23. Januar 2020.

Fünf Jahre Babylotse: für einen guten Start

von unserer Gastautorin

Die Babylotsinnen sind seit fünf Jahren in Frankfurt für unterstützungsbedürftige Familien da. Sie beraten, informieren und begleiten die werdenden Eltern an allen Frankfurter Geburtskliniken. Das Angebot ist kostenlos.

Die Frankfurter Babylotsinnen. Foto: Deutscher Kinderschutzbund


2014 wurde das Projekt vom Hamburg nach Frankfurt transferiert. Seitdem wird es in der Mainmetropole angeboten, wo rund 13.000 Kinder pro Jahr auf die Welt kommen; seit 2017 ist es in allen Frankfurter Geburtskliniken etabliert. "Eltern benötigen nach der Geburt oftmals weitergehende Unterstützung und Hilfen für die neue Lebenssituation. Diese Hilfen können Unterstützung zu finanziellen Basisansprüchen oder Hilfen in besonderen Lebenslagen, aber auch psychosoziale oder psychologische Inhalte haben", erläutert Stefan Schäfer, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Frankfurt, die Grundlagen des Angebots. In den vergangenen Jahren wurden etwa 50.000 Familien über das Angebot informiert, über 10.000 werdende Eltern haben die Babylotsinnen direkt zum Gespräch getroffen.

"Es ist etwas ganz Besonderes, Eltern kurz nach der Geburt kennenzulernen und ihnen die Unsicherheiten um ihr Baby zu nehmen," sagt Babylotsin Daniela Dankert vom Bürgerhospital. Sie ist Babylotsin der ersten Stunde. Alle Babylotsinnen sind Sozialpädagoginnen oder haben vergleichbare Qualifikationen.

Babylotsinnen beraten die Familien direkt auf der Station der Geburtshilfe, sodass keine Wege und keine Wartezeiten entstehen. Drei zentrale Beratungsthemen haben sich in den vergangenen Jahren herauskristallisiert: die Unterstützung in den ersten Wochen, die Orientierung zu den Rechten der Familien sowie der Aufbau eines Netzwerks. Dementsprechend helfen die Babylotsinnen den Eltern bei der Geburtsvorbereitung und der Nachsorge, bei der Alltagsstrukturierung mit den Neugeborenen, bei Anträgen und beim Kontaktaufbau zu anderen jungen Eltern. "Die Babylotsen schließen eine wichtige Lücke im Bereich Früher Hilfen in Frankfurt. Durch die systematische Erhebung des Unterstützungsbedarfs und die Vermittlung in passgenaue Angebote im Bedarfsfall stärken sie junge Familien in der entscheidenden Phase kurz nach der Geburt und stellen damit die Weichen für einen gelungenen Bildungsweg und gesellschaftliche Teilhabe,“ erklärt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. 

Enge Verzahnung mit den Willkommenstagen

Die enge Verzahnung mit dem Projekt Willkommenstage in der frühen Elternzeit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft erzielt zudem besondere Wirkung. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte einer jungen Studentin, die von den Babylotsinnen auf die Willkommenstage hingewiesen wurde. Wegen der Schwangerschaft konnte sie ihr Studium nicht fortsetzen. Dadurch hätte sie den damit verbundenen Anspruch auf den Wohnheimplatz verloren. Erschwert wurde die Situation durch ihre finanzielle Lage. Die Familienbegleiterinnen der Willkommenstage wirkten segensreich in den Feldern Finanzen und Wohnungssituation, sie setzten den Anspruch der jungen Mutter auf die Warteliste beim Wohnungsamt durch und halfen bei der Klärung von Formalitäten wie der Geburtsurkunde oder der Staatsangehörigkeit.

"Die Familien, die am meisten Hilfe brauchen, gehen oft nicht von sich aus zu den Anlaufstellen oder wissen überhaupt nicht von deren Existenz," erklärt Melanie Weimer, Projektleiterin der Willkommenstage. Dr. Katharina Uhsadel, bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft verantwortlich für die Projekte Babylotse und Willkommenstage in der frühen Elternzeit, ergänzt: "Durch die systematische Ansprache können grundsätzlich alle die Beratung der Babylotsen in Anspruch nehmen und bei Bedarf in weiterführende Angebote wie beispielsweise die  Willkommenstage weitervermittelt werden. "

Die Projektpartner in Frankfurt sind der Deutsche Kinderschutzbund Bezirksverband Frankfurt am Main e. V., die Crespo Foundation, die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die aqtivator gGmbH, die Stadt Frankfurt am Main mit den Dezernaten Gesundheit und Soziales, die BHF Bank Stiftung und die Stiftung Familienorientierte Nachsorge Hamburg SeeYou. 

Text: Laeticia Koerner