31. Januar 2019

Diesterweg-Stipendium: Nachts im Senckenberg Museum

von unserer Gastautorin

Der zweite Akademietag des Diesterweg-Stipendiums fand auch für die sechste Generation im Senckenberg Naturmuseum statt. 16 Stipendiaten und ihre Familien konnten am Wochenende naturwissenschaftliche Phänomene erkunden und eine ganz besondere Nacht im Museum verbringen.

Die Taschenlampenführung sorgte für Staunen bei Kindern und Eltern. Foto: Katrin Binner


„Guck mal Mama, das sind wirklich echte Tiere.“ Ganz nah an die Scheibe gedrückt beobachtet das kleine Mädchen gebannt die Szene vor ihr. Ein bunt schillernder Kolibri trinkt Nektar aus einer großen weißen Blume. Ein Stückchen Amazonas in Frankfurt und eine Szene, die es sonst nur aus Dokumentationen kennt. Mit großen Augen rückt sie noch ein Stückchen näher an die Glasscheibe, es scheint, als wolle sie dem kleinen, wenn auch präparierten Vogel gar nicht mehr Lebewohl sagen.

So wie ihr geht es vielen der 16 Diesterweg-Stipendiaten und ihrer Familien, die zu einer exklusiven Tour durch das Senckenberg Museum eingeladen sind. Nach einer kurzen Begrüßung besuchen vier Gruppen vier im Museum verteilte Stationen. Dabei erfahren sie Wissenswertes über Haie, Säugetiere, Vögel und Spinnen. Die Stationen werden von Mitarbeitern des Senckenberg Museums und somit von echten Experten betreut. Hier können die Familien etwas über die spezielle Tiergruppe lernen, Fragen stellen, rätseln oder sogar echte Haifischzähne durchs Mikroskop betrachten. Zudem haben sie die Aufgabe, ein Quiz zu lösen. Hierbei erweisen sich gerade die Kinder als äußerst fit, sie sind den Erwachsenen weit voraus. „Das weiß ich, das habe ich in einem YouTube-Video gesehen“ oder „Das weiß doch jeder! Das hatten wir im Sachkundeunterricht“ sind dabei keine seltenen Ausrufe.

„Ist das wirklich echt?“

Die zwei häufigsten Fragen dieses Tages sind wohl: „Ist das wirklich echt?“ und „Darf man das anfassen?“ Die Antwort lautet beide Male: „Ja.“ Ganz behutsam, fast schon andächtig streicheln die Kinder das Eichhörnchen vor ihnen. Es hat die Ohren gespitzt, harrt aus, als würde es jeden Moment losrennen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal eines streicheln kann. Die sind doch immer so scheu,“ freut sich ein Mädchen. Zustimmendes Nicken der anderen Kinder, niemand von ihnen hat je das leuchtend rote Fell dieses Tieres berührt, das sich ebenfalls in der Sammlung des Naturkundemuseums befindet.

Um Kindern eben diese Chance zu geben, Natur einmal ganz nah zu erleben und Bewusstsein für Tiere und Umwelt zu schaffen, gibt es den Akademietag des Diesterweg-Stipendiums im Senckenberg Museum. Hier können Kinder und natürlich auch ihre Eltern einen Hauch von fernen Ländern und Zeiten erleben, was die Familien an diesem Tag sehr fasziniert.

Tiere heute, Menschen morgen

Das Thema Mensch und Tier scheint in den Köpfen der Kinder zu arbeiten, die Kinder machen sich bereits Gedanken über die Existenz der Menschheit: „In Millionen von Jahren werden Aliens uns ausstellen,“ mutmaßt ein Kind fantasiereich. Gleichzeitig fangen die Kinder auch an, zu hinterfragen. „Das ist so traurig. Wieso töten Menschen Tiere, um deren Pelz zu tragen?“ Von den Kindern kann es keines verstehen, und auch andere Verbrechen gegen geschützte Arten gehen an ihnen nicht spurlos vorbei: „Ich habe mal in der Zeitung gesehen, dass jemand Seife aus Elefanten verkauft,“ erzählt ein Diesterweg-Junge. Jetzt, wo die Kinder einen Elefanten und viele weitere seltene Tiere gesehen haben, können sie noch weniger nachvollziehen, dass so viele Tiere unnötig sterben. Und wer weiß, vielleicht entstehen aus genau solchen Erfahrungen die Tierschützer von morgen.

Nachts im Museum

Nach einer kurzen stärkenden Pause unternehmen die Familien eine ganz besondere Entdeckungstour. Wie in der US-Komödie „Nachts im Museum“ können sie als einzige Gäste im Dunkeln und mit Taschenlampen ausgestattet das Museum erkunden. Es ist für alle die erste Taschenlampentour im Senckenberg Museum, was für große Aufregung sorgt.

Das Mädchen, welches zu Beginn noch den winzigen Kolibri beobachtete, steht nun im Saal mit den riesigen Dinosaurierskeletten. „Das ist ja wie in Jurassic Park!“ raunt ein Junge neben ihr. Sie legt den Kopf in den Nacken und beleuchtet mit dem Schein ihrer Taschenlampe die hochragenden Urzeitriesen: Der Diplodocus mit dem bis in den zweiten Stock aufragenden Hals und der Flugsaurier, der über den Köpfen der Kinder hängt, scheint es ihr besonders angetan zu haben. Heute konnte sie zusammen mit den anderen Diesterweg-Teilnehmern mitten in Frankfurt eine Millionen von Jahren umfassende Tierwelt in nur wenigen Stunden erleben; ein Erlebnis, das sie vermutlich noch einige Zeit begeistern und zum Nachdenken anregen dürfte.

Text: Clara Urban

Weitere Impressionen des Akademietags finden Sie in der Bildergalerie.