11. Mai 2017

Gewinnertreffen: Deutsch als Wundermittel

von Jens-Ekkehard Bernerth

Die sieben Gewinnerinnen und Gewinner des Frankfurt-Finales des großen Diktatwettbewerbs trafen sich in der Stiftung Polytechnische Gesellschaft zu einem ebenso gemütlichen wie hochinteressanten Austausch über Diktate und die deutsche Sprache.

Matthias Tielmann, der erstplatzierte Schüler des Frankfurter Finales, weiß, wie er Sprache für seine Zwecke einsetzen kann: "Bei Lehrern hilft es manchmal, wenn man sein Unwissen mit möglichst vielen Fremdwörtern kaschiert", berichtet er schmunzelnd. Die Grundlage für die Freude an der Sprache legte der Schüler bereits in früher Kindheit, als er mit Begeisterung "Die drei Fragezeichen" und "TKKG" verschlang. Aber auch anspruchsvolle Werke von Schriftstellern wie Dumas begeisterten Matthias, "das habe ich extrem gesuchtet", berichtet er. Später möchte Matthias, der nach wie vor sehr viel liest, Jurist werden.

Einen ebenso gesunden Bezug zur Sprache haben die übrigen Gewinnerinnen und Gewinner: Schülerin Sarah Kono, die Mütter Tatjana Koch, Julia Breitenöder und Andrea Wicke, die in der Kategorie Eltern antraten, sowie die Lehrer Elke Willmann und Stefan Heutmann. Willmann und Heutmann unterrichten beide an der Schillerschule in Frankfurt-Sachsenhausen. Sie empfinden nach wie vor viel Freude an ihrem Beruf und der deutschen Sprache, selbst wenn im Vergleich zu früher Sprachfehler in Schülerarbeiten weniger hart bestraft werden. Stichwort Fehlerindexierung: Die Regel sorgte dafür, dass eine Arbeit in der Oberstufe aufgrund von sprachlichen Mängeln schon mal um bis zu vier Punkte verlieren konnte. Aktuell ist dies nicht mehr möglich – sehr zum Bedauern der Lehrkräfte: "Da scheint der Hebel weg zu sein", monieren sie, künftige Schülergenerationen könnten laxer in puncto Ausdruck und Rechtschreibung zu Werke gehen. Andererseits könnten von der Änderung Familien mit Migrationshintergrund profitieren, in denen nicht Deutsch als Hauptsprache gesprochen werde. Bei diesen Schülern sei zu beobachten, dass das Sprachniveau gut sei, das Bildungsdeutsch hingegen eher niedriges Niveau habe, so die Pädagogen.

Dieses Problem gibt es bei Sarah Kono nicht zu beobachten: Die Schülerin ist Halbjapanerin und Wiederholungstäterin, sie hat schon einmal erfolgreich am großen Diktatwettbewerb teilgenommen. Eine genaue Ursache für ihre hervorragenden Rechtschreibkenntnisse kann die Schülerin nicht nennen, seit frühester Kindheit habe sie aber viel gelesen, allerdings mehr Jugendromane denn Klassiker der Literaturgeschichte. Der Orthographie hat es nicht geschadet, im Gegenteil.

Generell beobachten die Lehrer, dass Diktate allgemein wieder beliebter werden bei der Schülerschaft, auch in der Oberstufe. Und noch eins haben die Frankfurter Gewinnerinnen und Gewinner gemeinsam: Sie alle freuen sich auf das große Deutschlandfinale des großen Diktatwettbewerbs, das am Nachmittag des 11. Mai 2017 im Frankfurter Goethe-Gymnasium stattfinden wird. Ausgang: völlig offen.

Wenn auch Sie Lust auf Diktate schreiben bekommen haben, surfen Sie am besten gleich auf der Website des großen Diktatwettbewerbs vorbei. Dort finden Sie hervorragende Trainingsmöglichkeiten und Übungsdiktate.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Foto: Dominik Buschardt)