07. Januar 2019

Leben im morgen: Ein digitalisierter Blick nach vorne

von unseren Gastautoren

Ob in der Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft, der Begriff "Digitalisierung" ist allgegenwärtig, und jeder von uns wird mit den Chancen und den Gefahren des digitalen Wandels konfrontiert.

Weihnachten 2000 erhielt ich meinen ersten Brockhaus. Insgesamt 15 Bände konzentriertes Wissen, auf das ich mein ganzes Leben lang zugreifen sollte. So die Vorstellung meiner Familie. Zehn Jahre später wanderten die 15 Bücher in den Keller und verstauben dort seitdem. Benötige ich heute schnell Informationen, schaue ich bei Google nach. Wie Millionen Menschen auf der Welt auch.

Unzählige solcher Anekdoten wurden durch den Aufstieg des Internets und die damit einhergehende Digitalisierung hervorgebracht. Ob sich der Digitalisierungsprozess auf seiner Höhe befindet? Wohl kaum! Wir befinden uns mitten im digitalen Wandel, und die kommenden 15 Jahre werden nicht weniger spannend als das vergangene Jahrzehnt. Sowohl die Verbesserung der Erhebung als auch die Auswertung von Informationen werden unser Leben weiter verändern.

Den nächsten großen Innovationsschub könnte die kommerzielle Nutzung von Satelliten bringen. Seit einigen Jahren steigt die Zahl solcher Satelliten im Orbit. In wenigen Jahren könnten sie uns mehrmals am Tag überfliegen und hochauflösende Bilder liefern. Veränderungen von Landschaft und Städten werden dann nahezu in Echtzeit bemerkt. Denkbar ist, dass Landwirte detaillierte Informationen über ihre bewirtschafteten Felder erhalten und Kommunen in Echtzeit über den Zustand auf ihren Straßen informiert werden.

Durch die Nutzung künstlicher Intelligenz kann der steigende Informationsfluss ausgewertet werden. Bereits Anfang dieses Jahres erkannte ein Computeralgorithmus in einer Studie der Stanford Universität in 95 Prozent der Fälle Hautkrebs, während Dermatologen nur in 87 Prozent der Diagnosen die Krankheit korrekt identifizierten konnten. In verschiedenen medizinischen Domänen, wie in der Radiologie, werden Computerprogramme Ärzte bei der Beurteilung von Aufnahmen unterstützen und dadurch Mitarbeiter entlasten und Fehldiagnosen reduzieren können.

Wie jede Veränderung birgt auch die Digitalisierung Risiken. Wenn künstliche Intelligenz in der Lage ist, in Echtzeit unangepasstes Verhalten zu erkennen, zum Beispiel bei regierungskritischen Demonstranten, besteht die Gefahr, dass das Individuum, dem die Digitalisierung nutzen soll, in seinem Verhalten eingeschränkt wird. Deshalb gilt es Technologien und Regeln zu entwickeln, die Persönlichkeitsrechte schützen und dem Menschen dienen.

Dieser Artikel stammt aus der Polytechnik 2/2018.

Über den Autor

Sascha Wilhelm war Stadtteil-Botschafter der zweiten Generation mit dem Projekt Sports & Fun Day in Bergen-Enkheim. Derzeit ist er Doktorand an der Frankfurter Goethe-Universität
im Bereich empirische Industrieökonomie.