22. Juli 2021.

Der Deutschsommer wird 15

von Elisabeth Brachmann

Der Deutschsommer der Stiftung Polytechnische Gesellschaft feiert 15-jähriges Bestehen. Über 4.200 Schülerinnen und Schüler haben das Programm seit 2007 absolviert, in diesem Sommer nehmen 570 Grundschülerinnen- und -schüler in ganz Hessen daran teil. Zur Pandemie wurde das Konzept angepasst.

Deutsch lernen, Theater spielen, Freizeit genießen: Seit 15 Jahren unterstützt der Deutschsommer Grundschülerinnen und -schüler in Frankfurt beim Übergang in die vierte Klasse.


Seit 2007 machen die Sommerferien in Frankfurt nicht nur Spaß, sondern auch schlau. Dafür sorgt das Sprachförderprogramm "Deutschsommer" nun schon seit 15 Jahren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stehen am Übergang von der dritten in die vierte Klasse und haben einen erhöhten Sprachförderbedarf. In diesem kritischen Moment der Bildungsbiografie setzt das Programm der Stiftung Polytechnische Gesellschaft an mit dem Ziel, Sprachbarrieren abzubauen. Neben der Förderung der Bildungssprache Deutsch stehen auch Theater, Freizeit und Persönlichkeitsbildung auf dem Programm. So werden ganz spielerisch natürliche Sprachanlässe geschaffen.

Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz gratuliert dem Programm: "Wer in der Schule bestehen will, muss unsere Sprache beherrschen. Wir sind der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt sehr dankbar dafür, dass sie seit mittlerweile 15 Jahren Kinder in den Ferien auf die für den weiteren Schulweg so wichtige vierte Jahrgangsstufe vorbereitet und unsere schulischen Anstrengungen auf spielerische Weise sinnvoll ergänzt."

In den ersten drei Wochen der Sommerferien wird der Deutschsommer in Frankfurt in acht Kleingruppen à 15 Schülerinnen und Schüler durchgeführt. Finanziert vom Dezernat für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt kommen zwei Intensivklassen-Gruppen für Sprachanfänger hinzu. Monika Röttele, Projektleiterin der Stiftung, freut sich über einen gelungenen Programmauftakt: "In diesem Jahr konnten rund 150 Frankfurter Schülerinnen und Schüler an neun verschiedenen Standorten in den Frankfurter Deutschsommer starten – und das bei schönstem Sonnenschein. Ich freue mich sehr, dass wir trotz der anhaltenden Corona-Pandemie so vielen motivierten und lernbegierigen Kindern unsere 'Ferien, die schlau machen' ermöglichen können. Heute habe ich bereits viele leuchtende Augen gesehen, überall war gute Stimmung. Jetzt heißt es drei Wochen lang Deutsch lernen, Theater spielen, die Stadt erkunden und gemeinsam Spaß haben."

Der Deutschsommer hilft, Anschluss zu finden

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurden Programmablauf und Gruppengröße angepasst. Besonders in dieser Situation werde der Deutschsommer gebraucht, betont Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung: "Wir wissen, dass die Sprachanlässe durch den zeitweise eingeschränkten Schulunterricht zurückgegangen sind. Kinder, in deren Familie kein Deutsch gesprochen wird, drohen wegen mangelnder Sprachpraxis und Sprachbeherrschung noch weiter zurückzufallen. Mit dem Deutschsommer leisten wir unseren Beitrag, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, indem wir ein Angebot schaffen, das spielerisch und mit Spaß sprachliche Defizite auszugleichen hilft."

Frankfurts Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber unterstreicht: "In einer Stadt, in der fast drei Viertel aller Kinder mehrsprachig aufwachsen, braucht es gute Sprachförderinstrumente. Kinder aus Intensivklassen und mit Sprachförderbedarf hatten es im Lockdown besonders schwer, dem Distanzunterricht zu folgen. Ich bin froh, dass der Deutschsommer ihnen dazu verhilft, wieder einen guten Anschluss zu finden."

Spannende Freizeitaktivitäten und Anlässe, sich in der Zielsprache Deutsch auszudrücken, unterstützen den Sprachunterricht im Deutschsommer – ob bei Ausflügen innerhalb Frankfurts oder wie hier bei einer Wanderung am Standort Taunus 2019.

Ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Deutschsommers bestätigen die Wirksamkeit des Konzepts: 2020 gaben in einer Generationenumfrage 88 Prozent der Befragten an, ihre sprachlichen Fähigkeiten im Rahmen des Programms verbessert zu haben, 81 Prozent strengten sich in der Schule mehr an und 75 Prozent verbesserten auch ihre Schulnoten. 84 Prozent der Befragten konnten ihr Selbstbewusstsein stärken. Als ganzheitliches Projekt zur Förderung der Bildungssprache Deutsch hat der Deutschsommer viele Träger zur Nachahmung inspiriert. Das Projekt wird mittlerweile hessenweit an 16  Standorten angeboten. Auch in Nordrhein-Westfalen haben sich zwei Standorte – Münster und Halle (Westf.) – angeschlossen. Insgesamt konnten somit bereits über 4.200  Kinder in den Bereichen Sprach- und Persönlichkeitsbildung gefördert werden. 

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main ist Projektträger des Deutschsommers. Als Projektpartner unterstützen den Deutschsommer in Frankfurt das Staatliche Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main, das Dezernat für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt am Main, das Stadtschulamt der Stadt Frankfurt am Main, das Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main, die Volkshochschule Frankfurt am Main, das Medienzentrum Frankfurt am Main, das Deutsche Jugendherbergswerk – Landesverband Hessen e.V., die Erhard Kunert-Stiftung, die DZ BANK Stiftung, die Union Investment Stiftung sowie die Rechtsanwalts- und Steuerberatungsgesellschaft Sterlepper. 

Mehr über den Deutschsommer erfahren Sie auf der Projektseite.