2020 war ein bewegtes, in vielerlei Hinsicht überraschendes Jahr. Die Galerie nimmt Sie mit auf eine Reise durch die vergangenen zwölf Monate, die trotz aller Umstände viele besondere Momente boten.

Fotos: Sarah Keßler, Michelle Spillner, Dominik Buschardt, Philip Eichler


Mit dem Bildungsprojekt Endspurt wurde auch 2020 eingeleitet. Die 100 teilnehmenden Kinder im Frankfurter Schullandheim Wegscheide in Bad Orb trainierten bei winterlichen Temperaturen ihre Deutschkenntnisse, spielten Theater und erlebten ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm. Viele von ihnen nahmen bereits im Sommer des vergangenen Jahres am Deutschsommer teil. Mit dem Endspurt werden die Kinder kurz vor der Empfehlung für den Wechsel auf eine weiterführende Schule gezielt in ihrer Sprach- und Persönlichkeitsbildung unterstützt und gefördert.

Rund ging es....

....wenige Tage später beim Neujahrsempfang der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Im festlichen Rahmen des mittlerweile denkmalgeschützten Wolkenfoyers traf die gesamte Bandbreite des Stiftungsumfelds aufeinander, Stipendiaten der aktuellen Jahrgänge auf verdiente Alumni, Kollegiaten auf Stadtteil-Historiker, Polytechniker auf Stiftungsmitarbeiter. Es wurde gemeinsam gelacht, gespeist, motivierenden Reden zugehört und das Tanzbein zur Musik der Stiftungsband Plan Zehn geschwungen.

Niemand konnte ahnen, dass der Neujahrsempfang, ....

...die Aufnahme der Bürger-Akademie und einen Tag später das Frankfurter Finale von Deutschland schreibt! die vorerst letzten großen Präsenzveranstaltungen unter normalen Umständen sein würden. Umso schöner, dass die festliche Aufnahme in einem feierlichen Rahmen stattfand und die Bürger-Akademikerinnen und -Akademiker auf verdiente Art und Weise in das Programm aufgenommen werden konnten.  

Mitte März verließ das Stiftungsteam coronabedingt das Polytechniker-Haus und stellte auf mobiles Arbeiten von zu Hause aus um. Physische Veranstaltungen wurden zunächst bis Anfang Juli 2020 abgesagt. Parallel dazu lief das Hochziehen digitaler Formate auf Hochtouren. Unser Vorstand schrieb Anfang April dazu: "Wir sind eine Begegnungsstiftung: Menschen zusammenbringen, Gemeinschaft zu ermöglichen, Vielfalt und Zusammenhalt zu vereinen, das ist unsere Aufgabe. Wir sind eine Bildungsstiftung: Wir vermitteln auf vielfältige Weise umfassende Persönlichkeitsbildung. "Bildung, Verantwortung, Frankfurt": Dieses Motto gilt selbstverständlich weiterhin. Nun ist uns aber die physische Basis für unsere Begegnungsarbeit zunächst entzogen. Das löst vielfältige Suchbewegungen aus. Das ein oder andere wird abgesagt, manches wird zeitlich verschoben oder auch verlängert, vieles in digitale Formen transformiert. Doch so ungewohnt die Lage auch ist: Gegenwärtig agieren wir und agieren unsere Stipendiaten und unsere Partner unverdrossen, beherzt und ideenreich, um unter veränderten Bedingungen das zu tun und zu fördern, was nützt und hilft: von den kleinen Gesten der Solidarität über einfache Botschaften der Humanität bis zu nicht-physischen Formen des Kontakthaltens und Einander-Begegnens."

 Auch der Stiftungschor stellte um, und produzierte das wunderschöne Coldplay-Cover "Viva la vida", das Sie auf Youtube ansehen können. Zudem haben einige Alumni und Stipendiaten sich engagiert, wie Sie hier nachlesen können

Das Hausgespräch war dementsprechend das erste Format, das den Schritt ins Digitale wagte und als Live-Übertragung via Youtube-Stream durchgeführt wurde. In der Evangelischen Akademie Frankfurt diskutierte Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt mit seinen Gästen Prof. Dr. Caja Thimm, Cedric Engels aka Dr. Watson und Luca Neuperti Anfang Mai das Thema "Alles gut? Kommunikation im radikalen Wandel", ohne Gäste in Präsenz vor Ort, dafür vor dem heimischen Monitor. Die Sonderseite finden Sie hier, dort können Sie sich auch die Aufzeichnung des Live-Streams nachträglich ansehen. 

Eine besondere digitale Art der Würdigung wurde Ende Juni für die Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Medienprojekts Meine Zeitung produziert: Mittels Videogruß der Verantwortlichen wurden die teilnehmenden Klassen geehrt und die besten Langzeitarbeiten des diesjährigen Jahrgangs prämiert. 

Für den Deutschsommer, der wie gewohnt in den ersten drei Wochen der Sommerferien stattfand, wurde aufgrund der Umstände ein strenges Hygienekonzept erarbeitet. Die Schullandheimstandorte wurden in diesem Jahr nicht besucht, stattdessen reduzierte sich der Frankfurter Deutschsommer auf innerstädtische Standorte. Stadträtin Sylvia Weber zeigte sich erfreut über die Durchführung des wichtigen Bildungsprojekts: "Ich bin sehr froh, dass wir an zwei Standorten auch Kindern aus Intensivklassen mit dem Deutschsommer ein Angebot machen können. Sie haben durch die Pandemiesituation unter gleich mehrfachen Benachteiligungen gelitten. Fehlende Sprachkenntnisse machen Homeschooling nicht gerade einfacher. Und oft kommen noch eine schlechte Lernumgebung und eine mangelnde technische Ausstattung hinzu,“ so die Stadträtin. 

Trotzdem war der Deutschsommer ein voller Erfolg, und aufgrund der großen Nachfrage wurde erstmals ein zweiter Durchgang im Herbst geplant und auch durchgeführt.

Digital ging es auch bei den Stadtteil-Historikern zur Sache. Die "Bürger, die Geschichte schreiben", verfügen seit dem Sommer über eine eigene Webpräsenz. Das Besondere: Die Seite bildet die Ergebnisse der Forschung der Laienhistorikerinnen und -historiker ab, übersichtlich und lesefreundlich dargestellt und dank Kategorien nach Interessensgebieten sortierbar. Nicht nur für Frankfurterinnen und Frankfurter lohnt sich also ein Besuch der Seite. Einen kleinen Rekord gab es bei der Ausschreibung für den neuen Jahrgang zu vermelden: Über 40 spannende und qualifizierte Bewerbungen waren für den Start der neuen Generation eingetroffen. Eine schwere Auswahl für die Jury, die am 1. September tagte und 25 Stipendiaten für den neuen Jahrgang ausgewählt hat. Dieser wird am 16. Januar feierlich in Rahmen eines digitalen Tags der Geschichte aufgenommen.

Im Sommer fand schließlich die Verabschiedung des ersten Jahrgang des Digitechnikums statt. Die jungen IT-begeisterten Schülerinnen und Schüler konnten zwar nicht wie geplant eine Ausstellung machen, feierten aber dann bei strahlendem Sonnenschein eine muntere Verabschiedung. Der zweite Jahrgang ist vor kurzem schwungvoll gestartet, und wir sind gespannt, wie sich die Projekte dieses Mal gestalten. 

Betreuung und Begleitung waren und sind die Zauberworte beim Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern , Deutschlands einzigartigem Familienstipendium. Die Stipendiaten-Familien wurden mittels digitaler Eltern-Cafes und Rundrufaktionen betreut und begleitet. Für die Familien eine wunderbare Hilfe, die wirkt, wie Sie in diesem Interview nachlesen können. In den Schulferien bot die Stiftung mehrere Kurse für die Diesterweg-Kinder an, etwa ein Rechtschreibkurs mit kleinem Diktatwettbewerb, ein Englisch-Workshop mit Erstellung einer eigenen Zeitung sowie zwei Computerkurse. Im August folgen die Abschiedsgespräche in kleinen Gruppen, und Anfang September startete das Team um Beate Moran und Oliver Beddies bereits mit den Aufnahme-Gesprächen für die neue Generation.

Durchweg aktiv war die Stiftungsband Plan Zehn in diesem Jahr. Nachdem die Bandmitglieder nicht live auftreten konnten, produzierten sie stattdessen aus ihren Wohnzimmern heraus Lieder für den Youtube-Kanal der Stiftung. Dabei zeigte sie ihre ganze Bandbreite, neben Covern wurde auch selbstkomponiertes Material eingespielt und hochgeladen. Die Musik-Playliste auf Youtube finden Sie hier.

Main-Campus, das Stipendiatenwerk für Akademiker, musste sich ebenfalls mit seinen Angeboten an die Corona-Situation anpassen. Der Begeisterung für das Stipendium beziehungsweise der Qualität der Kurse tat dies glücklicherweise keinen Abbruch, wie eine kürzlich durchgeführte Evaluation belegt. Neben Seminaren unternahmen die Stipendiaten beispielsweise Fachexkursionen zum Weltnaturerbe Grube Messel, zur Saalburg im Taunus oder auch eine gemeinsame Wanderung entlang des ehemaligen römischen Grenzwalls Limes - stets mit dem Hintergedanken, die Allgemeinbildung im Bereich der Geistes- und Naturwissenschaften gemeinsam zu erweitern.

Ein weiterer Höhepunkt des 15. Stiftungsjahres war die Auftaktveranstaltung zur Jugendbegegnung Frankfurt Lyon 2021. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft wurde zusammen mit dem Goethe-Institut Lyon eine Jugendbegegnung geschaffen, die mittels Seminaren und Vorträgen junge Menschen beider Städte in Kontakt bringen soll. Gleichzeitig soll die spannende und zukunftsträchtige Frage diskutiert werden, wie für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Stadt der Zukunft aussieht, welche gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Veränderungen dafür notwendig sind, und vor allem welche Rolle die jungen Bürgerinnen und Bürger einnehmen können, um die nachhaltige Stadt der Zukunft aktiv mitzugestalten. 

Auch das Kolleg für junge Talente hat sich erfolgreich an die neue Lage angepasst. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den aktuellen und zurückliegenden Generationen trafen sich unter anderem in einer Veranstaltung auf der Video-Plattform Zoom für einen polytechnischen Gedankenaustausch zur Pandemiezeit. Auf die Frage nach den eigenen Handlungsmöglichkeiten in der Krise kamen Antworten wie: „Anderen aufmerksam zuhören!“, „Selber nachdenken!“ oder „Die Chance nutzen, andere Möglichkeiten auszuprobieren!“. Die Herbstakademie konnte glücklicherweise physisch stattfinden, stets unter Wahrung der Hygieneauflagen.

Im Herbst wurde nicht nur der Deutschsommer ein zweites Mal durchgeführt. Es wurde zudem noch die Generationenumfrage veröffentlicht, mit vielen wunderbaren Ergebnissen und Zitaten. So gaben beispielsweise 88 Prozent der Befragten an, dass die Lerninhalte des Deutschsommers in der Schule weitergeholfen haben. Ein Kind sagte: "Das war eines der besten Erlebnisse meiner Kindheit und ich denke auch immer wieder dran", ein anderes "Durch euch habe ich lesen gelernt. Danke!!!". 

International ging es Ende Oktober zu: Der große Rechtschreibwettbewerb konnte erstmals ein weltweites Teilnehmerfeld begrüßen. Nachdem er rein digital vorgenommen wurde, meldeten sich ganze Schulklassen aus aller Welt für das Finale an. Insgesamt wetteiferten 774 Sprachfans um den Titel "Rechtschreibstar 2020", darunter aus Städten wie Paris, Athen, Málaga, Istanbul, Kairo, São Paulo, Bangalore und Lima. Die Siegerin kam dabei sogar aus Hongkong.

Natürlich ist die Website www.deutschland-schreibt.de nicht nur zu Zeiten des großen Finales einen Besuch wert. Neben den klassischen Rechtschreibübungen und Texten finden immer wieder Spezialaktionen statt, derzeit etwa ein Weihnachtsquiz auf Basis des Duden-Buches "Schlag den Duden!".

Die achte Generation Stadtteil-Botschafter wurde im November aufgenommen. 14 neue Projekte wollen Gutes tun für die Stadt Frankfurt. Der Kick-off erfolgte hybrid, die Durchführung wird vorerst digital ablaufen. Das Projektspektrum ist auch in diesem Jahr groß: Neben den Themen Nachhaltigkeit, Generationenaustausch und Kunstvermittlung wird es auch erstmals Projekte zu Demokratiebildung und Gesundheitsprävention geben.

Im November gab es einen ganz besonderen Moment: Die Würdigung des 1000. Teilnehmers der Willkommenstage. Auch freute sich die Stiftung über die erneute Gabe von Mr. X, der einmal mehr 100.000 Euro für das Projekt spendete.

Ein für die Stiftung wichtiges Datum ist der 24. November. An diesem Tag feiert sie Geburtstag, in diesem Jahr den 15. Zu diesem Anlass haben wir eine Sonderseite online gestellt, auf der wir die vergangenen 15 Jahre rekapitulieren und mit interessanten Stipendiatenportäts spannende Lektüre anbieten. 

Und schließlich wurden im Dezember ebenfalls noch die ersten Nachhaltigkeitspraktiker für ihr Durchhaltevermögen gewürdigt. Die Nachhaltigkeitspraktiker sind junge Menschen, die sich ein persönliches, nachhaltiges Ziel setzen, beispielsweise in puncto Konsumverhalten, Mobilitätsgewohnheiten oder bei der Ernährung. Gleichzeitig hat das zweite neue Projekt der Stiftung, die Junge Paulskirche, gegen Ende des Jahres begonnen.

Was bleibt als Resümee? Die Stiftung agierte in diesem besonderen Jahr unverdrossen, wie Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt gerne betont, und hat 2020 so gut es geht gemäß der von Bereichsleiter Konrad Dorenkamp geprägten Maxime "Aus Möglichem viel machen" gestaltet. Kein Projekt wurde abgesagt, stattdessen die bestehenden Projekte beibehalten und sogar neue gestartet. Ferner wurde die digitale Kommunikation ausgebaut, die Stiftung verfügt nun über einen eigenen Instagram-Kanal sowie einen Newsletter, der einmal im Monat Informationen, Geschichten und Termine aus der Stiftung direkt in Ihre Mailbox bringt. Falls Sie noch nicht angemeldet sind, können Sie das hier gerne tun.

Doch nun möchten wir Ihnen von Herzen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch wünschen. Wir freuen uns auf das nächste Jahr mit Ihnen an unserer Seite.

Ihre Stiftung Polytechnische Gesellschaft