08. August 2017

Dominik Peper im Porträt: "Das war überwältigend"

von Jens-Ekkehard Bernerth

Als StadtteilBotschafter hat Dominik Peper das "Repair Cáfe" in Sachsenhausen etabliert. Was ihn dazu bewegt hat und warum es den Alumnus, dem Umweltthemen sehr am Herzen liegen, aus Frankfurt fortführt, verrät das Porträt.

Nachhaltigkeit ist Dominik Peper ein besonderes Anliegen. Schon in seiner Kindheit wurde er in dieser Richtung entscheidend geprägt: “Mein Vater hat viel repariert. Ich erinnere mich gern an die Tage, wo ich mit ihm unter dem Auto gelegen habe, ganz getreu dem Motto ‘selbst ist der Mann! Allerdings haben wir auch nach der Maxime: 'Was nicht irreparabel kaputt ist, sollte möglichst lange benutzt werden'‚ gelebt."

Ab nach Hessen

Als Teenager hat das Nordlicht dann mit Greenpeace gegen Atomkraftwerke und Castor-Transporte demonstriert, bis ihn das Studium schließlich nach Hessen geführt hat. An der Technischen Universität Darmstadt hat der 27-jährige Maschinenbauer im Rahmen der von ihm mitinitiierten "Gruppe Nachhaltigkeit" eine Fahrradselbsthilfewerkstatt gegründet. Sie gibt es bis heute auf dem Campus: "Dieser Erfolg hat mich letztlich motiviert, das Repair Cáfe zu gründen. Es war eine schöne Erfahrung zu sehen, wie toll die Fahrradwerkstatt angenommen wurde, weshalb ich das Konzept mit nach Frankfurt genommen habe. Ich habe mir gedacht: Wenn es mit Fahrrädern funktioniert, funktioniert es vielleicht auch mit ein paar Sachen mehr. Und schon war ich beim Repair Cáfe."

Jeder, wie er kann

Der größte Schrauber ist Dominik allerdings nicht: "Schon als Kind konnte ich  nicht so gut reparieren, und ich kann es heutzutage immer noch nicht so gut. Deshalb bin ich darüber glücklich, Menschen gefunden zu haben, die darin deutlich kompetenter sind", lacht er. Trotzdem ist der junge Mann stolz auf seine Errungenschaften und sich der Bedeutung des Themas sehr bewusst: "Das Thema Nachhaltigkeit ist meiner Meinung nach etwas Selbstverständliches, beziehungsweise sollte es das sein. Nachhaltigkeit ist für mich ein logisches Prinzip, ich sehe keinen anderen Weg zu leben, außer nachhaltig zu wirtschaften und die Nachhaltigkeit zu einem der Grundprinzipien unserer Gesellschaft zu deklarieren – sollten wir noch etwas länger auf diesem Planeten leben wollen."

Auf zu neuen Ufern

Wenig verwunderlich, dass Dominik künftig auch beruflich etwas für den rücksichtsvollen Umgang mit den globalen Ressourcen tun möchte: "Ich werde in Barcelona ein Master-Studium im Bereich 'Erneuerbare Energien' aufnehmen. Es ist ein sehr internationaler Studiengang, und ich bin gespannt, was mich erwartet. Ich glaube, dass man bei diesem Thema eine globale Perspektive braucht. Zudem handelt das Studium von der Energietransformation, also der Energieversorgung, wie sie in Zukunft sein sollte. Meiner Meinung nach sind  die erneuerbaren Energien einer der wichtigsten Bestandteile der Energietransformation. Dies muss noch mehr gefördert werden, weshalb mich für diesen Studiengang entschieden habe."

Das Repair Café wird künftig auch ohne Dominik weiterlaufen. Seine bisherigen Mitstreiter werden weiterhin jeden ersten Dienstag im Monat im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Sankt Wendel zusammenkommen und das Untergeschoss in eine Werkstatt verwandeln. Jeder, der etwas zu reparieren hat, ist herzlich willkommen. Getragen und gefördert wird das Projekt künftig von der BUNDjugend.

Welche Inspirationen haben Sie durch das Stipendium und die damit verbundenen Veranstaltungen erhalten? Inwieweit wirkt sich das auf Ihre sonstige Arbeit aus?

Ich habe ein unheimlich bereicherndes Bild von jungen Menschen in Frankfurt gewonnen. Mich hat beeindruckt, was sie alles erreicht haben und was für tolle Ideen sie hatten und immer noch haben. Auf mein Projekt bezogen war es eine großartige Erfahrung, das Repair Café ins Leben zu rufen und dabei mit so vielen Menschen zusammenzuarbeiten. Ich habe gemerkt, dass ich es schaffen kann, mit einer Idee eine große Gruppe von Menschen zu begeistern. Das macht sehr viel Mut für weitere Projekte.

Was hat sich in Ihrem Leben durch die Stiftung und durch das Stipendium verändert?

Durch das Stipendium habe ich sehr viel Lebenserfahrung gesammelt. Man wächst stark an den Herausforderungen, mit denen man konfrontiert wird, und lernt unheimlich viel über sich selbst und über Menschen an sich. Das ist sehr viel wert.

Was war das schönste Erlebnis, das Sie während Ihrer Zeit als Stipendiat hatten?

Ein ganz besonders schönes Erlebnis war, das Repair Café zu eröffnen und zu sehen, wie gut es ankommt. Ich bin mit einer gewissen Ehrfurcht an das Projekt herangegangen und habe mir Gedanken gemacht, ob alles klappt. Dann habe ich sehr viel Arbeit investiert. Als der Tag kam, dass ich das Café eröffnet habe, dachte ich: Wenn ein paar Leute kommen, bin ich schon sehr glücklich. Am Ende waren 30 Gäste da und ich habe sehr viel positives Feedback bekommen. Das war überwältigend.

Was nehmen Sie aus der Begegnung mit den anderen Stipendiaten mit?

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft hat mich damit überrascht, dass sie so integrativ ist und sich so viele unterschiedliche Nationen unter ihrem Schirm versammeln. Mir hat das viele neue Begegnungen ermöglicht. Ich bin auf dem Land groß geworden, und da war alles eher eintönig deutsch. Hier bin ich dagegen der ganzen Bandbreite der Frankfurter Gesellschaft begegnet. Ich habe viele tolle Freunde gewonnen.

Welche Projekte/Ziele streben Sie in nächster Zeit an?

Ich bleibe dem Repair Café auf jeden Fall treu, solange ich hier in Frankfurt bin und es weiterhin organisatorisch unterstützen und bei den Veranstaltungen dabei sein kann – denn es ist schon „mein Baby“. Ich lasse es zwar gerne laufen und freue mich, dass es sich unter dem Einfluss von anderen weiterentwickelt, aber ich möchte  trotzdem weiterhin daran teilhaben. Ansonsten lasse ich mich überraschen, was in meinem Leben kommen wird.

Der Begriff "polytechnisch" beschreibt ein Menschenbild, das von vielfältigen Talenten eines Einzelnen ausgeht. Konnten Sie im Laufe Ihrer Stipendiatenzeit neue Talente an sich entdecken oder ausbauen?

Ich bin nicht unbedingt der größte Reparatur-Profi. Aber ich hatte hier die Möglichkeit, Leuten über die Schulter zu schauen, die wirklich gut reparieren können. Dabei habe ich  selbst gelernt, wie man Dinge repariert. Handwerklich bin ich voran gekommen. Außerdem habe ich das Talent an mir entdeckt, ein Projekt zu leiten und mit anderen Menschen zusammen  umzusetzen, was ich mir anfangs  gar nicht  richtig zugetraut hatte. Ich habe bemerkt, dass ich ein Team anleiten, Aufgaben delegieren  und darüber ein funktionierendes System schaffen kann.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Interview: Astrid Heindel)