05. April 2019

Der große Diktatwettbewerb: Frankfurts Rechtschreibchampion steht fest

von Karoline Leibfried

Frankfurts Schüler, Eltern und Lehrkräfte sowie ein Team des Goethe-Instituts Frankfurt haben am Donnerstagabend das Frankfurt-Finale des großen Diktatwettbewerbs bestritten. In dem sportlich-heiteren Wettkampf um den Titel "Frankfurter Rechtschreibchampion 2019" drehte sich alles um die deutsche Rechtschreibung und das spielerische Entdecken des großen Wortschatzes. Den Gesamtsieg holte sich ein Teilnehmer der Eltern-Kategorie.

Während die Jury die eingereichten Diktate korrigiert, testen die Teilnehmer in der Aula ihr Wissen bei einem Quiz. Foto: Dominik Buschardt


Im Schnitt machten die Lehrkräfte mit durchschnittlich 14,7 Fehlern das Rennen, gefolgt von den Eltern mit 19 und den Schülern mit 25,6 Fehlern. Unter den Schülern war Abel Muñoz Röcken vom Heinrich-von-Gagern-Gymnasium mit nur 9 Fehlern der erfolgreichste Teilnehmer. Aus dem Team der Eltern konnte Klaus Grommet, der für die Ziehenschule angetreten war, mit 4 Fehlern das beste Ergebnis des Wettbewerbs für sich beanspruchen. Der beste Lehrer kommt von der Musterschule, Sebastian Gettler sicherte sich mit 7 Fehlern den Sieg in der Kategorie.

Zum Rechtschreib-Duell in der Aula der Frankfurter Schillerschule waren 150 Teilnehmer gekommen. 15 Frankfurter Schulen waren vertreten. Passend zum diesjährigen Diktat-Titel „Die Regatta“ waren als Ehrengäste des Abends unter anderem Katrin Thoma, Ruder-Weltmeisterin 2015, Ralf Hollmann, Trainer am Bundesstützpunkt Rudern, und Johannes Karg, Lehrertrainer Rudern an der Schillerschule, anwesend.

Beim Schreiben des 1590 Zeichen starken Diktats saßen alle Teilnehmer im selben Boot: Die Frage nach der richtigen Schreibweise von Wörtern wie „Manometer“ oder „Nullkommanichts“ brachte die Schreibenden ins Schwitzen. Der Text enthielt insgesamt rund 70 orthographische Hürden. Die besten Diktate wurden von einer 18-köpfigen Expertenjury kontrolliert. Während die Teilnehmer auf die Platzierungsergebnisse warteten, unterhielt die Impro-Theatergruppe Die Dramateure aus Hanau das Publikum.

Der große Diktatwettbewerb ist ein in Deutschland einzigartiger Sprachwettkampf, der seit 2012 die Sprachkultur in der sportlich-heiteren Atmosphäre eines öffentlichen Wettstreits fördert. Frankfurt schreibt! ist ein Projekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Kultusministerium, dem Staatlichen Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hr2-kultur und dem Dudenverlag. Mittlerweile ist aus der Idee eine ganze Rechtschreib-Bewegung geworden.

Der große Diktatwettbewerb findet auch in Wiesbaden, dem Main-Kinzig-Kreis, in Hamburg, Trier und Rheinbach statt. Es messen sich nicht nur Schüler, Lehrer und Eltern, sondern auch Universitäten („Die Goethe schreibt!“) oder Berufstätige („Die Wirtschaft schreibt!“). Nähere Informationen zum Projekt bietet die Webseite www.dergrossediktatwettbewerb.de.

„Wir sprechen eine gemeinsame Sprache, aber wir formen auch eine Sprachkultur. Dazu gehört nicht nur das flüssige Lesen, sondern auch das richtige Schreiben. Korrekt schreiben zu können ist wichtig. Denn man sieht es. Das zu erleben und zu erfahren – ist das Ziel von Frankfurt schreibt!“, so Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Die aktuellen Rechtschreibchampions aus Frankfurt qualifizierten sich für das überregionale Finale des großen Diktatwettbewerbs am 27. Juni 2019. Im Frankfurter Goethe-Gymnasium treffen sie auf die Gewinner der anderen Lokalwettbewerbe, die in Wiesbaden, dem Main-Kinzig-Kreis, in Hamburg, Trier und Rheinbach stattfinden, sowie auf weitere Teams aus den hessischen Schulen. Außerdem werden Teams aus bayerischen Schulen erwartet.

 

Die Sieger

Schüler

1.    Platz: Abel Muñoz Röcken, Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, 9 Fehler

2.    Platz: Michelle Schleimer, Goethe-Gymnasium, 12 Fehler

2.    Platz: Vincent Börsch-Supan, Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, 12 Fehler

3.    Platz: Lea Paul, Goethe-Gymnasium, 13 Fehler

 

Eltern

1.    Platz: Klaus Grommet, Ziehenschule, 4 Fehler*

2.    Platz: Heike Haug, Bettinaschule, 5 Fehler

3.    Platz: Volker Northoff, Musterschule, 11 Fehler

 

Lehrer

1.    Platz: Sebastian Gettler, Musterschule, 7 Fehler

2.    Platz: Hans-Dieter Bunger, Goethe-Gymnasium, 8 Fehler

2.    Platz: Anna Muthig, Otto-Hahn-Schule, 8 Fehler

3.    Platz: Stefan Heutmann, Schillerschule, 10 Fehler

 

Team Goethe-Institut

1.    Platz: Carlos Korassi Teweche


*Gesamtsieger

Alle Sieger von Frankfurt schreibt! 2019. Der Sieger der Schüler-Kategorie, Abel Muñoz Röcken, sitzt unten rechts. Lehrer-Champion Sebastian Gettler steht links neben Gesamtsieger Klaus Grommet, der wiederum mittig für das Foto posiert. (Foto: Dominik Buschardt). 

Das Diktat

Die Regatta

„Pull!“, schrie die Steuerfrau des Frauenachters mit todernster Miene, als sich das achtköpfige renommierte Topteam rhythmisch hin- und herbewegte. Die alteingesessenen Athletinnen waren tipptopp in Form und äußerst ehrfurchtgebietend. Schon monatelang hatten sie x-mal von Beginn des Vormittags an bis spätnachmittags für die konkurrenzstarke Regatta trainiert. Jede Einzelne nahm es bitterernst.

Vorwärtsgerichtet stieß der Bug mit routiniertem Hauruck flussaufwärts, während die Besten der Besten rückwärtsgewandt zusammenarbeiteten. Souverän gelang es, beim Kopf-an-Kopf-Rennen keinen Zickzackkurs zu fahren. Das war das A und O. Ebendeswegen würden sie dem Ziel im Nu als Erste näher kommen. Eine Olympiaqualifizierung wäre das i-Tüpfelchen.

Währenddessen schienen ihre Widersacherinnen die Länge eines Luftkastens wiedergutzumachen. Sie wollten auf Teufel komm raus den Favoritinnen zu Leibe rücken und über sie triumphieren. Bugball an Bugball manövrierten sie weit hinaus gen Ziellinie. „Um Himmels willen, gebt acht!“, krakeelte es auf einmal schreckerfüllt. Wie aus dem Nichts ragte die Silhouette eines kolossalen Tretbootschwans übermannshoch vor ihnen empor.

Manometer! Trotz fulminanten Hand-in-Hand-Arbeitens ließ sich das Ruder nicht mehr herumreißen. Der Coup war im Nullkommanichts zunichtegemacht. Als eine Welle auf- und abschwappte, stürzten alle acht kopfüber ins eisig kalte Nass. Neiderfüllt mussten sie mit ansehen, wie das Frankfurter Team um eines Haares Breite an ihnen vorbeizog. „Es können eben nicht Krethi und Plethi gewinnen“, feixte es vom Ufer.