12. Juli 2019

Deutschsommer in der Stadt: Ferien, die schlau machen und Spaß bringen

von Karoline Leibfried

Am innerstädtischen Deutschsommer-Standort – dem Deutschsommer in der Stadt – in der Frankfurter Textorschule verbessern 30 Grundschülerinnen und Grundschüler ihre Deutschkenntnisse. Die Kinder, die größtenteils erst seit Kurzem in Deutschland leben, entdecken bei gemeinsamen Ausflügen die Stadt und erweitern und vertiefen spielerisch ihre Sprachkenntnisse. Ein Ortsbesuch.

Foto: Dominik Buschardt


Kinderstimmen schallen über den Pausenhof der Textorschule. Es wird gelacht, gequietscht und gerufen, mit Kettcars über den Asphalt gebrettert, Seilgesprungen und Fußball gespielt.

Aber Moment. Ist die Schule während der Sommerferien nicht geschlossen?

Grundsätzlich schon. Doch während der ersten drei Wochen der hessischen Schulferien gehört die Schule in Frankfurt-Sachsenhausen den Deutschsommerkindern. Sie bekommen eine Extraportion Sprachförderung. Ferien, die schlau machen.

30 von ihnen sind am innerstädtischen Standort in Sachsenhausen untergebracht, der vom Dezernat für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt finanziert wird. "Das Projekt setzt direkt am Anfang an: beim Ankommen in der neuen Heimat", erklärt Sylvia Weber, Frankfurts Dezernentin für Integration und Bildung, "die Kinder sollen hier nicht nur pauken. Es geht vor allem darum, Spaß zu vermitteln."

Dass die Kinder Spaß haben, ist nicht nur auf dem Pausenhof zu hören und zu sehen. Auch in den Klassenräumen herrscht eine fröhliche Stimmung. Den Kindern macht es Freude, spielerisch ihren Wortschatz und die Grammatikkenntnisse zu verbessern und sich im Theaterspiel voll einzubringen.

"Die Kinder werden im Rahmen des innerstädtischen Deutschsommers durch die abwechslungsreiche Mischung von Theaterproben, Ausflügen und spielerischem Deutschunterricht in ein Sprachbad getaucht", freut sich Frankfurts Bildungsdezernentin – allerdings ohne die Gefahr, unterzugehen.

Im Gegenteil: Die Pädagogen kümmern sich um ihre Schützlinge, gehen auf sie ein und fördern sie. Das spüren die Kleinen, und geben es durch Begeisterung, Engagement und auch mal eine Umarmung an ihre Betreuer zurück. "Allein in der ersten Woche haben die Kinder schon große Fortschritte gemacht, was ihre Arbeitsstruktur und Selbstorganisation angeht – und natürlich das Sprache lernen", sagt Falko Loose, der sonst an einer Förderschule lehrt.

Theaterfest als Höhepunkt

Wie in den Jahren zuvor wird auch in diesem Jahr der Höhepunkt der drei Wochen das Theaterfest sein, das auf der Geschichte des Buches "Rosie und Moussa" basiert. "Wie stolz die Eltern bei der Theateraufführung ihrer Kinder sind, ist jedes Mal wieder wunderbar mitanzusehen", sagt Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, der an diesem Tag ebenfalls die Textorschule besucht.

Für den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ist der Deutschsommer – als eines der zentralen Leitprojekte der Stiftung – inzwischen schon eine Institution: "Frankfurt ist eine Zuwanderungsstadt. Wir müssen daher ein Interesse daran haben, dass wir eine Sprache als verbindendes Element sprechen können. Mit dem Deutschsommer wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, denn sprachliche Bildung ist das Fundament für die Bildung insgesamt", erklärt Kaehlbrandt . Durch das Lernen in der Gemeinschaft leiste der Deutschsommer neben der Sprachbildung auch einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und zur Entwicklung und Stärkung sozialer Kompetenzen.

Bis das große Finale in Form des Theaterfests stattfindet, werden noch ein paar Tage vergehen. Doch eins ist sicher: Bis dahin wird die Textorschule in Sachsenhausen auch in den Sommerferien von Kindern belebt sein, denen es wichtig ist, im Rahmen des Deutschsommers in der Stadt ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Und die dabei jede Menge Spaß haben.

Sylvia Weber (Mitte) und Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt umringt von den Deutschsommer-Kindern der Textorschule und deren Betreuerinnen und Betreuern.