13. Dezember 2018

Kolleg für junge Talente: Bildende Kunst - wortwörtlich

von unserer Gastautorin

Jeder Kollegtag des Kollegs für junge Talente ist einem besonderen Thema gewidmet. Für die Kollegiaten der dritten Generation drehte sich beim Besuch im Städel-Museum alles um die Bildende Kunst. Lena Schumacher berichtet davon.

Foto: Dominik Buschardt


Nach einer sehr schönen und gewinnbringenden Herbstakademie waren wir alle auf den ersten Kollegtag gespannt. Wir freuten uns darauf, über ein ausgewähltes Thema zu diskutieren und uns weiterzubilden. Auch waren wir sehr erwartungsvoll, uns wiederzusehen und uns darüber zu unterhalten, was alles seit der Herbstakademie passiert ist.

Morgens trafen wir uns vor dem Städel und frühstückten zuerst gemeinsam im Café des Museums. Den Erwartungen entsprechend war die Wiedersehensfreude groß.

Pünktlich um 10 Uhr begann dann der eigentliche Kollegtag, wobei wir zuerst von unseren Begleiterinnen in den Bereich des „Goldenen Zeitalters“ in den Niederlanden geführt wurden.

Das 17. Jahrhundert in den Niederlanden wird als solches bezeichnet, da es eine Epoche des Aufschwungs erlebte und demzufolge zu einer mächtigen Republik aufstieg. All dies konnten wir in den Gemälden erkennen, denn sie dienten der Repräsentation der Macht und der Fortschrittlichkeit der Niederlande.

Wir beschäftigten uns intensiv mit dem „Geographen“ von Jan Vermeer. Hierbei stellten wir fest, dass er wie ein weit gereister Mann erscheint, erkennbar an seinem japanischen Gewand und Orientteppich. Außerdem steht er bewegungslos und macht den Anschein, als sei ihm gerade ein erleuchtender Gedanke in den Sinn gekommen. Dies wird durch den einfallenden, hellen Lichtstrahl akzentuiert. Nach dieser Diskussion ist mir klargeworden, wie vielschichtig, faszinierend und bedeutsam ein genaues Auseinandersetzen mit dem Gemälde und Kunst allgemein sein kann. Dieser Eindruck wurde im Laufe des Tages immer wieder bestätigt.

Neben den theoretischen Teilen des Kollegtags bekamen wir auch die Möglichkeit, uns durch das Fabrizieren eines Objekts zu präsentieren. Innerhalb von zwanzig Minuten entstanden sehr viele ausdrucksstarke Objekte aus verschiedensten Materialien, die als Metaphern oder Symbole den einzigartigen Charakter eines jeden zeigten und vor allem sehr persönlich waren. Ein weiterer Beweis dafür, wie vertraut wir seit der Herbstakademie sind.

 

 

Nach einer erholsamen Mittagspause begaben wir uns in die Vasarely-Ausstellung. Vasarely war ein Künstler des 20. Jahrhunderts, dessen omnipräsente Werke ein System aus Formen und Farben darstellen. Vasarely vertrat die Überzeugung, dass Kunst für alle zugänglich sein sollte, weshalb er sehr viele Werke in kurzer Zeit schuf, woraufhin ein Vasarely für wenig Geld verkauft werden konnte. Diese Vision wollte er darüber hinaus mit Hilfe eines Computers noch effektiver gestalten, entschied sich zuletzt aber dagegen, da er der Auffassung war, dass Kunst nur von Menschen erschaffen werden sollte.

Aufgrund dieses Wissens führten wir zwei Debatten: die erste setzte sich mit computergenerierter Kunst im Gegensatz zu von Menschen geschaffener Kunst auseinander; in der anderen beschäftigten wir uns mit der Frage, ob und wie Kunst für alle zugänglich sein sollte. Zwar konnten wir, wie bei eigentlich allen Debatten, keine definitive Antwort auf die Ausgangsfragen finden, aber uns wurde die Komplexität dieser Fragestellungen bewusst und wir tauschten einige stichhaltige Argumente aus.

Impressionen durch Impressionisten

Daraufhin begaben wir uns zu den Gemälden der Impressionisten. Diese Künstler arbeiten viel mit dem Lichteinfall und führen den charakteristischen Pinselstrich, wobei sie kurze Momente, Impressionen, einfangen. Die Bilder des Impressionismus waren für viele von uns sehr schön und ästhetisch auf den ersten Blick. Wir lernten aber nach genauerer Betrachtung, dass die Künstler die Umstände ihrer Zeit hinterfragten, vor allem die Industrialisierung. Somit erkannten wir etwas Wichtiges: Um ein Kunstwerk zu verstehen und es wirklich wertzuschätzen, muss man sich länger damit befassen und den sozial-historischen Kontext ungefähr kennen.

Zuletzt setzten wir uns mit der Gegenwartskunst auseinander, die für uns meist schwer zu interpretieren war. Dennoch erkannten wir in den Gemälden, Skulpturen und Fotos Kritik und Darstellung wichtiger Themen unserer Zeit, etwa die moderne Landwirtschaft, Religionskritik, Depressionen und Stress in unserer Zeit. Auch hier wurde wieder deutlich, dass Hintergrundwissen eine entscheidende Rolle bei dem Verständnis und der Interpretation von Kunst spielt.

Erschöpft, aber zufrieden

Als der Tag zu Ende war, waren wir alle erschöpft, aber sehr zufrieden. Wir stellten während der Abschlussrunde beim Essen von leckeren Brownies fest, dass wir eine neue Affinität zur Gegenwartskunst entwickelt hatten, uns dieser Tag sehr gefallen sowie uns im besseren Verstehen von Kunst vorangebracht hat.

Insgesamt haben wir bei diesem Kollegtag verschiedene Facetten von Bildung durch Kunst kennengelernt und daran anschließend erkannten wir die Bedeutung von Museen, die uns viele Bereiche der Kunst näherbringen. Wir blicken jetzt alle mit viel Freude dem nächsten Kollegtag entgegen.

Text: Lena Schumacher und Sarah Gottwald, Fotos: Dominik Buschardt