Vorträgen oder zu spannenden Orten bereichern das Programm zusätzlich.

Die Spannung steigt bis zum Ende des Schuljahres – dann werden die Projekte bei einem Endspurt-Hackathon noch einmal intensiv feingeschliffen, fertiggestellt und schließlich bei einem großen Abschlussfest Freunden, Familien, Lehrkräften und anderen IT-Begeisterten präsentiert. Man darf gespannt sein, welche innovativen Ideen der Stipendiaten unser Leben am Ende ein kleines Stück besser machen werden.

Mehr zum Digitechnikum auf der Projekt-Website unter www.digitechnikum.de.

Text: Annika Löffler-Djahani

Über die Autorin

Annika Löffler-Djahani hat als Chemikerin nicht nur im Labor experimentiert, sondern auch neuartige Moleküle am Computer berechnet und simuliert. Sie leitet das Digitechnikum gemeinsam mit einer Kollegin der Goethe-Universität und unterstützt als Projektreferentin seit rund eineinhalb Jahren den Bereich Wissenschaft und Technik der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.