23. März 2017

Mathe für kleine Asse: knobeln und rätseln bei der Forscherstunde

von unserer Gastautorin

Was tun, wenn Kinder im Mathematikunterricht unterfordert sind? Das Projekt Mathe für kleine Asse gibt darauf eine Antwort. Es fördert besonders mathematikbegabte und -interessierte Schülerinnen und Schüler und vermittelt ihnen Spaß an Zahlen, Formeln und problemlösendem Denken.

Im Februar 2016 war Mathe für kleine Asse eines von vier Projekten, die mit dem Polytechnik-Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ausgezeichnet wurden. Ende Februar 2017 fiel nun der Startschuss, um das Projekt auch in Frankfurt anzubieten.

Seitdem treffen sich die teilnehmenden Kinder, Drittklässler verschiedener Frankfurter Schulen, zu gemeinsamen Forscherstunden, und ihre Eltern ließen sich im Institut für Didaktik der Mathematik der Frankfurter Goethe-Universität über das Projekt informieren.

"Schüler sollen Spaß an  Mathematik haben", sagt Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Indem sie die Durchführung von Mathe für kleine Asse in Frankfurt ermöglicht, will die Stiftung dafür sorgen, dass sich mehr Kinder für Mathematik interessieren und sie in ihrer Vielseitigkeit kennenlernen. Denn: "Es sollte normal sein, in Mathe gut zu sein", so Prof. Dr. Matthias Ludwig, der geschäftsführende Direktor des Instituts für Didaktik der Mathematik und der Informatik an der Goethe-Universität. Daher freut er sich, mit seinem Institut Mathe für kleine Asse zu unterstützen.

Projekttransfer aus Münster nach Frankfurt

Das Konzept dafür stammt von Friedhelm Käpnick, Professor für Mathematikdidaktik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Er war damit 2016 der Drittplatzierte beim Polytechnik-Preis für die Didaktik der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Den Projekttransfer nach Frankfurt ermöglichen neben der Stiftung und der Goethe-Universität das Hessische Kultusministerium und die Adolf Messer Stiftung.

Die 25 teilnehmenden Drittklässler besuchen im zweiwöchigen Takt sogenannte Forscherstunden, in denen sie 90 Minuten lang unter der Anleitung von Mathematikstudenten und einem Mathematiklehrer knobeln, tüfteln und sich auf die Spur mathematischer Geheimnisse begeben. Dabei wird kein Schulstoff vorweggenommen, sondern dieser vertieft oder praktisch angewendet.

Betreuung durch die Mathematiker von morgen

Studenten der Goethe-Universität, die Mathematik auf Lehramt belegen, bereiten die Forscherstunden vor und führen sie mit durch. Die Leitung hat Steffen Burk übernommen, Mathematiklehrer am Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Flörsheim. "Die ersten Sitzungen waren sehr erfolgreich und auch die Rückmeldung der Kinder war positiv", so Burk. "Wir als Team sind mehr als zufrieden."

Zum Team gehört die Lehramtsstudentin Franziska Beek. Sie arbeitet neben dem Studium als U-Plus-Kraft (Aushilfslehrerin) und weiß aus eigener Erfahrung, dass Unterricht sehr anstrengend sein kann. Daher freut sie sich, dass sie bei dem Projekt mitwirken kann. "Es macht sehr viel Spaß, mit Kindern zu arbeiten, die wirklich Lust auf Mathematik haben", sagte sie.

Außer den zweiwöchigen Treffen wird es einmal im Halbjahr eine mathematische Exkursion geben. Die Kinder erkunden dann, ausgestattet mit Smartphones des Instituts, den Campus Bockenheim auf mathematische Weise und lösen dabei mithilfe von GPS und einer App Schätz-, Überschlag- und Problemlöseaufgaben.

Infoabend für die Eltern

Die erste Aktivität der kleinen Mathe-Asse bestand übrigens im Bearbeiten von Knobelstationen, die beim Informationsabend auch ihre Eltern ausprobieren durften. Manche Eltern rätselten selbst, andere ließen sich von ihren Kindern helfen. Beim Schätzen, etwa der Aufgabe, bei der man angeben sollte, wie viele Wasserkästen wohl in den Veranstaltungsraum passen, taten sich Kinder und Eltern auf der Suche nach Lösungsstrategien zusammen.

Fiona wiederum, eine der Teilnehmerinnen, zeigte ihrem Vater die Lösung eines Problems mit ausgeschnittenen Papierhäuschen. Auf jedem der Häuschen stand ein Familienname. Ein Arbeitsblatt stellte die Aufgabe, die Häuschen aufgrund von nur drei Informationen, wie beispielsweise "Familie Meier wohnt genau zwischen den Familien Pohl und Schulze", in die richtige, unbekannte Reihenfolge zu bringen.

Fionas Vater ist froh, dass seine Tochter bei dem Projekt mitmacht. "Es ist toll, dass es etwas für Kinder gibt, die im Unterricht unterfordert sind. Fiona ist ganz scharf darauf, zu den Forscherstunden zu gehen", sagt er.

"'Mathematik macht glücklich'", zitiert Professor Kaehlbrandt den Gießener Mathematiker Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher und ergänzt: "Nicht jeden vielleicht, aber offensichtlich die Kinder."

(Text: Astrid Heindel, Foto: Friedhelm Käpnick)