18. Juni 2019

Meine Zeitung: Musik, Diabolos und strahlende Gewinner bei der Zeitungsgala

von Jens-Ekkehard Bernerth

Rund 700 Schülerinnen und Schüler brachten am Montagmittag den Mozartsaal der Alten Oper zum Beben. Die Zeitungsgala zum Abschluss des Projekts Meine Zeitung war ein fröhlicher, lebendiger Festakt mit strahlenden Gewinnerinnen und Gewinnern.

Die stolzen Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen Meine-Zeitung-Jahrgangs, zusammen mit Stadträtin Sylvia Weber (hinten Mitte) und Ministerialrätin Brigitte Hirschler vom Hessischen Kultusministerium (links). Foto: Frankfurter Allgemeine Zeitung/Frank Röth


Wie sieht der Tagesablauf von Angela Merkel aus? Wie emotional ist die Politik - und wie hoch die Einflussnahme, auch in Hinblick auf Social Media? Und was hat es eigentlich mit dem Brexit auf sich? Dies waren die Themen der drei Langzeitarbeiten, die ganz besonders aus der Masse der hervorragenden Arbeiten herausstachen, welche im aktuellen Meine-Zeitung-Jahrgang eingereicht wurden.

Die Verfasserinnen, Yella Dahinden aus der 8a des Gymnasiums Riedberg, Annika Bartsch vom Kaiserin-Friedrich-Gymnasium sowie Elias Scholz Papazoglu, der Preisträger des Kreativ-Sonderpreises zum Thema Brexit vom Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, wurden dementsprechend mit tosendem Applaus auf der Bühne von Moderator Tim Frühling empfangen.

Politik als Siegerthema

Annika Bartsch beließ es bei der Anfertigung ihrer Mappe nicht dabei, sich die Informationen über die Reisen von Bundeskanzlerin Merkel aus der FAZ zu holen. Sie rief auch beim Bundespresseamt an, um aus diesem Wissen Karten der Termine des deutschen Staatsoberhaupts und Reiseberichte anzufertigen. Soviel Liebe zum Detail musste belohnt werden, weshalb die Siebtklässlerin zu Recht mit dem ersten Preis für die Jahrgänge sechs und sieben ausgezeichnet wurde. Die Jury lobte neben der Kreativität ganz besonders das hohe sprachliche Niveau der Schülerin, die zwar nicht unbedingt Bundeskanzlerin werden möchte, sich aber durchaus vorstellen kann, als Schülersprecherin aktiv zu werden.

Yella Dahindens Arbeit drehte sich ebenfalls um Politik. In ihrer Arbeit "Emotionalisierung und Einflussnahme in der Politik" analysierte die Achtklässlerin politische Debatten hinsichtlich der Emotionalität, und hatte auch keine Angst davor, ihre eigene Meinung in der Langzeitarbeit unterzubringen. Die Jury fand das Werk schlicht "herausragend", weshalb sie mit dem ersten Preis der Jahrgänge acht bis zehn prämiert wurde. Nachdem beide jungen Frauen ein Faible für die Berliner Politik haben, war ihr Preis entsprechend eine Reise ins Regierungsviertel der Bundeshauptstadt.

Themenvielfalt

Doch auch die übrigen prämierten Arbeiten – die allesamt im Rahmen der dreimonatigen Beschäftigung mit der Tageszeitung im Unterricht entstanden sind – begeisterten die Juroren. Es gab Beiträge zu den Themen "Natur und Wissenschaft", "Kinder und Jugendliche", "Politik in Europa" oder "Jüdisches Leben in Deutschland". Einen Sonderpreis erhielt das düstere Digitalprojekt "Doomsday Clock" von Andy Zhu vom Gymnasium Riedberg, der in seinem Video die gleichnamige Weltuntergangsuhr vorstellte und erläuterte, was darunter zu verstehen ist und wie es dazu kam. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der äußerst kreative und künstlerisch anspruchsvolle Film "Höchst motiviert" der Klasse 9 der IGS West. Beide Filme wurden nur mit den iPads der Digitalklassen umgesetzt, die für die Laufzeit des Projekts zur Verfügung gestellt werden.

Ein Team, ein Preis

Nicht fehlen durfte die Würdigung für die Lehrer. Generell muss festgehalten werden, dass sämtliche teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer mit Herzblut dabei sind und jedem einzelnen ein riesen Lob für das Engagement gebührt. Besonders herausragend waren in diesem Jahrgang jedoch Katharina Krauskopf, Alexandra Gehres, Jasmin Eisenhauer und Hendrik Eden vom Gymnasium Nord. Sie wurden mit dem Preis für „besonderes pädagogischen Engagement“ geehrt, nachdem sie im Team Wochenpläne erstellt, gemeinsame Projektziele erarbeitet und sogar das Schulcurriculum angepasst haben, damit das Projekt noch besser in den Lehrplan passt. „Ein wunderbares Vorbild, das zeigt, wie man das Zeitungsprojekt im Team fächerübergreifend sinnvoll in den Schulalltag einbetten kann“, lobte Laudatorin Sylvia Weber, Dezernentin für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt, die vier Lehrkräfte.

Musik und Diabolos

Künstlerisch umrahmt wurde die Zeitungsgala vom Frankfurter Schüler-Jazz-Ensemble, das unter Leitung von Sascha Wild und Peter Klohmann Stimmung in das Konzerthaus brachte. Rasant ging es bei der Darbietung von Chu Chuan Ho zu, auch bekannt als Diabolo-Chu. Der Tigerpalast-Artist, der bereits im Alter von elf Jahren anfing, mit den Diabolos zu trainieren, ließ teilweise bis zu drei Diabolos um die Wette rotieren und fliegen und begeisterte mit akrobatischen Figuren. Für seine Darbietung erntete er frenetischen Applaus.

Nach dem obligatorischen Abschlussbild mit allen Anwesenden endete eine muntere, lebendige und abwechslungsreiche Veranstaltung, die einmal mehr bewiesen hat, wie vielfältig die Interessen der Schülerinnen und Schüler sind - und wie wichtig es ist, die jungen Generationen an das Medium Tageszeitung heranzuführen und dafür zu begeistern. Wie Stadträtin Sylvia Weber in ihrem Grußwort  so treffend sagte: "Die Zeitung hat nach wie vor im Gegensatz zu den Internetmedien einen großen Vorteil - in puncto Glaubwürdigkeit und Qualität. Umso schöner, dass sie dies im Rahmen dieses Projekts beweisen kann." Dass mit dem Projekt ferner noch Lese- und Sprachkompetenzen vermittelt würden, zeichne Meine Zeitung besonders aus, so Weber weiter. Dies sei ein "wichtiger Beitrag für die Entwicklung der jungen Leute."

Über Meine Zeitung

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft führt Meine Zeitung – Frankfurter Schüler lesen die F.A.Z. seit 2007 in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung durch. Pädagogisch begleitet wird das Projekt von der Medienagentur mct. Bislang wurden im Rahmen von Meine Zeitung bereits 13.000 Schüler gefördert. Das Projekt richtet sich an Frankfurter Schüler der Klassen sechs bis zehn aller weiterführenden Schulformen. Sie erhalten während des dreimonatigen Zeitungsprojekts täglich die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) und nutzen sie im Unterricht als Unterrichtsmaterial. Ausgewählte Klassen erhalten zudem die digitale Version der Zeitung sowie Tablets, um damit zu arbeiten. Neben einem Klassenartikel fertigt jeder Schüler dabei eine sogenannte Langzeitarbeit zu einem Thema an. Dabei handelt es sich um eine Art Mappe, die aus Zeitungsartikeln, Bildern und eigenen Artikeln besteht. Die besten Arbeiten werden am Ende des Projekts im Rahmen der Zeitungsgala prämiert.