23. August 2021.

Die Mansoors im Porträt: Eine engagierte Familie

von Alexander Jürgs

Der Vater war Bürger-Akademiker, die Tochter engagierte sich bei den Stadtteil-Botschaftern, die Mutter hat für den Alumnitag einen Hennamalkurs auf die Beine gestellt: Die Mansoors aus Frankfurt-Nied sind der Stiftung Polytechnische Gesellschaft schon seit vielen Jahren verbunden. Ein Porträt.

Familie Mansoor. Foto: Dominik Buschardt


Dass Amir Mansoor in Frankfurt einen pakistanischen Kulturverein gegründet hat, hängt auch mit den Anschlägen auf das World Trade Center vom 11. September 2001 zusammen. Nach dem Attentat hatte Mansoor gespürt, dass sich etwas veränderte. Pakistan, das Land, in dem er geboren wurde, wurde plötzlich als Gefahr gesehen, als das Land, in dem die Terrororganisation al-Qaida Unterschlupf gefunden hatte. Und auch seine Religion, der Islam, wurde von vielen nun als Bedrohung wahrgenommen.

Diesen Vorurteilen wollte Mansoor etwas entgegensetzen.

2004 gründete er mit einer Handvoll Verbündeter den bis heute aktiven Kulturverein PakBann, der 2009 mit dem Integrationspreis der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet wurde. "Wir wollten zeigen, dass Pakistan viele andere Seiten hat, die mit den Stereotypen nichts gemein haben", sagt Amir Mansoor. Der Verein wollte Dialoge in Gang bringen, mit Menschen, die einen ganz anderen kulturellen Hintergrund haben. "Vorurteile gibt es auf allen Seiten", sagt der 49-jährige Reisekaufmann, der als Jugendlicher nach Deutschland kam. "Nur, wenn man nicht übereinander, sondern miteinander redet, lernt man sich kennen."

Theaterstücke und Kochkurse stellt der Verein auf die Beine, an der Frankfurter Parade der Kulturen hat er sich mehrmals beteiligt. Und auch jetzt, während der Pandemie, stehen die rund 30 Mitglieder weiter im Austausch und planen schon für die Nach-Corona-Zeit. "Wir wollen endlich wieder aktiv werden", sagt Mansoor. Durch den Verein kam er auch mit dem Amt für Multikulturelle Angelegenheiten in Kontakt. Dessen langjährige Leiterin Helga Nagel schlug Mansoor für das Projekt Bürger-Akademie der Stiftung Polytechnische Gesellschaft vor. In der Bürger-Akademie kommen besonders aktive Ehrenamtliche zusammen, vernetzen sich und werden weiterqualifiziert. Ende 2012 begann Mansoors Kurs. "Dieses Programm hat mich wirklich weitergebracht", sagt er. "Ich habe dabei viel gelernt, über Fundraising, Teambildung, Rhetorik und vieles mehr." Und er hat Menschen kennengelernt, zu denen er auch heute noch Kontakt hält. Mit der Stiftung fühlt er sich seitdem eng verbunden.

Nur, wenn man nicht übereinander, sondern miteinander redet, lernt man sich kennen.

Amir Mansoor

Seiner Tochter Dunya, die 20 Jahre alt ist und ein Duales Studium beim Frankfurter Energieversorger Mainova absolviert, geht es genauso. Auch sie hat einen ganz besonderen "Draht" zur Stiftung. 2017 wurde sie Stadtteil-Botschafterin, damit gehörte sie zur sechsten Generation des Projekts, bei dem engagierte Menschen ihre Ideen zur Weiterentwicklung eines Frankfurter Stadtteils in die Tat umsetzen. Amir Mansoor hatte seine älteste Tochter (die noch zwei Geschwister hat) auf das Programm aufmerksam gemacht. Dunya Mansoor bewarb sich mit dem Vorschlag, in Nied Kochkurse für Schüler anzubieten – und wurde von der Jury ausgewählt. "Die Arbeit mit den Kindern hat mir großen Spaß gemacht", erinnert sie sich. Gefreut habe sie "ganz besonders, dass die Kinder nach dem Kurs gemerkt haben, dass Kochen ganz einfach ist und dass man es mit gesunden Zutaten leicht zu Hause selber machen kann." Und was hat Dunya Mansoor selbst aus dem Projekt gelernt? "Dass es nicht viel braucht, um Gutes in die Welt zu setzen", antwortet sie. "Projekte wie die Stadtteil-Botschafter können viel bewirken."

Auch Dunyas Mutter Salma, die als Erzieherin arbeitet, hat mittlerweile eine Verbindung zur Stiftung. Vor Kurzem hat sie für ein Alumni-Treffen einen Workshop angeboten: Malen mit Henna. "Das ist etwas sehr Typisches für Pakistan und Indien", erklärt die 49 Jahre alte Salma Mansoor, "zum Bayram-Fest oder zur Hochzeit werden die Hände mit roter Hennafarbe bemalt, dabei entstehen zum Beispiel aufwendige, filigrane Zeichnungen von Blumen." Weil der Workshop während der Pandemie stattfand, musste Salma Mansoor ihn ins Internet verlegen. Die Hennatuben wurden vorher per Post verschickt, dazu eine Liste, was man sonst noch für den Workshop benötigt. Salma Mansoor zeigte allen Workshopteilnehmern per Webcam, wie sie mit den Hennafarben vorgeht. Danach wurden die Teilnehmer selbst aktiv, ihre Ergebnisse präsentierten sie im Netz. "Am Ende hat alles gut geklappt", sagt Salma Mansoor. "Wenn alle zusammenarbeiten, dann macht das riesengroße Freude."

Über den Autor

Alexander Jürgs ist Redakteur der Rhein-Main-Zeitung der F.A.Z.