31. August 2017

Diesterweg-Stipendium: alle Möglichkeiten dank Abitur

von Jens-Ekkehard Bernerth

2008 startete das Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern. Neun Jahre später haben Hiwot, Kaan und sieben weitere Alumni dieser Generation ihr G8-Abitur in der Tasche. Ein toller Erfolg.

Ganz am Anfang beim Diesterweg-Aufnahmefest: Hiwot (neunte von links) und Kaan (zweiter von rechts).


Da sein, Brücken bauen, voranbringen: Das Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern begleitet seine Stipendiaten ab der vierten Klasse und unterstützt dabei nicht nur seine jungen Teilnehmer, sondern gibt den Eltern auch jede Menge Orientierung und Hilfestellung: "Als ich ins Diesterweg-Stipendium aufgenommen wurde, waren wir noch nicht lange in Deutschland", erzählt Hiwot, die ihr Abitur gerade mit 2,9 bestanden hat. "Meine Mutter wusste überhaupt nicht, wie was im deutschen Schulsystem funktioniert, es ist ja schon anders als in Afrika. Aber durch die Betreuung haben wir super Hilfe bekommen, und dadurch hat alles geklappt."

Auch Kaans Familie hat sehr vom Diesterweg-Stipendium profitiert, wie der 18-Jährige berichtet: "Meinen Eltern hat das Stipendium sehr geholfen. Sie kommen aus der Türkei, haben immer versucht, uns so gut es geht zu unterstützen. Aber das, was sie geben konnten, hat nie gereicht, selbst wenn sie sich immer Mühe und ihr Bestes gegeben haben. Das Besondere der Stiftung und des Diesterweg-Stipendiums ist ja, dass die ganze Familie gefördert wird, das fand ich ganz besonders."

Neun Abiturienten aus der G8-Generation

Kaan und Hiwot sind zwei von neun Diesterweg-Stipendiaten, die ihr Abitur in diesem Jahr bestanden haben. Ein schöner Erfolg, den die Schüler dank familiärem Rückhalt selbst geschafft haben. Und wenn‘s mal hakte, waren und sind die Projektverantwortlichen und Paten des Diesterweg-Stipendiums stets für die Stipendiaten erreichbar: "Ich konnte immer anrufen, fragen, hatte immer einen Ansprechpartner", freut sich Hiwot. Vor allem Kaan hat ein Erlebnis sehr geprägt: "Als ich in der 7. oder 8. Klasse war, habe ich sehr an mir selbst gezweifelt, wollte das Gymnasium schon hinschmeißen und auf die Realschule wechseln. Dann habe ich mit der Stiftung geredet, und dort wurde mir gesagt, dass Zweifel in diesem Alter völlig normal seien, und es wurde mir unter die Arme gegriffen. Das hat meinem Selbstbewusstsein sehr gut getan. Heute habe ich das Abi in der Tasche und werde bald studieren."

Damit die Kinder nicht über materielle Fallstricke wie einen fehlenden Computer oder Drucker stolpern, erhalten die Teilnehmer des Programms die Hardware kostenlos, was für die Familien und vor allem die Kinder eine riesige Hilfe ist: "Wir hatten keinen Computer zu Hause, ich musste aber viel schreiben und abgeben," erinnert sich Hiwot, "da hat es mir sehr geholfen, dass wir einen Laptop und sogar einen Drucker bekommen haben." Kaan lobt außerdem die ideelle Hilfe der Stiftungs-Programme: "Das Diesterweg-Stipendium hat für mich den Grundstein für alles gelegt, was nach der Grundschule gekommen ist. Auch die Erfahrungen, die ich später als StadtteilBotschafter gemacht habe, waren ein Privileg für mich. Ein herzliches Danke dem Diesterweg-Stipendium, das hat mein Leben wirklich bereichert."

Alle Möglichkeiten offen

Die Zukunft gehen die Diesterweg-Alumni unterschiedlich an. Hiwot möchte erstmal jobben und danach die Welt bereisen, im Anschluss folgt ein Studium des Finanzwesens: "Das interessiert mich am meisten, Mathe war auch mein Leistungskurs. Das macht mir am meisten Spaß." Kaan, der sein Abitur mit 2,3 bestanden hat, beginnt bald sein Lehramtsstudium, andere Diesterweg-Abiturienten fangen ein Studium der Architektur an oder machen sich mit Praktika fit für ein Studium der Tiermedizin. Und selbst wenn das Diesterweg-Stipendium für alle Beteiligten offiziell vorbei ist, können sie sich sicher sein, dass die Türen der Stiftung immer für sie offen stehen werden.