23. Oktober 2020.

Die Goethe schreibt: Online klappt es auch sehr gut

von Jens-Ekkehard Bernerth

Als studentische Mentoren begleiteten Marco Hammer und Marcel Kämmerer eine Gruppe des Förderjahres 2019/2020 des Deutschlandstipendiums der Goethe-Universität Frankfurt am Main. So konnten die Deutschlandstipendiaten Carina Nolting, Martina Jung, Valentina Ackermann, Sebastian Metz und Tobias Rauch den diesjährigen Deutschland-schreibt-Ableger Die Goethe schreibt! organisieren. Die Studierenden berichten über ihre Motivation, den Wettbewerb auch in Corona-Zeiten als Online-Variante zu organisieren, und verraten ihren prägendsten persönlichen Schreibfehler.

Foto: Dominik Buschardt


"Ich habe jahrelang "voraus" mit Doppel-r geschrieben", lacht Martina. "Obwohl mir meine Lehrer diesen Fehler sicher hundertmal angestrichen haben, brauche ich heute immer noch einen Moment, bevor ich das Wort richtig niederschreiben kann." Ihren Kollegen Sebastian hat hingegen das Wort "parallel" in den Wahnsinn getrieben. "Ich musste jedes Mal überlegen, an welcher Stelle ich jetzt ein doppeltes "L" schreibe und an welcher Stelle ich nur ein "L" einfüge", erinnert er sich. "Nachdem ich in einer Matheklausur einen Punkt abgezogen bekommen habe, weil ich "Parallelogramm" falsch geschrieben habe, konnte ich es mir endlich merken." "Mich erinnert mein peinlichster Rechtschreibmoment – ich habe in einer Arbeit "schreng" statt "streng" geschrieben – bis heute daran, dass es eben nicht nur auf Wissen, sondern auch auf Aufmerksamkeit ankommt", merkt Tobias an. 

So wie Martina, Tobias und Sebastian dürfte es wohl Vielen schon ergangen sein. Die deutsche Sprache steckt voller Rechtschreibtücken und teils fiesen Fallen. Trotzdem haben die Studierenden Spaß an und mit der deutschen Sprache, weshalb sie im Rahmen ihres Deutschlandstipendiums den Rechtschreibwettbewerb Die Goethe schreibt!, den Uni-Ableger von Deutschland schreibt!, organisiert haben.

Valentina hat bereits vor ihrem Studium von dem Rechtschreibwettbewerb gehört: "Unser Deutschlehrer war begeisterter Teilnehmer und hat mit uns auch mal eines der alten Wettbewerbsdiktate im Unterricht durchgeführt," erzählt sie. Carina und Tobias hingegen haben erst im Rahmen ihres Studiums vom Wettbewerb erfahren: "Ich hatte in den vergangenen Jahren schon öfter die Plakate an der Uni bemerkt", erinnert er sich. "Das klang auch immer ganz spannend und ich hatte Lust, mitzumachen. Irgendetwas kam dann aber immer dazwischen oder ich konnte mich nicht überwinden. Das bereue ich jetzt total, wo ich weiß, was tatsächlich dahintersteckt und was für eine coole Veranstaltung der Wettbewerb sein kann." Carina zeigt sich ebenfalls vom Konzept des Wettbewerbs angetan: "Ich fand es eine tolle Idee und dachte: 'ist mal was anderes.' "Ihre Kollegin Martina pflichtet bei: "Ich finde Sprache ein unglaublich wichtiges Gut, vor allem in Zeiten von Auto-Korrektur und Kurzschreibweisen, die die Lehren der Rechtschreibung in der Schule überflüssig erscheinen lassen. Mit dem Rechtschreibwettbewerb werden Studenten wie Lehrende und Mitarbeiter ermutigt, sich mit Sprache und ihren Schwierigkeiten auseinanderzusetzten. Ich war sehr glücklich, durch das Deutschlandstipendium die Chance zu haben, selbst in der Projektgruppe den Wettbewerb dieses Jahres mitgestalten zu dürfen." 

Organisation von Deutschlandstipendiaten

Denn das ist das Besondere an Die Goethe schreibt!: Der Wettbewerb wird ausschließlich von Deutschlandstipendiaten organisiert. Er richtet sich an sämtliche Universitätsangehörige, angefangen bei den Studierenden selbst bis hin zu Verwaltungsmitarbeitern. Für Valentina war es etwas Besonderes, einmal einen Blick hinter die Kulissen eines solchen Projekts werfen zu können – und gleichzeitig dazu beizutragen, dem "etwas negativ besetzten Ruf des aus der Schule oft 'gefürchteten' Diktats entgegenzuwirken." Carina hat das Konzept des Wettbewerbs ebenfalls überzeugt: "Rechtschreibung ist natürlich auch nach der Grundschulzeit noch wichtig. So kann man meiner Meinung nach das Ganze mit etwas Witz den Leuten näher bringen und gleichzeitig eine tolle Veranstaltung daraus machen." Marco unterstreicht: "Unser Ziel mit dem Wettbewerb ist es, Menschen unterschiedlicher Positionen und Fachrichtungen zusammenzubringen und für Sprache zu begeistern."

Die Corona-Pandemie hat allerdings auch den Goethe-schreibt-Termin unmöglich erscheinen lassen, eine physische Durchführung des Wettbewerbs war aufgrund der Lage nicht möglich. Doch hat sich das Team für das Dilemma schnell eine patente Lösung einfallen lassen, wie Sebastian berichtet: "Nachdem wir uns im Winter vor allem mit der Preisbeschaffung und den Anmeldungsformalien beschäftigt hatten, hatten wir bereits die grobe Grundlage für unseren Wettbewerb organisiert. Als dann die Corona-Pandemie und der Lockdown kamen, war erst einmal alles ungewiss. Sollte alles umsonst gewesen sein? Wir haben uns dann überlegt, welche Möglichkeiten wir letztendlich haben und nachdem wir den Wettbewerb nicht ausfallen lassen wollten, haben wir uns ziemlich schnell dazu entschlossen, eine digitale Variante anzubieten." Martina ergänzt: "Über die Uniplattform OLAT konnten sich die Teilnehmer in einen Kurs einwählen, in dem wir im Vorfeld ein Probediktat zum Üben bereitgestellt haben. Im Teilnahmezeitraum von zwei Tagen haben wir dann in diesen Kurs das Diktat als Lückentext hochgeladen, den die Teilnehmer in einer bestimmten Zeit bearbeiten mussten. Die fehlenden Worte haben wir als Audio eingesprochen." 

Clever gelöst, erfolgreich durchgeführt

Eine clevere, schnelle Lösung, und überaus erfolgreich noch dazu. "Ich war wirklich überrascht über die vielen positiven Rückmeldungen und hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass so viele Leute teilnehmen", erzählt Carina stolz. "Ich hatte befürchtet, dass die meisten Studierenden keine Lust auf noch mehr Online-Veranstaltungen hätten. Umso besser, dass sich ein Weg ergeben hat, den Wettbewerb trotzdem durchzuführen, das spricht doch dafür, dass sich der Wettbewerb an der Uni etabliert hat." Tatsächlich haben im Endeffekt genauso viele Teilnehmer mitgemacht, wie die Organisatoren es bei einer Präsenzveranstaltung erwartet hätten. Ein toller Erfolg für das junge Team, wenngleich weniger Professoren im Teilnehmerfeld waren und das Flair einer Online-Veranstaltung nicht mit dem eines lokalen Wettbewerbs mithalten kann, wie Sebastian zu bedenken gibt: "Die Atmosphäre konnten wir in der digitalen Version leider nicht nachbilden. Deshalb würde ich mich freuen, wenn der Wettbewerb in den nächsten Jahren wieder 'offline' stattfinden kann." 

Denn für die Veranstalterinnen und Veranstalter der 2020er-Ausgabe von Die Goethe schreibt! ist Rechtschreibung nach wie vor ein hohes Gut: "Für mich drückt eine richtige Schreibweise Respekt und Wertschätzung gegenüber dem Leser aus. Und gerade bei digitaler Kommunikation finde ich es wichtig, meinem Gesprächspartner zu zeigen, dass ich mir Zeit für die Unterhaltung nehme. Ebenso wie ich meinem Gegenüber ins Gesicht schaue, wenn ich mich mit ihm oder ihr unterhalte", konstatiert Martina. Valentina stimmt ihrer Kollegin zu: "Die Autokorrektur nimmt uns heutzutage sowohl auf dem Smartphone als auch am Laptop beim Verfassen von Hausarbeiten und Co viel Arbeit ab. Das kann oft sehr angenehm sein, aber ich finde es sicher genauso wichtig, sich dem System dahinter noch adäquat bedienen zu können und die Sprache damit individuell zu gestalten."

Deutschland schreibt! Der große Rechtschreibwettbewerb erstmals als Online-Format

Nachdem sich das Online-Format für den großen Rechtschreibwettbewerb an der Frankfurter Goethe Universität bewährt hat, wird auch die bundesweite Jagd um den Titel "Rechtschreibchampion 2020" in diesem Herbst online durchgeführt. Stattfinden wird er vom 29. Oktober bis zum 1. November auf www.deutschland-schreibt.de/onlinewettbewerb . Machen Sie mit!