19. Oktober 2020.

Den Deutschsommer gab es 2020 auch im Herbst

von Elisabeth Brachmann

Um auch in diesem turbulenten Jahr möglichst vielen Kindern "Ferien, die schlau machen" zu ermöglichen, fand der Deutschsommer 2020 erstmalig zusätzlich in den Herbstferien statt. Insgesamt konnten so alleine in Frankfurt 150 Schülerinnen und Schüler spielerisch ihre Sprachkenntnisse verbessern. Stiftungsvorstand Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt und Bildungs- und Integrationsdezernentin Sylvia Weber ließen es sich nicht nehmen, einen Deutschsommer-Standort zu besuchen.

In 2020 hatten 150 Grundschulkinder in Frankfurt in den Sommer- und erstmals auch in den Herbstferien die Möglichkeit, im Rahmen des Deutschsommer-Programms ihre Deutschkenntnisse spielerisch zu verbessern. Foto: Philip Eichler


Für den Besuch wurde der Standort Hellerhofschule im Gallus ausgewählt. Hier trafen sich 13 Kinder aus verschiedenen Frankfurter Intensivklassen, die zum Teil aus Sprachanfängern, die erst seit Kurzem in Deutschland leben, bestehen. Finanziert werden die beiden Deutschsommergruppen für Intensivklassen vom Frankfurter Dezernat für Integration und Bildung.

Die Viertklässler an der Hellerhofschule beschäftigten sich mit dem Kinderbuch "Rosie und Moussa" von Michael De Cock – eine Geschichte über das Ankommen und Freundschaft. Große Wandzeichnungen mit Szenen aus dem Buch schmückten den Standort. Üblicherweise erarbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen des Deutschsommers gemeinsam ein Theaterstück, das im Rahmen eines großen Theaterfests aufgeführt wird. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen wurde das Format in diesem Jahr allerdings umgeplant.

Wie in den Vorjahren erhielten die Deutschsommerkinder vormittags 90 Minuten spielerischen Deutschunterricht. Ergänzt wurde das Vormittagsprogramm in diesem Jahr jedoch durch die gemeinsame Arbeit an einem Film, der zum Abschluss der Sprachferien in einem "Klassenkino" Premiere feierte. Für die Nachmittage wurde zusätzlich das sogenannte Heimspiel eingeführt: kreativitäts- und sprachfördernde Aufgaben, mithilfe derer die Kinder ihren eigenen Stadtteil erkunden und per Messenger ihre Entdeckungen miteinander teilen konnten. Ihre Ergebnisse entwickelten sie am nächsten Tag in der Schule weiter. Betreut wurden die Kinder wie jedes Jahr von einem Trio aus Sprach-, Sozial- und Theaterpädagogen.

Tun, was in der Krise fehlt: Der Deutschsommer im Herbst

An fünf Standorten in Frankfurt – der Uhlandschule, der Münzenbergschule, der Eichendorffschule, der Konrad-Haenisch-Schule und der Hellerhofschule – ermöglichte die zweite Durchführung in den Herbstferien 75 weiteren Kindern aus 21 Frankfurter Stadtteilen spielerisch ihre Deutschkenntnisse zu verbessern – stets unter Einhaltung der notwendigen gesundheitlichen Vorkehrungen. Einige der Kinder nahmen sogar an beiden Durchläufen teil. Monika Röttele, Projektleiterin des Deutschsommers, freut sich über die erfolgreiche Durchführung des Herbstdurchgangs: "Auf diese Weise konnten wir alle Kinder unterbringen, die Unterstützung benötigen."

Denn Anfang Juni hatte der Bildungsbereich der Stiftung Polytechnische Gesellschaft noch nach Möglichkeiten gesucht, die Kinder und Familien zu unterstützen, die ohnehin besonderer Förderung bedürfen. "Absagen kam nicht in Frage. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und temporärer Schulschließungen ist es unsere Aufgabe, einen Weg zu finden, diese Schülerinnen und Schüler zu unterstützen", unterstreicht Oliver Beddies, Bereichsleiter Bildung der Stiftung.

Daraus, und aufgrund der großen Nachfrage der Schulen, erwuchs das Vorhaben, den Deutschsommer in diesem fordernden Jahr 2020 ein zweites Mal in den Herbstferien durchzuführen. Zu dieser Entscheidung sei man gelangt, um "unter den aktuell herausfordernden Bedingungen möglichst viele Schülerinnen und Schüler zu erreichen", so Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt.

Ferien, die schlau und Spaß machen

Nachdem die Stiftung Polytechnische Gesellschaft 2007 den Deutschsommer in Frankfurt erstmals durchführte und das Programm über die Jahre ausbaute, übertrug das Hessische Kultusministerium das Projekt in den vergangenen beiden Jahren an inzwischen acht weitere hessische Städte. Seitdem konnten allein in Frankfurt 2345 Kinder aus 51 Frankfurter Grundschulen an den "Ferien, die schlau machen" teilnehmen – 150 davon im Sommer und Herbst 2020. Besonders in Zeiten schwindender Motivation im Homeschooling, während dessen Kinder teilweise unter schwierigsten Bedingungen den Unterrichtsstoff bewältigen mussten, sei es wichtig, Lust am Lernen zu vermitteln, so Bildungs- und Integrationsdezernentin Weber: "Der Deutschsommer hat auch in diesem Jahr bewiesen, dass er mehr kann als Sprachkenntnisse zu verbessern."

Auch die Evaluation des Sommerdurchgangs bestätigt die Wirksamkeit des Programms: 91 Prozent der Kinder fanden den Deutschsommer 2020 "gut" oder "super". Im Rahmen einer zweiten, großen Generationenumfrage (mehr dazu) gaben zudem 88 Prozent der befragten Deutschsommer-Alumni an, das Programm habe ihnen in der Schule weitergeholfen und ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Einige der Antworten lasen: "Durch euch habe ich lesen gelernt", "Ich konnte viele Freundschaften schließen" und "Wenn ich an die Zeit denke, muss ich immer lächeln." Bleibt zu hoffen, dass auch die Kinder der Generation Sommer und Herbst 2020 rückblickend nicht nur an die Pandemie, sondern auch mit einem Lächeln an den Deutschsommer zurückdenken.