20. Juli 2018

Diesterweg-Stipendium: Ein Ende mit Fortsetzung

von Jens-Ekkehard Bernerth

Nach zwei intensiven Jahren wurde die fünfte Diesterweg-Generation im Instituto Cervantes verabschiedet. Zum Abschluss leisteten die 32 Diesterweg-Kinder nochmal Großes.

Die Diesterweg-Kinder bei der Theater-Aufführung. Foto: Dominik Buschardt


Am Ende ist allen Beteiligten die Erleichterung anzumerken. Und der Stolz. Stolz zum einen, ein 25-minütiges Theaterstück fehlerfrei vor den geladenen Gästen, Eltern, Geschwistern und Betreuern abgeliefert zu haben. Zum anderen aber auch der Stolz, ein Teil des Diesterweg-Stipendiums zu sein.

Egal mit wem man spricht, die beteiligten Familien und Kinder – 146 Personen insgesamt, wissen zu schätzen, was sie in den vergangenen 24 Monaten erlebt und erfahren haben. "Es ist schade, dass das Diesterweg-Stipendium erstmal vorbei ist. Ich habe viele Freundinnen hier kennengelernt, viel Spaß gehabt und jede Menge gelernt", merkt Stipendiatin Rahel nachdenklich an. Und doch hält sich die Wehmut in Grenzen, denn mit Diesterweg plus steht den Familien ein Nachfolgeprogramm im Haus der Volksarbeit offen, das Rahel und ihre Freundinnen weiter begleitet.

"Zwei Jahre lang haben sie gemeinsam an dem Projekt teilnehmen können, das ihnen die Bildungschancen, die unsere Stadt und das Land bieten, auf eine ganz besondere, nämlich sehr beziehungsreiche Art und Weise, nahegebracht hat", erinnert Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt die Familien in seiner Rede. "Ich gratuliere ihnen und euch – den Eltern und den Kindern des Diesterweg-Stipendiums – sehr herzlich zum Abschluss dieses Stipendiums."

Vom DeutschSommer ins Diesterweg-Stipendium

In dieser Generation waren neun Diesterweg-Stipendiaten zuvor DeutschSommer-Kinder. "Das ist etwas, was wir früher schon unbedingt wollten, diese Verzahnung der beiden Projekte," erläutert Professor Kaehlbrandt. Für den Stiftungsvorsitzenden ist die Abschiedsveranstaltung einmal mehr ein besonderer Moment: "Wenn man nach zwei Jahren die Familien wiedersieht, ist natürlich jedes Mal dieses Gefühl da, wie die Kinder gewachsen sind. Nicht nur in der Körpergröße, sondern auch in ihrer Persönlichkeit, in ihrem Selbstbewusstsein, in ihrer Ausdrucksfähigkeit. Mich hat besonders gefreut, dass die Familien, die aus sehr unterschiedlichen kulturellen Herkünften kommen, in dieser Gemeinschaft des Diesterweg-Stipendiums offensichtlich gemeinsam etwas Neues entdecken und erleben. Ich glaube, alle haben verstanden, dass sie in Deutschland große Chancen im Bildungswesen haben und dass ihre Kinder einen guten Weg gehen können. Der Weg wird aber nicht geschenkt. Es gibt einen Stups, eine Förderung, aber gehen muss jeder den Weg selbst. Und das ist, glaube ich, in den zwei Jahren verstanden worden."

Familienförderung seit 2008

Seit 2008 fördert das Diesterweg-Stipendium Familien in Frankfurt. Mittlerweile wird das Programm, das Deutschlands erstes Bildungsstipendium für Familien ist, an zehn Standorten in Deutschland angeboten.

"Das zeichnet das Programm aus: Dass die ganze Familie mitmachen darf und gemeinsam Orte wie Museen, das Bieneninstitut, die Stadtbücherei, das Felsenmeer oder den Römer besucht", lobt ein Vater. Eine Mutter ergänzt: "Wir haben so viel mitgenommen. An Spaß, an Erlebnissen. Wir haben neue Eltern kennengelernt und sind zu einer großen Gemeinschaft geworden. Es lohnt sich, beim Diesterweg-Stipendium mitzumachen. Mir hat richtig gut gefallen, dass die gesamte Familie beim Projekt dabei ist, aber auch die Geschwisterkinder gut von Pädagogen betreut werden."

Das Stipendium als Bereicherung

"Jede einzelne Begegnung mit den Familien in den letzten zwei Jahren war eine Bereicherung“, resümiert Beate Moran, Projektleiterin des Diesterweg-Stipendiums. Die Gymnasiallehrerin, die für die Betreuung des Projekts vom Hessischen Kultusministerium abgeordnet wurde, hat viel Lob für die Teilnehmer übrig, "selbst wenn ein Hausbesuch auch mal anstrengend sein konnte", wie sie augenzwinkernd anmerkt. Ihre Entscheidung, den Schuldienst für das Diesterweg-Stipendium ruhen zu lassen, bereut sie überhaupt nicht: "Ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe, und freue mich jetzt schon auf die nächste Generation."

Dr. Clemens Bohrer vom Dezernat für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt zeigt sich von dem Projekt begeistert: "Das Diesterweg-Stipendium ist ein ganz außergewöhnliches Stipendium. Es bringt Kinder und deren Eltern in Bewegung. Das Stipendium ist für die Familien ein Gewinn, und gleichzeitig auch für die Stadt Frankfurt. Mich hat berührt, in die Gesichter der Kinder zu schauen und zu sehen, mit wie viel Begeisterung, Selbstbewusstsein und Euphorie sie sich gegenseitig und uns als Gäste angeblickt haben."

Für die künftige Generation haben Rahel und ihre Freundinnen noch einen guten Tipp parat: "Genießt die Zeit. Es ist wirklich cool. Lernt viel, steht früh auf, geht hin zu den Veranstaltungen – es lohnt sich."

Die Galerie zur Veranstaltung finden Sie in der Mediathek.