17. November 2016

Junior-Ingenieur-Akademie: Impulse für die Tüftler von morgen

von Stephan Hübner

Am Gymnasium Riedberg werden 17 Schüler zu Junior-Ingenieuren. Das Themenfeld ist dieses Mal die Orthopädietechnik.


Wie funktionieren Muskeln? Wie misst man die biophysikalisch-chemischen Prozesse, die ihre Aktivität ermöglichen? Wie lässt man sich von der Funktionsweise gesunder Muskulatur beim Bau von Prothesen inspirieren? Viel neues Wissen rund um diese Fragen erarbeiten sich künftig 17 Achtklässler, 6 Schülerinnen und 11 Schüler, des Frankfurter Gymnasiums Riedberg.

Zwei Jahre lang lernen sie im Wahlpflichtunterricht den Themenkomplex Orthopädietechnik und Prothetik kennen. Am Ende wollen die Junior-Ingenieure genau wissen, wie eine funktionsfähige Prothese gebaut wird – genauer gesagt eine sogenannte myoelektrische Prothese, die sogar die natürliche Funktionsweise der Muskulatur nachahmt.

Mit dem Start der Junior-Ingenieur-Akademie (JIA) am Gymnasium Riedberg wächst das Frankfurter Netzwerk auf vier Gymnasien an. Jedes von ihnen hat seinen eigenen Themenschwerpunkt festgelegt. An der Ziehenschule sind es Robotik und Bionik, an der Wöhlerschule die regenerativen Energien und an der Elisabethenschule ist es die Lebensmitteltechnologie.

Mit vier Junior-Ingenieur-Akademien in einer Stadt nimmt Frankfurt einen Spitzenplatz in Deutschland ein. Auch das Ziel, Schüler vermehrt zur Wahl von MINT-Fächern zu motivieren, geht auf: An den drei Schulen mit langjähriger JIA-Erfahrung haben bislang im Verhältnis doppelt so viele Junior-Ingenieure Leistungskurse im MINT-Bereich gewählt wie ihre Mitschüler. Zudem sind rund 35 Prozent der Teilnehmer Mädchen.

"In Deutschland herrscht nach wie vor ein Fachkräftemangel in den technischen Berufen. Dem wollen wir begegnen", hält Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, fest. "Obwohl die Perspektiven in diesen Berufen groß sind, entscheiden sich viele junge Menschen für andere Karrieren. Ein Grund dafür sind oft fehlende Kenntnisse darüber, was sich hinter wissenschaftlichen oder technischen Berufsbildern verbirgt. Diese Lücke schließt die Junior-Ingenieur-Akademie, denn sie fördert sowohl die Berufsorientierung, als auch die technische Allgemeinbildung."

Die Akademie wurde 2005 von der Deutsche Telekom Stiftung ins Leben gerufen und findet aktuell an 79 Schulen in 13 Bundesländern statt. Ihre Durchführung in Frankfurt wird seit sieben Jahren gemeinsam von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Telekom-Stiftung ermöglicht.

"Die Inhalte der Ingenieursberufe erleben die Junior-Ingenieure ganz praxisnah: dank der Vernetzung von Schule, Wirtschaft und Wissenschaft", erklärt Tobias Ullrich, Projektleiter der Akademie. "Deshalb begegnen die Schüler dem Thema ‚Orthopädiemechanik‘ auch auf drei Ebenen: In der Schule findet der Theorieunterricht statt. An der Goethe-Universität erhalten sie einen zum Thema passenden Einblick in die Ausbildung von Ingenieuren, Technikern und Wissenschaftlern. Und bei Betriebsbesichtigungen, Workshops und Praktika in der Wirtschaft erhalten sie zusätzliche Möglichkeiten anschaulichen, praxisnahen Lernens."

(Text: Stephan M. Hübner)