16. Dezember 2019.

Kleine Jazzer, große Unterhaltung beim Schüler-Jazzfestival von Jazz und Improvisierte Musik in die Schule!

von Jens-Ekkehard Bernerth

Alle Jahre wieder findet in der Milchsackfabrik das Schüler-Jazzfestival von Jazz und Improvisierte Musik in die Schule! statt. Den rund 180 anwesenden Schülern, Lehrern und Eltern wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten, und vier Schulen eine besondere Würdigung zuteil.

Foto: Dominik Buschardt


Die Liesel-Oestreicher-Schule, die Kerschensteinerschule, die Helmholtzschule sowie die Ernst-Reuter-Schule 1 dürfen sich ab sofort Jazz-Aktiv-Schulen nennen. Mit dieser besonderen Auszeichnung möchten die Musikschule Frankfurt sowie die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main das Engagement der Bildungsstätten ehren, die dazu beitragen, Schüler als aktive Musiker und Hörer für Jazz und Improvisierte Musik! zu begeistern, ihre kreative Beschäftigung mit Musik zu fördern und die Frankfurter Jazztradition für ein junges Publikum erlebbar zu machen.

Bevor jedoch die Schulvertreter die Urkunden in Empfang nahmen, gab es erstmal Großartiges auf die Ohren. Die Gesangsklasse des Gymnasiums Nord eröffnete den Abend mit "This little light of mine" von Harry Dixon Loes, und nach der Begrüßung durch Christoph Hornbach, dem Direktor der Musikschule Frankfurt, spielte die Musik-AG der Schule das traditionelle Stück "What shall we do", danach performte das Tanz-Ensemble der Liesel-Oestreicher-Schule "‘Tain’t what you do" von “Sy" Oliver und "Trummy" Young.

Nach dem Grußwort des Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, und dem stimmungsvollen "Oh Tannenbaum", vorgesungen vom Chor der Kerschensteinerschule und begleitet vom Jazztrio, war es soweit: Unter lautem Applaus wurden den stolzen Verantwortlichen die Urkunden übergeben. Stadträtin Sylvia Weber, die fortan als Schirmherrin von Jazz und Improvisierte Musik in die Schule! agiert, hob in einem Schreiben die Meriten des Programms hervor: "Die positive Entwicklung von Jazz und Improvisierte Musik in die Schule! begeistert mich ganz nachdrücklich. Mit der erstmaligen Auszeichnung von Jazz-Aktiv-Schulen wird ein Zeichen für eine ausgezeichnete pädagogische Arbeit im Fach Musik gesetzt. Zudem wird darauf hingewiesen, welche besonderen pädagogischen Potenziale in der Beschäftigung von Jazzmusik liegen und umgesetzt werden können. Es freut mich sehr, dass ich die Arbeit von Jazz und Improvisierte Musik in die Schule! mit meiner Schirmherrschaft unterstützen kann!"

Im Anschluss gab die Bläserklasse der Helmholtzschule Miles Davis' "Freddie Freeloader" sowie Herbie Hancocks "Watermelon man" zum Besten. 30 Bläser und die Rhythmusgruppe begeisterten das Publikum. Heide Schimmelschmidt, Musiklehrerin an der Helmholtzschule und zusammen mit ihrem Kollegen Christoph Heyd für die Bläserklassen und Big Bands der Schule verantwortlich, war sichtlich stolz auf ihre Schülerinnen und Schüler. Sie freute sich sehr über die Jazz-Aktiv-Auszeichnung und lobte in ihrer kurzen Ansprache: "Ich denke, dass Jazz und Improvisierte Musik in die Schule! für alle interessierten Kollegen und Schulen viele Möglichkeiten bietet, sich der improvisierten Musik zu öffnen und Schülern Spielraum zur kreativen Entwicklung zu ermöglichen." Schimmelschmidt weiter: "Ein weiterer, für uns bedeutsamer und motivierender Zugang zur Improvisation und damit auch zum Jazz, sind die Schüler-Jamsessions im legendären Frankfurter Jazzkeller. Wenn die Stimmung am Ende des gemeinsamen Jammens mit Profis kocht, gehen alle im Anschluss mit einem Lächeln auf dem Gesicht und oft auch singend nach Hause."

Das dürfte auch für den Ausklang des Schülerjazz-Festivals gelten. "Coming Home Baby" von Ben Tucker, gespielt von der Ernst-Reuter-Schule 1, Oliver Nelsons "Stolen Moments", dargeboten vom Schüler-Jazzensemble, sowie die Zugabe "Chameleon" dürften auch die Besucher des Schülerjazz-Festivals beschwingt und glücklich in die verschneite Dezembernacht entlassen haben.

Über Jazz und Improvisierte Musik in die Schule

Das Programm Jazz und Improvisierte Musik in die Schule! wurde 2011 von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ins Leben gerufen. Es verfolgt die Ziele, Jazz als kulturelles Erbe der Stadt Frankfurt neu ins Bewusstsein zu rufen und zugleich einen innovativen Beitrag zur musikalischen und kulturellen Bildung junger Frankfurterinnen und Frankfurter zu leisten. Seit dem Projektbeginn haben die Angebote des Programms mehr als 14.000 Schülerinnen und Schüler an 70 Frankfurter Schulen aller Schulformen erreichen können. Diese wurden von 74 Lehrkräften auf die Bausteinangebote vorbereitet und in den Konzerten, Workshops und Jam-Sessions begleitet.  Im Schuljahr 2019/2020 erreicht das Programm bislang 3600 aktiv zuhörende Kinder und Jugendliche durch Mitmach-Konzerte. 

Das Programm ist modular aufgebaut und besteht aus Bausteinen wie "Der fahrende Jazzclub", die "Schüler-Jamsession", das "Schüler-Jazzensemble", das "Jazz-Aktiv"-Angebot für besonders engagierte Schulen sowie das alle zwei Jahre stattfindende "Schüler-Jazzfestival".

Lehrerfortbildungen für jazzinteressierte (Musik-)Lehrer sind ebenfalls integraler Bestandteil des Programms, In den Schulungen und Fortbildungsangeboten werden über 30 Lehrkräfte mit unterrichtspraktischen Modellen zum Thema Jazz angesprochen. Im Rahmen der Schüler-Jamsession standen im November über 120 musizierende Schülerinnen und Schüler im Jazzkeller Frankfurt auf und um die Bühne.

Für das Programm verantwortlich zeichnet die Musikschule Frankfurt und die Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Gefördert wird es durch die Aventis-Foundation.