13. Februar 2018

Die Wissenschaft und das Geld

von Jens-Ekkehard Bernerth

Was bringt naturwissenschaftliche Förderung? Zwei Physiker und Alumni des MainCampus-Stipendiatenwerks im Interview. Der Artikel stammt aus der Polytechnik 2/2017.

Sind erfolgreiche wissenschaftliche Karrieren ohne Förderung überhaupt möglich?

Prof. Dr. Holger J. Podlech: Nein (lacht). Selbst vor 100 Jahren war es nicht möglich. Man braucht heutzutage viel mehr Ressourcen als vor 200, 300 Jahren. Sowohl personeller, als auch technischer und monetärer Art, gerade in der Angewandten Physik. Die Universitäten leisten dazu einen geringen Beitrag, sie liefern das Gebäude und gegebenenfalls eine Grundausstattung. Für die eigentliche Forschungstätigkeit reicht das hinten und vorne nicht, damit kann man höchstens zwei Reisen im Jahr finanzieren.

Malte Schwarz: Für den Doktoranden wirkt sich diese geringe Finanzierung seitens der Uni insofern aus, dass es weniger Stellen an der Hochschule gibt. Jemand wie ich, der das Glück hat, ein Stipendium bei MainCampus der Stiftung Polytechnische Gesellschaf bekommen zu haben, ist in der glücklichen Lage, die Möglichkeit zu haben, eine Doktorarbeit zu schreiben und sich drei Jahre wirklich auf die Forschung konzentrieren zu können. Was sehr schön ist. Allerdings wäre es auch schön, wenn von Seiten des Landes noch mehr Mittel vorhanden wären. Aber nichtsdestotrotz ist es eine sehr große Hilfe als Doktorand, eine Stiftungsförderung zu haben.

Was macht Stipendien für die Wissenschaftler so attraktiv?

Prof. Dr. Holger J. Podlech: Für den Hochschullehrer macht ein Stipendium attraktiv, dass er einen Antrag weniger schreiben muss. Es ist im Endeffekt eine zusätzliche Ressourcenquelle. Ich habe zum Beispiel bei mir in der Gruppe keinen Doktoranden, der aus Universitätstöpfen bezahlt wird. Für die Doktoranden selbst ist es denk ich ein gewisser Vorteil, dass bei vielen Stipendien ein Begleitprogramm angeboten wird, also Softskillseminare. Wobei ich hier hervorheben muss, dass die Angebote des MainCampus-Stipendiatenwerks deutlich anspruchsvoller beziehungsweise inhaltlich besser sind als das, was von der Universität angeboten wird.

Inwiefern?

Prof. Dr. Holger J. Podlech: Die Qualität der Seminare der Stiftung ist wesentlich höher als bei den universitären Seminaren. Das Zweite ist - selbst wenn es ein weiches Argument ist: Wenn man ein Stipendium bei einer renommierten Stiftung hat, ist es ein Pluspunkt, das im Lebenslauf stehen zu haben.

Malte Schwarz: Es gibt im physikalischen Bereich ein großes anderes Stipendium, das sich an nur an Physiker richtet. Das ist schon eine tolle Sache, da man fachlich mit seinen Mitstipendiaten auf einem sehr hohen Niveau diskutieren kann und so viel dazulernt. Doch gehört der Kontakt mit Kollegen ja zum Alltag. Bei MainCampus hingegen hat man aufgrund der Vielseitigkeit der Stipendiaten einen interdisziplinären Austausch. Das ist etwas, das ich als unheimlich schön und auch wichtig erlebt habe, da ich so in den letzten drei Jahren mit Menschen aus ganz vielen unterschiedlichen Disziplinen und Fachbereichen zusammenkam, und das super bereichernd empfand.

Was hat Ihnen das MainCampus-Stipendium auf beruflicher Ebene gebracht?

Malte Schwarz: Viele interessante Seminare mit fachlich-versierten Dozenten, was sehr hilfreich war für die tägliche Arbeit.

Prof. Dr. Holger J. Podlech: Das MainCampus-Educatorenwerk zielt ja darauf ab, dass die Nachwuchswissenschaftler auf eine Führungsposition in der Wissenschaft vorbereitet werden. Dementsprechend war auch das Begleitprogramm darauf ausgerichtet. Es gab also Seminare zum Thema Mitarbeiterführung, Forschungsmanagement, Wissenschaftsförderung, Öffentlichkeitsarbeit. Das hat mir tatsächlich sehr geholfen, bis heute in der täglichen Arbeit. Ich bin geschäftsführender Direkter des Instituts, was im Wesentlichen ein Managementposten ist. Das heißt, Forschung ist bei mir momentan kleiner zehn Prozent. Administrative Aufgaben und Managementtätigkeiten nehmen deutlich über 50 Prozent vom Tagesgeschäft ein, dazwischen noch Lehre und Reisen. Da war ein Seminar wie „Verhandeln“ sehr hilfreich. Man verhandelt eigentlich permanent, mit Geldgebern, mit Kooperationspartnern. Man kann also wirklich sagen: Für meine gesamte Tätigkeit hat mir das Programm sehr geholfen.

Inwiefern unterscheidet sich das MainCampus-Stipendium von anderen Stipendien?

Malte Schwarz: Viele Stipendienprogramme bestehen zum einen aus der finanziellen Förderung, zum anderen aus der ideellen Förderung. Streng genommen erscheinen die meisten Programme recht gleich, weil beides in irgendeiner Form abgedeckt ist. Allerdings kenne ich kein anderes Stipendium, das diesen interdisziplinären Teil hat, den ich bereits hervorgehoben habe.

Prof. Dr. Holger J. Podlech: Dieser polytechnische Gedanke macht meiner Meinung nach das MainCampus-Stipendium aus - das heißt, es sollen keine engstirnigen Fachidioten gefördert werden, sondern Leute, die als Grundvoraussetzung sehr gut in ihrem Fach sind, aber zusätzlich noch eben diese Fähigkeiten und das Interesse haben, über ihren Bereich hinauszuschauen. Die Interdisziplinarität, die dringend erwünscht ist. Die allermeisten Stipendiaten engagieren sich dementsprechend sozial jenseits ihres Fachgebietes, sei es bei sozialen Einrichtungen, Sportvereinen, im Fachbereich, in Studentenvertretungen oder im Fachbereichsrat.

Kann man sagen, dass MainCampus ein Türöffner für Ihre Karriere war?

Malte Schwarz: Natürlich ist es von Vorteil, ein namhaftes Stipendium oder Auszeichnungen vorweisen zu können, wenn man sich im wissenschaftlichen Bereich auf einen Posten oder auf andere Förderungen bewirbt. Es schadet auf jeden Fall nicht.

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Prof. Dr. Holger J. Podlech ist geschäftsführender Direktor der Angewandten Physik der Goethe-Universität Frankfurt. Er forscht im Bereich der Physik von Teilchenbeschleunigern.

Malte Schwarz ist Doktorand in der Angewandten Physik und MainCampus-doctus-Alumnus. Sein Betreuer ist Prof. Dr. Holger J. Podlech.

Die Fragen stellte Jens-Ekkehard Bernerth, Referent für Digitale Kommunikation der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

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Dieser Artikel entstammt der Polytechnik 2/2017. Das Heft gibt es entweder als PDF-Download, oder aber als Druckversion frei Haus. Schreiben Sie uns dafür eine E-Mail an info@sptg.de mit Angabe Ihrer Anschrift.

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