27. Februar 2017

Meine Zeitung: Wissenshappen beim Zeitungsfrühstück

von Jens-Ekkehard Bernerth

Viele gute Fragen hat die Klasse 8e der Bettinaschule im Westend Frankfurter-Allgemeine-Zeitung-Herausgeber Werner D'Inka und Stiftungs-Chef Professor Dr. Roland Kaehlbrandt beim Zeitungsfrühstück gestellt. Das Format ist fester Bestandteil des Projekts Meine Zeitung.


"Herzlich willkommen" prangt in großen Lettern auf der Tafel des lichtdurchfluteten Klassenzimmers im zweiten Stock der Bettinaschule. Unterhalb ist ein kleines Buffet mit belegten Brötchen, Saft und Wasser aufgebaut, für das sogar die guten Gläser aus dem Schrank geholt werden. Davor steht ein großer Sitzkreis, die Tische sind an die Seite geschoben. Es wartet schließlich besonderer Besuch in Person von Werner D'Inka und Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt auf die 27 Schülerinnen und Schüler, ihre Klassenlehrerin Frau Köhler und Schuldirektorin Elke Schinkel.

Das Zeitungsfrühstück ist die Chance der jugendlichen Nachwuchsjournalisten, den prominenten Gästen auf den Zahn zu fühlen, aber auch von ihren Recherchen für die persönliche Langzeitarbeit zu berichten und ihre Meinung zur Zeitung abzugeben. So erzählt Eintracht-Fan Jean, dass es in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (F.A.Z.) zur Zeit viel über seinen Club zu lesen gäbe; Mariella wundert sich, dass sie wenig Promiklatsch findet, dafür aber viel über "Leute wie Herrn Winterkorn", weshalb ihr Recherche-Fokus nun auf dem Reisebereich läge.

Das sprachliche Niveau der Zeitungsartikel wird ebenfalls thematisiert. Der allgemeine Tenor: Es handele sich um eine sehr anspruchsvolle Zeitung mit vielen "nicht so einfachen Worten, dafür aber vielen Fremdwörtern", die oft im Wörterbuch nachgeschlagen werden müssten. Doch schrecken die langen Artikel nicht ab: "Wenn mich ein Text interessiert, ist es gut, wenn er lang ist. Wie bei einer schönen Geschichte", betont ein Schüler mit leuchtenden Augen.

Stärkung der Medien- und Lesekompetenz

"Uns ist es wichtig, dass ihr euch mit Sprache auf sehr hohem Niveau beschäftigt, guten Journalismus kennenlernt und ein Gefühl dafür entwickelt. Unsere demokratische Gesellschaft braucht informierte junge Leute", erläutert Kaehlbrandt den Schülern die Intention hinter dem Projekt, das seit zehn Jahren an Frankfurter Schulen durchgeführt wird. D'Inka fügt hinzu: "Das ist unser Beitrag zur Medienkunde. Ihr sollt wissen, welche Aufgaben und welchen Nutzen eine Zeitung hat."

Zu diesem Zweck erhalten teilnehmende Schüler während des Projektzeitraums die F.A.Z. täglich in die Schule geliefert, auch damit sie ihre selbst ausgesuchte Langzeitarbeit bearbeiten können. Die besten Arbeiten werden im Juni bei der feierlichen Zeitungsgala in der Alten Oper prämiert. Zudem schreibt jede Klasse eine gemeinschaftliche Arbeit. Die 8e hat sich für das Thema "Gender" entschieden, nachdem viele andere Schulen ebenfalls über Kriminalität berichten wollten. 

Fragerunde mit Liebe zum Detail

Geduldig und ausführlich gehen die beiden Herren nach der Frühstückspause auf die Fragen der Teenager ein. Die Schüler wollen unter anderem wissen, ob es noch Paparazzi gibt, wie viel ein Journalist im Monat verdient, ob sich der Verlag auch gut um die Auslandskorrespondenten kümmert und warum die Zeitung so charakteristisch riecht, was laut D‘Inka an den verwendeten Harzen und Ölen in der Farbe liegt. Ferner wird erläutert, was eine Stiftung ist und warum es ein Fehler war, dass Nachrichten und Geschichten anfangs kostenlos im Internet angeboten wurden. D'Inka: "Jetzt wird versucht, die Zahnpasta wieder zurück in die Tube zu drücken."

Zwei Stunden später sind die Fragen gestellt und alle Brötchen verputzt. Es wird spannend, wie sich die 8e im Vergleich mit den übrigen 34 Klassen schlägt. Doch egal wie es ausgeht, bei vielen bleibt hoffentlich ein großer Hunger aufs Zeitunglesen bestehen.

Impressionen zur Veranstaltung finden Sie in unserer Mediathek.

Über Meine Zeitung

Meine Zeitung ist ein Bildungsprogramm, mit dem die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und die F.A.Z. gemeinsam seit 2007 die Medien- und Lesekompetenz in den Klassen 6 bis 10 stärken möchten.  Im Schuljahr 2016/2017 nehmen 893 Schüler aus 35 Klassen von 16 Frankfurter Schulen teil, unterstützt von 32 Lehrkräften. 

(Text & Foto: Jens-Ekkehard Bernerth)