02. November 2017

"Es kann nie genug Vernünftigkeit geben"

von Kaehlbrandt / Krommer

Walther von Wietzlow, der Präsident der Polytechnischen Gesellschaft, ist gestorben. Ein Nachruf des Vorstands der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt und Johann-Peter Krommer.

Walther von Wietzlow, Präsident der Polytechnischen Gesellschaft e. V. und Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, verstarb völlig unerwartet am 18. Oktober 2017 im Alter von 72 Jahren.

Der erfolgreiche Rechtsanwalt und Unternehmer war seit 1984 Mitglied der Polytechnischen Gesellschaft. Die im Jahr 2005 errichtete Stiftung der Polytechniker begleitete er von Anfang an in vielen Belangen ehrenamtlich. Immer wieder war er als Begleiter, Ratgeber und Mitglied von Auswahljurys in der Stiftung aktiv.

Sein besonderes Interesse galt den jungen StadtteilBotschaftern. Dass sich junge Menschen mit eigenen Ideen auf den Weg machen, um ihrer Stadt etwas zu geben, den Zusammenhalt zu fördern und Heimatverbundenheit mit Weltoffenheit zu verbinden – das begeisterte ihn.

Sein großes menschliches Interesse, seine Aufgeschlossenheit und Kontaktfreude machten ihn zu einem begehrten und beliebten Gesprächspartner in der Stiftung und bei ihren Stipendiaten. Durch seinen großen beruflichen Erfahrungsschatz wie auch durch sein langjähriges Engagement in der Frankfurter Bürgergesellschaft verfügte er über eine souveräne Urteilskraft, tiefe Lebensklugheit und ein ausgezeichnetes Netzwerk.

Es war nur folgerichtig, dass Walther von Wietzlow im November 2014 zum neuen Präsidenten der Polytechnischen Gesellschaft gewählt wurde. Damit war auch das Amt des Vorsitzenden des Stiftungsrats der Stiftung Polytechnische Gesellschaft verbunden.

In von Wietzlows Amtszeit fiel das 200-jährige Jubiläum der Polytechnischen Gesellschaft e.V. im Jahre 2016. Er stellte es in die Tradition der Aufklärung, aus der die polytechnischen Ideen stammen. Dass er im Jubiläumsjahr für die Polytechnische Gesellschaft den Deutschen Stifterpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen entgegennehmen konnte, empfand er vor allem als Verpflichtung für künftige Beiträge zum Nutzen des Gemeinwesens.

Die von ihm verantwortete Vortragsreihe der Polytechnischen Gesellschaft überschrieb er mit dem Thema "Zukunft entdecken". Beides, die Wahrung der Tradition der Aufklärung und das große Interesse an neuen Entwicklungen, prägte sein Denken und seine Arbeit.

In der Stiftung konnte von Wietzlow seinen wirtschaftlichen Sachverstand im Dienste der Substanzerhaltung des Stiftungsvermögens hilfreich einsetzen. Inhaltlich verwandte er sich für die Vielfalt der Stiftungsprojekte in einem polytechnischen Rahmen: für Vielfalt in Einheit. Damit war für ihn ein Bekenntnis zu Bildung, Wissenschaft und Vernunft sowie zu Demokratie und Pluralität verbunden.

Sein Credo war: "Es kann nie genug Vernünftigkeit geben". Es ging ihm nicht allein um Vernunft in einem abstrakten Sinne, sondern um vernunftgeleitetes Urteilen und Handeln, also vor allem um angewandte praktische Vernunft.

 Die Stiftung verliert mit ihm einen Stiftungsratsvorsitzenden, der die Stiftungsarbeit aus seiner tiefen Verwurzelung in der Frankfurter Bürgergesellschaft heraus fachkundig und zugleich leidenschaftlich begleitete. Seine herzliche Zugewandtheit, sein Humor und seine stete Ermutigung, auf dem Weg zur Vernunft nie nachzulassen, weil er immer wieder neu beschritten werden muss, bleiben unvergessen.

Roland Kaehlbrandt und Johann-Peter Krommer