08. Oktober 2016

DeutschSommer mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache geehrt

von Stephan Hübner

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main hat am Samstag, dem 8. Oktober 2016, den Kulturpreis Deutsche Sprache 2016 erhalten. Er wurde ihr für das Sprachförderprojekt DeutschSommer in der Kategorie "Institutionen" zuerkannt.

"Der DeutschSommer hat das Ziel, die Sprachkompetenz von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund während der Sommerferien zu verbessern, da der Deutschunterricht in den Schulen oft nicht ausreicht. Die positiven Auswirkungen auf Wortschatz und Grammatik, aber auch auf schulische Leistungen und Selbstbewusstsein sind beeindruckend“, begründete Jury-Sprecher Prof. Dr. Helmut Glück die Entscheidung.  Zu den weiteren Preisträgern 2016 zählen die Schauspielerin und Regisseurin Katharina Thalbach (Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache) und das Internationale Mundartarchiv "Ludwig Soumagne" (Initiativpreis).

Für die positiven Auswirkungen des Projekts stehen unter anderem die Ergebnisse einer Umfrage, welche die Stiftung Polytechnische Gesellschaft kürzlich unter allen Teilnehmern der Jahre 2007 bis 2013 durchführte, so dass auch längerfristige Wirkungen des Projekts berücksichtigt werden konnten. 

Demnach animierte der DeutschSommer 78 Prozent der befragten Kinder zu besseren Leistungen in der Schule. Stolze 91 Prozent verbesserten sich nachweislich sprachlich, 78 Prozent schafften dank der "Ferien, die schlau machen" sogar den Sprung zu einer Zwei oder Drei als Deutschnote. 76 Prozent der DeutschSommer-Kinder sagten, die Erfahrungen aus dem DeutschSommer hätten ihnen beim Wechsel von der Grund- auf die weiterführende Schule geholfen.

"Experten für Präpositionen und starke Verben"

"Die DeutschSommer-Kinder fühlen sich wie Stipendiaten", sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. "Vor den drei DeutschSommer-Wochen gehören sie an ihren Schulen zu denen mit den größten Problemen in Deutsch. Danach kommen sie als Experten für Präpositionen und starke Verben wieder in die Schule zurück. Sie sind aufgeblüht in der Sprache, in der ihre Zukunft liegt."

Die 200 DeutschSommer-Kinder des Jahres 2016 - dabei handelt es sich um Drittklässler am Übergang zur 4. Klasse, kamen aus 40 Herkunftsländern und 44 Grundschulen aus 27 Frankfurter Stadtteilen. In Kleingruppen zu maximal 15 Teilnehmern trainierten sie täglich jeweils zwei Stunden lang Wortschatz und Grammatik sowie sprachintensives Theaterspiel. Workshops, Sport und Exkursionen rundeten das Programm ab.

Begleitet wurden die Schüler von insgesamt 50 Lehrkräften für Deutsch als Zweitsprache sowie Theater- und Sozialpädagogen. Ein Familienprogramm gewährleistet den Kontakt zu den DeutschSommer-Familien über die Ferienzeit hinaus.

Erfreuliche Ergebnisse

Die Ergebnisse des Frankfurter DeutschSommers 2016 bestätigen die Wirksamkeit des Programms. Im Laufe von drei Wochen sind viele Kinder aus den schwachen in die guten Leistungsgruppen mit unterrichtsfähigen Deutschkenntnissen gelangt. Ein Großteil der Teilnehmer wiesen nach Ende des DeutschSommers signifikante Verbesserungen in den Bereichen Wortschatz, Präpositionen, Artikel, Satzbau und Verbbildung auf. Am stärksten ist in diesem Jahr die Verbesserung in der Kategorie Satzbau mit 36,1 Prozent und bei den Präpositionen mit 34,7 Prozent gewesen. In der Kategorie Verbbildung ist das Ergebnis mit 25,0 Prozent gut. Ebenso das Ergebnis der Kategorie Wortschatz mit 21,5 Prozent. Das Ergebnis der Kategorie Artikel liegt mit 14,6 Prozent zurück. Erfreulich: Im Laufe der drei Wochen des DeutschSommers war bei allen Kindern festzustellen, dass sie sich mehr im mündlichen Sprachgebrauch beteiligten.

Über den DeutschSommer

Der DeutschSommer findet seit 2006 jährlich in den ersten drei Wochen der hessischen Sommerferien in Jugendherbergen und Schullandheimen rund um Frankfurt statt. Für Kinder aus Flüchtlingsfamilien wurde 2016 erstmals ein DeutschSommer-Standort in Frankfurt selbst eingerichtet.

Ermöglicht wird der DeutschSommer durch die Kooperation der Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit dem Dezernat für Integration und Bildung sowie dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main, dem Staatlichen Schulamt, der Frankfurter Volkshochschule und dem Deutschen Jugendherbergswerk – Landesverband Hessen e. V. Förderpartner sind weiterhin die Peter Fuld Stiftung, die Stiftung CITOYEN und die Rechtsanwalts- und Steuerberatungsgesellschaft Sterlepper.

Der Frankfurter DeutschSommer baut auf einem Pilotprojekt aus Bremen auf, das von der Jacobs Foundation initiiert wurde. Dank zahlreicher Partner in Kommunen außerhalb Frankfurts wird der DeutschSommer mittlerweile auch in Kassel, Münster, Offenbach und Schwalbach am Taunus angeboten.

Über den Kulturpreis Deutsche Sprache

Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird in der Kategorie "Institutionen" an solche Einrichtungen verliehen, die sich im Alltag von Wirtschaft, Politik oder Verwaltung um ein klares und verständliches Deutsch bemühen. Zu den bisherigen Trägern der undotierten Auszeichnung zählen das Sprachinstitut des Österreichischen Bundesheeres, die Schweizerische Post, die Stuttgarter Zeitung, das Lektorenprogramm der Robert-Bosch-Stiftung und die "Sendung mit der Maus".

Der dreiteilige Kulturpreis wird seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung und dem Verein Deutsche Sprache e. V. für besondere Verdienste um die deutsche Sprache vergeben.

Die Dankesrede von Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt sowie die Laudatio von Prof. Dr. Walter Krämer finden Sie in der Mediathek, die Pressemitteilung zur Verleihung im Pressebereich. Impressionen der Veranstaltung haben wir in Form einer Bildergalerie für Sie aufbereitet.

(Text: Stephan M. Hübner, Bild: Dominik Buschardt, Verein Deutsche Sprache e. V.)

Die DeutschSommer-Ergebnisse des Jahres 2016 grafisch zusammengefasst


Nach den drei Wochen DeutschSommer wiesen ein Großteil der Teilnehmer signifikante Verbesserungen in den Bereichen Wortschatz, Präpositionen, Artikel, Satzbau und Verbbildung auf.

Am stärksten ist in diesem Jahr die Verbesserung in der Kategorie Satzbau mit 36,1 Prozent und bei den Präpositionen mit 34,7 Prozent gewesen.

In der Kategorie Verbbildung ist das Ergebnis mit 25,0 Prozent gut. Ebenso das Ergebnis der Kategorie Wortschatz mit 21,5 Prozent.

Das Ergebnis der Kategorie Artikel liegt mit 14,6 Prozent zurück.