25. September 2020.

Dominik Brey im Porträt: "Es ist eine große Stärke der Stiftung, dass sie Menschen zusammenbringt und vernetzt"

von Alexander Jürgs

Als Schüler nahm Dominik Brey an der Junior-Ingenieur-Akademie teil, als Masterstudent im Fach Chemie wurde er mit einem Main-Campus-academicus-Stipendium gefördert. Heute engagiert er sich selbst in der Stiftung: als Mentor beim Programm Digitechnikum.

Foto: Dominik Buschardt


Wie bewegt sich ein Exziton durch eine organische Solarzelle? Das ist eine Frage, die Dominik Brey antreibt, an der er forscht. Von ihrer Beantwortung hängt einiges ab: Denn die effektive Bewegung der Exzitone - gebundener Elektron-Loch-Paare - kann die Effizienz von Solarzellen steigern. Grob gesprochen leisten sie also einen Beitrag zu einer nachhaltigen Energiewende. Darum sind Experimente mit ihnen wichtig. Und deshalb braucht es Theoretische Chemiker wie Dominik Brey, die die notwendigen Modelle für diese Versuchsreihen entwickeln. Schon seine Masterarbeit hat Brey dem Thema gewidmet, nun schreibt der 25-Jährige am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Frankfurter Goethe-Universität seine Promotion.

Für Naturwissenschaften, für Mathematik, Physik und Chemie hat sich Dominik Brey bereits als Schüler brennend interessiert. Vor allem die Robotik hat ihn fasziniert. An dem Frankfurter Gymnasium, das er besuchte, der Ziehenschule, gab es dazu jedoch zunächst keine Angebote. Mit der von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ins Leben gerufenen Junior-Ingenieur-Akademie änderte sich das. Brey wurde Teilnehmer der Akademie, die als Wahlpflichtfach belegt werden konnte. In Gruppenarbeit entwickelten die Schüler Pläne für einen eigenen Roboter, der später mithilfe von Lego Mindstorms auch gebaut wurde.

Die Junior-Ingenieur-Akademie war aber noch viel mehr. "Spannend war, dass wir Firmen wie Siemens und Continental besucht haben und dort etwas über den Arbeitsalltag von Ingenieuren erfahren haben", erinnert sich Brey. "Das Programm hat für mich unheimlich gut gepasst." Die Junior-Ingenieur-Akademie blieb nicht Breys einziger Kontakt zur Stiftung. Während seines Masterstudiums wurde er durch das Main-Campus-academicus-Stipendium gefördert. Das Stipendium, für das man sich nicht bewerben kann, sondern von der Hochschule vorgeschlagen wird, umfasst sowohl eine finanzielle Unterstützung als auch ein Akademieprogramm mit unterschiedlichen Seminaren. Brey begeisterte, dass es ihm auch die Möglichkeit bot, über den Tellerrand des eigenen Fachs zu schauen. Gemeinsam mit anderen Stipendiaten konnte er hinter die Kulissen der Frankfurter Börse blicken, auch ein Besuch des Stadtarchivs gehörte zum Programm. Viel gelernt habe er aber auch bei Workshops, in denen an den sogenannten "Soft Skills" gearbeitet wurde. "Wir hatten zum Beispiel einen Kurs in Gesprächstechniken, solch ein Seminar hätte ich sonst wohl nie besucht", erzählt Brey. Er sagt auch, dass "der ideelle Teil des Stipendiums im Nachhinein viel wichtiger war als die finanzielle Unterstützung". Und dass er zu allen Stipendiaten seines Jahrgangs "eine Art Freundschaft" entwickelt habe – "mal mehr und mal weniger". Breys Fazit: "Es ist eine große Stärke der Stiftung, dass sie Menschen zusammenbringt und vernetzt."

»Der ideelle Teil meines MainCampus-academicus-Stipendiums war viel wichtiger als die finanzielle Unterstützung.«

Dominik Brey

Heute engagiert der Chemiker sich selbst für die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, als Mentor beim Digitechnikum. Das Programm, eine Art Zukunftswerkstatt für digitale Talente, richtet sich an Jugendliche, die sich besonders für Informatik interessieren. Etwa alle drei Wochen arbeiten die Teilnehmer an Werkstatt-Terminen gemeinsam weiter an ihren Projekten; dann wird gecodet oder ein elektronisches Gerät entwickelt. In Zeiten von Corona wird die Teamarbeit digital organisiert, mithilfe sogenannter Kanban Boards. Bei der Umsetzung ihrer Projekte werden die Jugendlichen im Rahmen von regelmäßigen Videokonferenzen von ihren Betreuern unterstützt. "Wir Mentoren versuchen zu helfen, etwa wenn eine Gruppe beim Tüfteln auf Probleme stößt", erzählt Brey. Ihm ist es wichtig, denen, die beim Digitechnikum mitmachen, auf Augenhöhe zu begegnen. Darum lässt er sich von den Stipendiaten duzen. "Die Teilnehmer sollen sich ja trauen, mit uns zu reden", sagt er.

Vier Jahre wird Breys Promotion voraussichtlich dauern. Hat der junge Wissenschaftler schon Pläne, was er danach machen will? "Am liebsten würde ich im universitären Bereich bleiben", erzählt er. Brey kann sich gut vorstellen, dann auch eine Zeit lang an einer ausländischen Universität tätig zu sein. "Einfach ist solch eine akademische Laufbahn nicht, es gibt nur wenige Stellen", sagt er. Besser verdienen würde der Wissenschaftler bei einem Wechsel in die Industrie auch, doch Brey hängt an Forschung und Lehre: "Es gibt nichts Schöneres, als völlig frei entscheiden zu können, was man erforschen will." Und er mag es, sein Wissen an die "jüngere Generation weiterzugeben". "Den Leuten etwas beizubringen, das macht mir großen Spaß", sagt er. Mit einem Lachen fügt er hinzu: "Man muss ja auch wissenschaftlichen Nachwuchs heranzüchten." 

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Biografie

Dominik Brey ist 25 Jahre alt und promoviert am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Frankfurter Goethe-Universität. Während seiner Schulzeit war er Teilnehmer der von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Deutsche Telekom Stiftung initiierten Junior-Ingenieur-Akademie, später wurde er Main-Campus-academicus-Stipendiat im Fach Chemie. Im Wintersemester 2019/2020 erhielt er den Fachbereichspreis für den besten Studienabschluss im Fach Chemie am Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie der Goethe-Universität. Heute ist Dominik Brey als Mentor im Digitechnikum aktiv