02. April 2020.

Frankfurt rückt zusammen: Ideen und Aktionen unserer Stipendiaten und Alumni

von Jens-Ekkehard Bernerth

Das Corona-Virus hat die Welt fest im Griff. Während das öffentliche Leben nahezu komplett eingestellt wurde, entstehen vielerorts schöne Gesten der Solidarität und des Zusammenhalts zwischen den Menschen. Im Folgenden stellen wir Vorhaben unserer Stipendiaten, Alumni und weitere schöne Ideen aus dem Stiftungsumfeld für Frankfurt vor. Allesamt wichtige Aktionen, die dafür sorgen, dass der Alltag zu Hause ein klein wenig bunter wird und die Menschen – trotz des Gebotes zum "social distancing" - näher zusammenrücken.

Foto: Uwe Dettmar


Volker Northoff, Frankfurt schreibt! Sieger und der Diktant des Anfang März durchgeführten Frankfurter Finals des Rechtschreibwettbewerbs in der Schillerschule, möchte Musikern unter die Arme greifen, deren Einnahmen in der derzeitigen Lage teils massiv wegbrechen. Zu diesem Zweck hat Northoff die Initiative "Meine Karte für die Kunst!" gestartet. Bei Corona-bedingten Absagen von Konzerten erhalten die Musiker Einnahmen aus dem Vorverkauf, selbst wenn die Auftritte nicht stattfinden können. Bedeutet:  Wer freiwillig auf die Kartenrückgabe verzichtet, kann damit die Musiker direkt unterstützen, denn nicht erstattete Eintrittsgelder erhalten die Künstler. Volker Northoff erklärt seine Idee folgendermaßen: "Bei einer nötigen Konzertabsage sollen nicht die Musiker allein die finanzielle Last tragen." Er hofft, dass sich andere Veranstalter deutschlandweit dieser Aktion anschließen, für die der Hashtag #meinekartefuerdiekunst erzeugt wurde.

Zudem hat der sprachaffine Bad Homburger Schillers bekanntes Werk "Ode an die Freude" – ein Lied, das derzeit immer häufiger von Balkonen und aus Fenstern der Republik erklingt  – leicht umgedichtet. Hier das Ergebnis:

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
jeder, dem der Mut gesunken,
singt jetzt mit und bleibt nicht stumm!
Deine Zauber binden wieder,
was Corona streng geteilt.
Alle werden Schwestern, Brüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.

"Ode an die Freude" ist auch das richtige Stichwort bei Lena Sieling. Die Stipendiatin des aktuellen Jahrgangs im Kolleg für junge Talente hat beim "Ode an die Freude"-Flashmob am 22.3. mit ihren Eltern mitmusiziert. Der Aufruf holte deutschlandweit (Hobby-)Musiker ans Fenster, auf die Terrasse oder den Balkon, wo dann das Lied gespielt wurde. Zahlreiche Youtube- und Instagram-Videos sind Zeuge davon: 

Hoffnung ist schneller

Die Hoffnung nicht aufgeben und für positive Gedanken sorgen will Julia Koldau. Die ehemalige Stadtteil-Botschafterin hat dafür die Seite "www.hoffnungistschneller.de" ins Leben gerufen, was ein Resultat ihres Mitwirkens beim #wirvsvirus-Hackathon der Bundesregierung ist. Dementsprechend wurde die Seite binnen 24 Stunden realisiert. Julias Idee ist, dass jeder Besucher drei Menschen in diesen für manch einen bedrohliche Zeiten einen positiven Zuspruch sendet, beispielsweise in Form eines Spruchs oder mittels individuellen, gut gemeinten Zeilen. Auf Instagram und Twitter ist dieses Vorhaben unter dem Hashtag #HoffnungIstSchneller aktiv.

Die Notwendigkeit greifbar machen

Nick Brandelski ist Stipendiat des ersten Digitechnikum-Jahrgangs und hat ebenfalls am #wirvsvirus-Hackathon mitgewirkt. Der Wöhlerschüler ist Mitentwickler eines interaktiven Spiels, das die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen auf die Entwicklung der Pandemie aufzeigen will. Mit dem Programm möchten die jungen Entwickler die Notwendigkeit der Maßnahmen denjenigen verdeutlichen, welche die Corona-Pandemie immer noch nicht ernstnehmen.

Spaß, Bildung und Begegnung

Auch ehemalige Bürger-Akademikerinnen haben uns ebenfalls ihre Aktivitäten mitgeteilt. Melinda Fleckner strickt an einem Online-Konzept für die Jugendfeuerwehr Frankfurt, damit sich Kinder in der schulfreien Zeit mit Feuerwehrinhalten beschäftigen können. Online-Meetings sind ebenfalls angedacht.

Rege zeigt sich auch das Familienzentrum Billabong, in dem Bürger-Akademikerin Sabine Fiedler ehrenamtlich aktiv ist. Zwar hat das Zentrum gezwungenermaßen seit drei Wochen seine Pforten geschlossen, ist aber weiterhin fleißig aktiv im Stadtteil. So wurde beispielsweise ein Telefondienst von 9 bis 13 Uhr eingerichtet, bei dem Bürger anrufen und ein Gespräch führen können. Angehörige von Risikogruppen können zudem Einkaufshilfen bestellen. Das geht auch über eine Facebook-Gruppe namens Helping Hands Riedberg, wo das Billabong bereits 400 Personen akquiriert hat, die sich ehrenamtlich im Stadtteil einbringen und beispielsweise kleine Erledigungen wie Postwege oder Einkäufe vornehmen. Tendenz steigend. Besonders schön und möglicherweise auch nachhaltig sind die Kooperationen des Familienzentrums mit Seniorenheimen. Es wurden Mal- und Briefaktionen mit Kindern gestartet, die den Seniorinnen und Senioren Bilder malen oder Texte schreiben. Die Idee ist, dass die älteren Menschen so eine kleine Alltagsfreude erhalten, und sich später vielleicht sogar einmal Kind-Senioren-Tandems entwickeln, die zusammen ihre Freizeit verbringen, wenn wieder Normalität Einzug gehalten hat. Gegen eine kleine Spende können – sofern verfügbar - selbstgenähte Mundschütze aus Baumwolle zwischen 10 und 12 Uhr vor Ort beim Zentrum abgeholt werden.

Jörg Spamer, Bürger-Akademiker des aktuellen Jahrgangs, ruft zur handwerklichen Betätigung auf: Nachdem die Nutzung von Videochats derzeit exponentiell ansteigt, aber in so manchem Home-Office eine Smartphone- oder Tablethalterung Mangelware sein dürfte, hat Bürger-Akademiker Spamer ein Modell zum Selbermachen konzipiert. 

Digitale Unterstützung

Auch das Mädchenbüro Milena, das von der Stiftung gefördert wird, unterstützt seine Besucher auf digitalem Wege. Alle Schülerinnen haben täglich von 10 bis 14 Uhr die Möglichkeit, Arbeitsblätter und Hausaufgaben von den Betreuerinnen über Whatsapp, E-Mail oder Telefon kontrollieren zu lassen. Mit den Eltern wird ebenfalls per Whatsapp-Gruppe der Kontakt gehalten. Zudem erhalten alle Frauen, die Alphabetisierungsklassen oder Kurse für das Sprachniveau A1 oder B1 besuchen, ab 10 Uhr Lerneinheiten, und können diese bis 18 Uhr in die Messenger-Gruppe zur Korrektur zurückschicken. Ferner gehört die Versorgung mit Sim-Karten und Lebensmitteln zum Angebot des engagierten Teams. Regelmäßige Telefonate runden die Betreuung ab.

Und auch wenn bundesweit Ausstellungen abgesagt, Fitnessstudios geschlossen und Vorträge verschoben werden, herrscht derzeit kein Mangel an Bildungs- und Freizeitaktivitäten. Sportkurse, Musikunterricht, Seminare oder auch Lesungen finden momentan im Netz statt. Unter https://www.lebenx0.de/ finden beispielsweise Livestream-Debatten des Museums für Kommunikation statt. Das Thema des letzten Beitrags vom 31. März 2020 war beispielsweise "Me, myself and I: wer bin ich online?". Fragen aus der Internetcrowd fließen bei dem Format live in die Diskussion ein. Die Stiftung fördert diese Reihe bereits zum dritten Mal – und ist gespannt vor den Monitoren dabei.