08. Januar 2018

Endspurt auf der Wegscheide

von Jens-Ekkehard Bernerth

In der letzten Woche der Weihnachtsferien fuhren über 100 Frankfurter Grundschulkinder für sechs Tage zum Endspurt auf die Wegscheide, das Schullandheim der Stadt Frankfurt in Bad Orb, um dort ihre Sprachkompetenzen in Deutsch zu trainieren.

 

 

Foto: Philip Eichler


In diesem Jahr war das Interesse der neun bis 13-jährigen Kinder besonders groß. Erstmals gab es acht Lerngruppen, davon zwei mit den 29 Kindern aus dem Diesterweg-Stipendium. Die meisten der Kinder haben in den Sommerferien 2017 am DeutschSommer teilgenommen, den "Ferien, die schlau machen", und dabei einen anregenden Mix aus Deutschunterricht, Theaterspiel und Freizeitaktivitäten genossen.

Im Endspurt galt es, die Kompetenzen, die die Kinder im DeutschSommer sowohl sprachlich als auch für ihre Persönlichkeitsbildung erworben haben, zu kräftigen und aufzufrischen. Grammatikalischer Schwerpunkt im Endspurt waren die Akkusativ- und Dativergänzungen. Damit haben die Kinder anschließend in der entscheidenden Phase zum Ende des ersten Halbjahres der vierten Klasse die Möglichkeit, sich zu beweisen, bevor der Klassenlehrer die Empfehlung für die weiterführende Schule ausspricht.

Räuberrallye und Lagerfeuer

Bei einer Räuberrallye erkundeten die Kinder, die aus 36 Nationen stammen und 34 Frankfurter Grundschulen in 22 Frankfurter Stadtteilen besuchen, ausführlich das Gelände, sie mussten Rätselaufgaben der anderen Gruppen lösen und sich gegenseitig kennenlernen. Zum Abschluss feierten die Kinder nach traditioneller Räubermanier unter freiem Himmel mit Gesang und Räuberpunsch am Lagerfeuer.

Grundlage des Endspurts ist das erfolgreiche Format des DeutschSommers: vormittags Deutsch als Zweitsprache-Unterricht, kombiniert mit Theater, nachmittags ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm. Jede Lerngruppe besteht aus maximal 15 Kindern, die von einem Pädagogentridem rund um die Uhr betreut werden. Die Lerngruppen wohnen in Doppelhaushälften, in denen sich die Schlaf-, Unterrichts- und Aufenthaltsräume befinden.

Am vorletzten Tag des Endspurts präsentieren die Kindergruppen sich gegenseitig ihre selbst erarbeiteten Theaterstücke. Diese reichten von Schattentheater über traditionelle Bühnenpräsentationen bis hin zu einem interaktiven Computerspiel. Natürlich alles rund um Ronja Räubertochter. Dabei legten sich die Kinder insbesondere bei den Kostümen und Requisiten mächtig ins Zeug. Schnee aus weißen Papier-Locher-Resten, Fellmützen aus Omas Verkleidungskoffer, Räuberumhänge aus Kartoffelsäcken, Trolle aus Staubwedeln und Burgzinnen aus Pappkarton.

Unterricht, der gefühlt keiner ist

Wie im DeutschSommer gilt auch im Endspurt: der Unterricht findet unter Einbezug zahlreicher bewegungsintensiver Theaterübungen statt und soll ein ganzheitliches Lernen mit Körper und Geist begünstigen. Zwar werden täglich mindestens je zwei Stunden Deutsch und zwei Stunden Theater gepaukt, dies allerdings so spielerisch, dass die meisten Kinder gar nicht registrieren, dass sie sich in einem Sprachförderprojekt befinden. So antwortet die zehnjährige Delina beim Pressebesuchstag auf die Frage einer Journalisten, wie ihr der Deutsch-Unterricht gefalle, verwundert: "Welcher Unterricht?"

Als Partner des Endspurts fungieren das Staatliche Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main, das Dezernat für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt am Main und die Volkshochschule Frankfurt am Main.