30. März 2017

Musikwerkstatt: Ein Wochenende voller Musik

von unserer Gastautorin

Bandarbeit, Tanz und Gesang – bei der Musikwerkstatt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft haben Alumni und aktuelle Stipendiaten ein Wochenende lang gemeinsam musiziert, Beats produziert, Texte geschrieben, gesungen und getanzt. Das Ergebnis hat die Teilnehmer begeistert.

Musikwerkstatt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft (Bild: Philip Eichler)


Beat schallt durch den kleinen Raum der Frankfurter Musikschule in der Schirn, und erfüllt die vier Wände wie ein Herzschlag mit Leben. Florian Dostal sitzt vor einem Bildschirm und einem an ein Mischpult erinnerndes Gerät mit vielen unterschiedlich großen Knöpfen, Schaltern und Reglern. Daneben stehen eine Tastatur und zwei Lautsprecher. Aus der Mediathek des Computers sucht Florian Geräusche heraus und fügt sie in die Tonspuren ein, macht manches lauter, anderes leiser. Nach einem kurzen Probehören schüttelt er den Kopf. Er ist noch nicht zufrieden.

Der 28-jährige Florian ist ehemaliger Samstagsschüler. Er und 40 weitere ehemalige und aktive Stipendiaten der Stiftung Polytechnische Gesellschaft sind bei der Musikwerkstatt dabei, um in Workshops ihre musikalischen Fähigkeiten zu erproben und einzubringen, aber auch um mit anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen und alte Freunde wiederzusehen.

Im Vorfeld konnte zwischen zwei Bands, dem Chor, Modern Dance und einem Beat-, Rap- und Poetry-Workshop wählen. Florian hat schon vorher ein wenig Erfahrung im Produzieren von Beats gesammelt. Für ihn war klar, dass er  sein Wissen an diesem Wochenende beim Beat-Workshop vertiefen möchte.

Seine Gruppe ist ganz unterschiedlich wie die Musikwerkstatt selbst: Florian ist Fahrzeugsattler, Michael Bloeck  freier Künstler und ehemaliger StadtteilHistoriker, und die erst kürzlich verabschiedete BürgerAkademikerin Beatrix Müller-Mamerow arbeitet als Notar-Fachgehilfin. Beide sind einige Jahre älter als Florian. Aber genau darum geht es bei der Musikwerkstatt: Unterschiedliche Stipendiaten aus verschiedenen Jahrgängen zusammenzubringen, Ältere und Jüngere, StadtteilHistoriker und Samstagsschüler, StadtteilBotschafter und Diesterweg-Stipendiaten, BürgerAkademiker und MainCampus-Stipendiaten, die dann gemeinsam etwas erschaffen.

Unterschiedliche Stipendiaten, unterschiedliche Workshops, ein Gemeinschaftsprojekt

Erin Sullivan leitet den Beat-Bereich des dreiteiligen Workshops. Auch er ist ein ehemaliger Stipendiat der Stiftung, der bereits jahrelange Erfahrung bei der Beat-Produktion hat. "Der Grund-Beat besteht in der Regel aus vier mal vier Schlägen", hat er Florian und den anderen Teilnehmern zu Beginn des Workshops erklärt. Jetzt gilt es, den Grund-Beat anzureichern.

Um die passenden Töne und Sounds einzufügen, müssen sich Florian und seine Mitstreiter erst einmal über die Texte informieren, die über den Beat gelegt werden sollen. Im Nebenraum ist der zweite Teil der Gruppe, die Poetry-Slammer, schon fleißig dabei, unter Anleitung von Dirk Hülstrunk Texte zu verfassen. Suzanne Cadiou schreibt über ein Mohnfeld, das einem Bett gleicht, und Hubert Gloss hat einen Text verfasst, der gegen die Autoindustrie wettert.

Florian ist sofort klar, dass die Beats unterschiedlich klingen müssen. Er sucht nach Sounds, die sich wie ein Motor oder ein scharfes Bremsen anhören, und fügt noch einen Schrei ein. Für Suzannes Text soll es etwas ruhiger zugehen. Auf einem angeschlossenen Gerät, das Controller heißt, aber eher einem extrem kurzen Keyboard gleicht, erzeugt Florian eine kurze Melodie, die den Beat und den Text untermalen soll. Es braucht ein paar Anläufe, dann ist die Tonfolge aufgenommen. Er hat sichtlich Spaß an der Arbeit. "Das macht richtig süchtig", sagt er.

Der Tanz tanzt an

Zwischendurch kommt die Tanzgruppe unter der Leitung von Jason Jacobs vorbei. Ziel ist es nämlich, dass die einzelnen Gruppen am Ende des Wochenendes nicht nur das vorstellen, was sie alleine erarbeitet haben, sondern sich mit den anderen Workshops austauschen und ein Gemeinschaftsprojekt daraus machen. Florian spielt den Tänzern vor, was das Team bereits erarbeitet hat. Bei der Präsentation wollen die Tänzer sich zu den Beats und den Texten bewegen.

Nach der Mittagspause kommen Texter und Beat-Produzenten zusammen, um ihre Arbeit zu verbinden. Hubert und Suzanne sind zufrieden mit den ausgewählten Beats. Suzanne trägt ihren Text vor. Es klappt nicht so richtig, Rhythmus und Sprechgeschwindigkeit passen nicht zusammen. Florian drosselt die Geschwindigkeit des Beats. Zweiter Versuch. Es funktioniert besser. Nach ein paar weiteren Durchläufen hört sich Suzannes Text schon fast aufführungsreif an. Dann stoppt Florian die Zeit, die Suzanne und Hubert zum Sprechen brauchen, um zu wissen, wie lange der Beat später bei der Vorführung der Ergebnisse laufen muss.

Am Ende des Tages treffen sich alle Teilnehmer zu einer kurzen Feedback-Runde: "Der Tag ist richtig schnell verflogen“, sagt Florian. "Es hat Spaß gemacht, an den Beats zu arbeiten." Auch die anderen sind zufrieden.

Geniales Gesamtergebnis

Am Sonntag geht es nach einem kleinen Frühstück mit der Arbeit weiter. Die Teilnehmer verteilen sich auf ihre Räume, letzte Proben finden statt. Florian hilft Erin beim Abmischen der fertigen Beats, die Texter kommen noch einmal für eine gemeinsame Generalprobe dazu.

Dann ist es soweit.

Alle Teilnehmer versammeln sich, um in einer kleinen Aufführung ihre Ergebnisse zu präsentieren. Der Chor motiviert alle Anwesenden zu einer kurzen gemeinsamen Body-Percussion, bei der auch Florian mit Freude mitmacht. Im Anschluss spielt eine der beiden Bands, dann sind die Slam-Poeten dran. Florian muss zwar selbst nicht auf die Bühne, aufgeregt ist er trotzdem. "Ich habe richtig mitgefiebert. Ich war sehr gespannt, wie das Publikum auf unsere Arbeit reagiert", sagt er. Die Beats ertönen, Suzanne betritt die Bühne, spricht ihren Text, die Tänzer bewegen sich dazu. Dann ist Hubert dran. Nach ein paar Minuten ist der Rap-Teil vorbei und das Publikum applaudiert. Florian kann aufatmen. Jetzt kann er sich zurücklehnen und zuhören, wie die zweite Band mit Saxophon und Akkordeon den Raum mit einem Stück erfüllt, das die Musiker während des Workshops gemeinsam entwickelt haben.

Zum Abschluss kommen die Chorsänger noch einmal auf die Bühne, beide Bands und die Bandleiter, Nina Hacker und Gernot Dechert, begleiten das Stück gemeinsam musikalisch. Jason Jacobs und seine Tänzerinnen performen ihre Choreographie dazu. Florian ist begeistert vom Gesamtergebnis: "Es ist toll, dass so viele verschiedene Stipendiaten zusammengekommen sind und gemeinsam etwas so Geniales erarbeitet haben."

Bei der nächsten Musikwerkstatt will er auch wieder dabei sein. Zwar möchte er dann wieder im Rap, Beat und Poetry Workshop teilnehmen, kann sich aber sehr gut vorstellen, sich dann statt als Beat-Produzent auch mal im Texte-Schreiben zu versuchen.

Impressionen finden Sie in der Mediathek.

(Text: Astrid Heindel, Foto: Philip Eichler)