21. Oktober 2019

Polytechnik-Preis 2019: die Gewinner stehen fest

von Monika Röttele

Susanne Prediger, Fachdidaktikerin der Mathematik, gewinnt den Hauptpreis für ihr Konzept "SiMa – Sprachbildung im Mathematikunterricht".  Der von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ausgerufene Polytechnik-Preis wurde 2019 zum vierten Mal verliehen. Er vergibt 70.000 Euro an drei herausragende fachdidaktische Konzepte in der MINT-Bildung.

Foto: Dominik Buschardt


Zum diesjährigen Thema "Umgang mit Vielfalt in der MINT-Bildung" hat die Stiftung Polytechnische Gesellschaft vier Wissenschaftler für ihre fachdidaktischen Konzepte mit dem Polytechnik-Preis 2019 geehrt. In einer feierlichen Zeremonie im Festsaal des Jügelhauses der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wurde ihnen der deutschlandweit einzigartige Forschungspreis überreicht.

Platz 1 für Susanne Predigers "SiMa"

Mit ihrem Konzept „SiMa - Sprachbildung im Mathematikunterricht" überzeugte Susanne Prediger, Professorin am Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts der Technischen Universität Dortmund, die zehnköpfige Auswahlkommission des Polytechnik-Preises. Sie erhielt ein Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro. 

Die Herangehensweise dieses Konzepts zur sprachlichen Förderung von Schülern in heterogenen Lerngruppen sei Frau Prediger in herausragender Weise gelungen, so Prof. Dr. Bernd Ralle, Professor für Didaktik der Chemie an der Technischen Universität Dortmund und Vorsitzender der Auswahlkommission des Polytechnik-Preises. "Unterrichtssituationen, in denen Schüler und Schülerinnen aus vielen Nationalitäten, Kulturkreisen und somit auch mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen teilnehmen, sind für Lehrerinnen und Lehrer sehr herausfordernd." Gerade im Mathematikunterricht seien die verschiedenen Sprachstände der Schüler eine Schwierigkeit.

Im SiMa-Unterrichtskonzept erlernen Kinder der Sekundarstufe Strategien, um Texte gründlicher zu lesen und die enthaltenen Informationen richtig miteinander in Beziehung zu setzen. Insbesondere bei Textaufgaben sei dies eine typische Herausforderung für sprachlich schwache Schüler, so Prediger. Die Lehr- und Lernforscherin entwickelt und untersucht seit vielen Jahren den Einfluss der Sprachkompetenz auf das fachliche Lernen im Mathematikunterricht. Prediger sagte in ihrer Dankesrede, dass die Transferarbeit für die Praxis in der Wissenschaft lange im Abseits gestanden habe. „Ich bin sehr dankbar, dass die Stiftung einen Gegenpunkt setzt und sich für den Projekttransfer in die Praxis stark macht“, so Prediger.

 

Zweiter Platz für Annette Marohn

Für ihr Konzept "choice2learn und choice2explore" erhielt Prof. Dr. Annette Marohn, Geschäftsführende Direktorin am Institut für Didaktik der Chemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, den zweiten Preis und ein Preisgeld von 15.000 Euro. Den dritten Platz belegten Prof. Dr. Björn Risch, Professor für Chemiedidaktik an der Universität Koblenz-Landau, und Dr. Markus Scholz, Mitarbeiter an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, mit ihrem Konzept "Inklusive Bildungsangebote für heterogene Lerngruppen im Kontext Nachhaltigkeit". Das Preisgeld betrug 5.000 Euro.

Alle prämierten Projekte sind praktisch erprobt und auf ihre Wirksamkeit hin untersucht worden, sodass sie umgehend in die Frankfurter Schulen und Kindertagesstätten transferiert werden können. 

Der Vorstandvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, betont: "Die Förderung von Naturwissenschaften und Technik ist eine zentrale Aufgabe in unserem Land. Ohne sie ist kein Fortschritt, auch keine Bewältigung der vielen Anforderungen unserer aktuellen Umbruchzeit möglich. Das bestätigt erneut der aktuelle IQB-Bildungstrend. Und ohne fördernde Ansprache der vielen jungen Menschen unterschiedlichster Herkunft können wir ihr vielfältiges Potenzial nicht wecken." Der Polytechnik-Preis und seine Preisträger seien Ausdruck dieser Erkenntnis. Die Stiftung werde sich daher intensiv um den Transfer dieser vorbildlichen Modelle und Konzepte nach Frankfurt kümmern. 

Die beim letzten Polytechnik-Preis im Jahr 2016 prämierten Konzepte "KEMIE® – Kinder erleben mit ihren Eltern Chemie", "Mathe für kleine Asse" und "Vom Sehen zur Optik" wurden in Kooperation mit der Goethe-Universität und weiteren Partnern bereits erfolgreich in die Frankfurter Schullandschaft übertragen.

Weitere Informationen und eine Übersicht der fünf weiteren nominierten Konzepte finden Sie unter www.polytechnik-preis.de . In der Mediathek finden Sie die Dokumentation des Polytechnik-Preises 2019 (PDF), sowie eine Galerie mit den Impressionen des Abends. 

Die stolzen Gewinnerinnen und Gewinner: Prof. Dr. Annette Marohn, Prof. Dr. Susanne Prediger, Prof. Dr. Björn Risch, Dr. Markus Scholz. Foto: Dominik Buschardt.