24. September 2018

Kurz und klug: Wissen kompakt

von Jens-Ekkehard Bernerth

Geballtes Expertenwissen in 30 Minuten: Das ist "Kurz und klug", das neue Format der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Ein Mittagsgespräch mit Snack. In der ersten Veranstaltung trafen am Freitag 40 neugierige Gäste zur Mittagszeit in der Beletage des Polytechnikerhauses ein, um von Prof. Dr. Bernd Grünewald Fakten über das Bienensterben und die Folgen zu erfahren.

Foto: Oliver Beddies


"Bienensterben, Artenschwund, Bestäubernotstand: Ist unsere Ernährung in Gefahr?" lautete das Thema, über das der Neurobiologe und Leiter des Instituts für Bienenkunde in Oberursel 30 Minuten lang referierte. Ein komplexes, hochbrisantes Thema, schließlich haben die Auswirkungen des Bienensterbens  spürbare Folgen für unser Ökosystem.

Allerdings räumte der Experte gleich zu Beginn mit einem Mythos auf: Sterben die Bienen, stirbt nicht die Menschheit aus, da sie zu wenig zu essen habe. Dies habe weder Einstein gesagt - "der war schließlich ein intelligenter Mensch, der so etwas niemals sagen würde", noch seien die Bienen für den Großteil der menschlichen Ernährung verantwortlich. Diese Rolle habe vielmehr seit den Anfängen der Menschheit das Getreide inne, das keine Bienen zur Bestäubung brauche.

Dennoch seien die Bienen, die es seit etwa 100 Millionen Jahren auf der Erde gibt, für eine Nahrungswertschöpfungskette im Wert von 156 Milliarden Euro verantwortlich, so Grünewald. Krankheitserreger und Pestizide würden den Tieren zusetzen. Auch würde die Verringerung der Wild- und Honigbienenarten sich negativ auf die Pflanzenvielfalt auswirken. Bereits im 18. Jahrhundert hätten Biologen erkannt, dass Bienen und Blumen symbiotisch entstanden seien; eine Veränderung würde also nicht nur die Nahrungskette, sondern auch die Biodiversität beeinflussen.

Insgesamt sieht der Experte jedoch nicht das Bienensterben, sondern den Klimawandel als größte Herausforderung und Gefahr für den Menschen. So war beispielsweise der diesjährige heiße Sommer in Hessen dafür verantwortlich, dass 60 Prozent des Waldhonigs des Instituts aufgrund der verhärteten kristallinen Struktur vernichtet werden musste: "Das wäre für einen hauptberuflichen Imker durchaus fatal gewesen", so Grünewald. Auch sorgte die Hitze dafür, dass die Waben der Bienen innerhalb des Baus schmolzen. Auf eine Sache müssten sich Verbraucher jedoch einstellen, so Grünewald: auf steigende Nahrungsmittelpreise. Denn wenn es auf natürlichem Wege nicht mehr genügend Bienen für die Bestäubung gäbe, müssten die Bauern eigene Völker dafür anschaffen, was sich auf Sicht in erhöhten Preisen bemerkbar mache.

Um dem entgegenzuwirken, sieht der Professor nur einen Weg: Land und Kommunen müssen ihren CO2-Fußabdruck erheblich verringern, wie er im anschließenden Gespräch mit den Gästen erläuterte. Auch könne jeder selbst im Kleinen beginnen, zum einen die CO2-Emissionen zu verringern, zum anderen den Bienen eine bessere Überlebenschance zu sichern; etwa indem im Garten die Thuja-Hecke durch ein bienenfreundlicheres Gewächs getauscht und Blumen gepflanzt würden. Dann hätten die pelzigen Lebewesen eine wesentlich bessere Chance, der Welt erhalten zu bleiben.