27. Juni 2018

Ferien, die schlau machen!

von Miriam Mandryk

Am 25. Juni startete für 194 Frankfurter Drittklässler der DeutschSommer 2018. Erstmals findet auch in Darmstadt, Rüsselsheim, Wetzlar und Wiesbaden das Sprachferiencamp für Drittklässler statt. Zudem freut sich das DeutschSommer-Team über das 2000. Kind, das an dem Bildungsstipendium teilnimmt.

Foto: Dominik Buschardt


Es war ein großes Gewusel am frühen Montagmorgen, als die insgesamt 194 Frankfurter Drittklässler von verschiedenen Standorten mit Reisebussen oder – trotz der Tunnelsperrung in der Frankfurter Innenstadt – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in den 12. DeutschSommer aufbrachen. Die Teilnehmer des Sprachferiencamps der Stiftung Polytechnische Gesellschaft gehen auf 46 Schulen in 28 Frankfurter Stadtteilen.

Empfangen wurden die Kinder in den Jugendherbergen in Wetzlar und Oberreifenberg und auf der Wegscheide von den insgesamt 43 Pädagogen und Lehrkräften, die die Kinder mit Deutschstunden, sprachintensivem Theaterspiel und aktiver Freizeitgestaltung für das vierte Schuljahr und die weitere Schullaufbahn fit machen werden. Grundlage für den Sprachunterricht ist ein eigens für das Projekt entwickelter Lehrplan, mit dem die Kinder spielerisch und gezielt die Grammatik der deutschen Sprache trainieren. Die Lese-, Lern-, und Theaterlektüre, die die Kinder in diesem Jahr durch den dreiwöchigen DeutschSommer begleiten und als Grundlage für das Abschlusstheaterstück dienen wird, ist auch in diesem Jahr Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker "Ronja Räubertochter".

Bildungs- und Integrationsdezernentin Sylvia Weber zu Besuch beim DeutschSommer in der Stadt

30 der Kinder erleben in der Textorschule in Sachsenhausen den DeutschSommer in der Stadt, der ohne Übernachtung stattfindet. Der innerstädtische Standort, an dem die Kinder von acht Pädagogen und Lehrkräften betreut werden, ist 2016 speziell für Schüler aus Frankfurter Intensivklassen, damals vornehmlich mit Fluchterfahrung, ins Leben gerufen worden. Die Kosten für die Umsetzung des Programms am innerstädtischen Standort werden vom Dezernat für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt getragen. Am 4. Juli war Bildungs- und Integrationsdezernentin Sylvia Weber zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, in der Textorschule zu Besuch. "Wir haben den DeutschSommer als Kombination von deutscher Grammatik, Wortschatzarbeit und Theaterspiel eingeführt, weil diese Verbindung nicht nur klüger macht, sondern auch Spaß macht und das Selbstvertrauen der Kinder stärkt", erklärte Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt das Konzept. Neben Lesen und Schreiben, Wortschatz und Grammatik, stehen für die Sprachanfänger nämlich an den Nachmittagen auch Ausflüge, Workshops und soziales Lernen auf dem Programm. Von der positiven Entwicklung der Kinder zeigte sich Sylvia Weber auch im dritten Jahr des innerstädtischen DeutschSommer-Standorts begeistert: "Die Erfahrungen mit dem DeutschSommer in der Stadt bestärken uns wieder einmal darin, dieses Projekt auch in den kommenden Jahren zu unterstützen. Denn mit dem DeutschSommer legen wir einen ganz wesentlichen Grundstein für die weitere schulische Laufbahn der Kinder", so die Integrations- und Bildungsdezernentin.

Ausweitung des DeutschSommers in Hessen

In diesem Jahr können nun auch Drittklässler in vier weiteren hessischen Städten von dem Sprachförderprojekt profitieren: In Wetzlar, Wiesbaden, Darmstadt und Rüsselsheim sind am vergangenen Montag ebenfalls zahlreiche Schüler in den DeutschSommer gestartet. "Es freut mich sagen zu können, dass wir nun durch den Ausbau des Programms auf weitere vier Standorte noch mehr Kinder erreichen können“, betonte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz bei seinem Besuch des DeutschSommers in Wiesbaden am 27. Juni.  „Es ist großartig, dass der DeutschSommer Euch Kindern die Möglichkeit gibt, Freude an der deutschen Sprache zu finden, Lernfortschritte zu machen, Eure Leselust zu entfesseln und Euer Vertrauen in euch selbst zu stärken.“

"Gute Beherrschung der Landessprache Deutsch ist Voraussetzung für den Bildungsaufstieg und für gesellschaftliche Teilhabe. Der DeutschSommer verbessert die Sprachkenntnisse und stärkt das Sprachbewusstsein der Schüler," erläuterte Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Und der Kultusminister betonte außerdem: "Mit dem DeutschSommer ist ein Programm entstanden, das unsere starken schulischen Maßnahmen zur Vermittlung der Bildungssprache auch in den Ferien unterstützt und nun weiter ausgebaut wird." Nachdem in den vergangenen Jahren schon Kassel, Hanau, Offenbach und Schwalbach am Taunus das Frankfurter Konzept übernommen und mit lokalen Trägernetzwerken erfolgreich umgesetzt haben, kam im vergangenen Jahr auf Initiative des Hessischen Kultusministeriums Gießen als weiterer DeutschSommer-Standort hinzu.

12 Jahre nachhaltige Deutschförderung für Drittklässler

Der Frankfurter DeutschSommer zielt darauf ab, Drittklässler mit Förderbedarf im Deutschen vor dem Übergang in die vierte Klasse sprachlich und in ihrer Persönlichkeit zu stärken. In 12 Jahren erreichte das Projekt allein in Frankfurt 2.014 Kinder und ihre Familien und damit insgesamt über 7.000 Personen.

Das Projekt wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium, dem Staatlichen Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main, dem Dezernat für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt am Main, dem Stadtschulamt der Stadt Frankfurt am Main sowie dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main durchgeführt. Weitere Partner sind die Volkshochschule Frankfurt am Main, das Deutsche Jugendherbergswerk – Landesverband Hessen e.V., die Union Investment Stiftung, die Erhard Kunert-Stiftung, die DZ BANK Stiftung sowie die Rechtsanwalts- & Steuerberatungsgesellschaft Sterlepper.

Dank zahlreicher Partner in Kommunen außerhalb Frankfurts wird der DeutschSommer mittlerweile auch in Kassel, Münster, Hanau, Offenbach und Bad Soden, Gießen, Wetzlar, Wiesbaden, Rüsselsheim und Darmstadt angeboten.

2000. DeutschSommer-Kind

Jubel und Freude in Oberreifenberg: Die neunjährige Julia ist das 2000. DeutschSommer-Kind. Es war kurz vor 10 Uhr, als die Standortsprecherin Merle Kondua die neunjährige Julia aus dem Deutschunterricht bat und vor den Haupteingang der Jugendherberge führte. Hier wurde Julia, die von ihrem Glück bis dahin noch nichts wusste, vom Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, DeutschSommer-Projekreferentin Petra Hart und Knut Stolle, Produktmanager beim Deutschen Jugendherbergswerk, Landesverband Hessen e. V. erwartet.

"Den DeutschSommer gibt es schon seit 12 Jahren. Also länger, als es dich gibt, Julia," erklärte Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, "jedes Jahr sind ungefähr 160 Kinder aus Frankfurt dabei, die im DeutschSommer ihre Sprachkenntnisse verbessern. Wir wussten also, dass wir in diesem Jahr das zweitausendste Schulkind begrüßen werden, und haben neugierig die eingehenden Anmeldungen gezählt. Und du bist das 2000. Frankfurter DeutschSommer-Kind. Das muss gefeiert werden."

Knut Stolle überreichte der sichtlich überraschten Julia einen Gutschein, mit dem sie und ihre Eltern zwei Nächte in einer hessischen Jugendherberge ihrer Wahl verbringen dürfen. Und für Julia stand sofort fest, dass sie diese zwei Nächte gerne wieder in der Jugendherberge Oberreifenberg verbringen möchte. "Es ist so schön grün hier. Und der DeutschSommer ist toll. Dann kann ich Mama und Papa zeigen, wo wir Theater gespielt und Deutsch gelernt haben", freute sich die Drittklässlerin.

Das sprachintensive Theaterspiel und das Lesen der DeutschSommer-Lektüre "Ronja Räubertochter" machen Julia, die die Astrid-Lindgren-Schule in Frankfurt-Ginnheim besucht, am meisten Spaß. Beim Theaterfest, das den Abschluss des DeutschSommers markiert, wird Julia vor Eltern, Lehrern und Projektpartnern als Ronja Räubertochter die Hauptrolle in dem eingeübten Theaterstück spielen.

Julia freut sich über ihren Gutschein. Foto: Dominik Buschardt.