01. Juni 2017

Potenziale, Talente, Vorbilder: Stiftung blickt auf das Jahr 2016 zurück

von Stephan Hübner

Der Vorstand der Stiftung Polytechnische Gesellschaft hat auf seiner Jahrespressekonferenz die Resultate und Ergebnisse des elften Stiftungsjahres 2016 sowie den neuen Tätigkeitsbericht "Talente finden und fördern" vorgestellt.

"Der Titel bezieht sich darauf, dass wir fortwährend Potenziale, Talente und Vorbilder entdecken, aktivieren und stärken. Damit fördern wir auch die Leistungsfähigkeit und den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. "Insgesamt haben wir in unserer Breiten- und Spitzenförderung bisher rund 50.000 Menschen in Frankfurt unterstützt, davon 1.600 Stipendiaten in acht Stipendienprogrammen."

Flüchtlingshilfe und Talentförderung: drei neue Projekte

Besonders hob Kaehlbrandt die drei neuen Projekte des Jahres 2016 hervor, die die Stiftung in den Bereichen Flüchtlingshilfe und Talentförderung angesetzt hat. Im Bereich Flüchtlingshilfe standen die Bildungsbedingungen für Flüchtlingskinder im Mittelpunkt. "Zuallererst heißt das: Deutsch, Deutsch und nochmal Deutsch", so Prof. Kaehlbrandt. "Aufbauend auf unseren Erfahrungen aus dem DeutschSommer, dem Sprach-Feriencamp für Drittklässler, entwickelten wir mit dem Frankfurter Dezernat für Integration und Bildung den ersten DeutschSommer-Standort für Flüchtlingskinder." Für den dreiwöchigen Kurs wählten Grundschulen 32 Kinder aus, ihre Eltern konnten am morgendlichen Elterncafé teilnehmen. So entstand ein Angebot für insgesamt rund 100 Personen – und am Ende spielten die Flüchtlingskinder auf Deutsch miteinander.

"Da in den Kindern viele Talente schlummern, blieben wir aber nicht bei dem neuen DeutschSommer-Standort stehen, sondern starteten im Oktober gemeinsam mit der Diakonie sowie mit Unterstützung der Linsenhoff-Stiftung und einer Frankfurter Mäzenin das Diesterweg-Projekt für Flüchtlingsfamilien in der Großunterkunft in Frankfurt-Bonames", berichtete Kaehlbrandt weiter. Es handelt sich dabei um ein einjähriges Bildungsprogramm für Flüchtlingsfamilien, an dem gegenwärtig elf Familien mit 60 Personen teilnehmen. Es baut auf dem bekannten Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern auf, das 2016 nach Berlin und Hanau ausgeweitet wurde.

Im Bereich der Persönlichkeitsbildung und Talentförderung startete ebenfalls im Oktober 2016 das Kolleg für junge Talente. "Als Teilnehmer nominierten 20 Frankfurter Schulen ihre vielseitigsten, talentiertesten und motiviertesten Schülerinnen und Schüler, richtige polytechnische Talente", erläuterte Prof. Kaehlbrandt. Die 14- bis 17-Jährigen erleben im Kolleg ein einjähriges Studium generale. Es umfasst Vertiefungsseminare zu Themen wie Physik (nachhaltige Energien), Philosophie (Moralphilosophie) oder Musik (elektronisches Musizieren), außerdem zwei Ferienakademien, in denen die Talente ihre Vision eines "Zukunftslandes (mehr...)" erarbeiten, sowie schließlich eine individuelle Begabungs- und Laufbahnberatung. "Mit dem Kolleg füllen wir eine Lücke in unserer bildungsbiographischen Förderkette", resümierte Kaehlbrandt, "denn es richtet sich an Jugendliche in der Pubertät." Die Kollegiaten lernten, ihre Talente zu pflegen und sich so zu organisieren, dass sie nichts vernachlässigen. Außerdem setze die Stiftung mit dem Kolleg bewusst einen Akzent im oberen Segment der Begabungen. Partner des Projekts sind die DZ-Bank-, die Erhard Kunert- und die Linsenhoff-Stiftung, ein Frankfurter Stifterehepaar und eine private Mäzenin.

Finanzen

Für diese und die übrigen gemeinnützigen Aktivitäten der Stiftung wurden im Jahr 2016 insgesamt 6,4 Millionen Euro aufgewendet. Damit hat die Stiftung in den elf Jahren ihres Bestehens 53 Millionen Euro in eigene operative oder Förderprojekte investiert. "Ferner konnten wir aufgrund einer zufriedenstellenden Rendite der Kapitalanlagen in Höhe von 3,8 % dem Eigenkapital der Stiftung 5,6 Millionen Euro zuführen", berichtete Finanzvorstand Johann-Peter Krommer. Das Stiftungsvermögen sei damit auf 426 Millionen Euro angewachsen. "Gemessen daran liegen wir auf Platz 16 unter den rund 20.000 deutschen Stiftungen", so Krommer. Ein Ergebnisvortrag von 4,4 Millionen Euro sichere, zusammen mit bereits gebildeten Rücklagen, den Stiftungsbetrieb deutlich über die nächsten zwölf Monate hinaus ab.

Schlaglichter auf die Projektarbeit 2016

Bildung

Zum zehnten Mal fand 2016 das Sprach-Feriencamp für Drittklässler, der DeutschSommer, statt. Insgesamt 187 Kinder aus 44 Grundschulen, so viele wie noch nie, fuhren in die dreiwöchigen "Ferien, die schlau machen" – nach Bad Orb, Schmitten und erstmals nach Wetzlar. Erstmals gab es auch einen innerstädtischen Standort für Kinder mit Fluchterfahrung. Am 8. Oktober wurde der DeutschSommer mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet (mehr...).

Eine Ausweitung erfuhr Der große Diktatwettbewerb, bei dem erstmals Teilnehmer aus Münster, Wiesbaden und dem Rhein-Pfalz-Kreis mitschrieben. Transferstimmung herrschte auch beim Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern, das den Sprung nach Hanau und Berlin schaffte. Am 4. November wurden im Beisein des hessischen Kultusministers Prof. Dr. R. Alexander Lorz die 32 Familien der fünften Frankfurter Stipendiatengeneration aufgenommen.

Wissenschaft und Technik

Am 16. Februar wurde zum dritten Mal der mit insgesamt 70.000 Euro dotierte Polytechnik-Preis für die Didaktik der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik vergeben. Die Ausschreibung war zum Thema "außerschulische Lernorte" erfolgt. Drei prämierte Projekte, "KEMIE – Kinder erleben mit ihren Eltern Chemie", "Vom Sehen zur Optik" und "Mathe für kleine Asse", werden nun in Frankfurter Bildungseinrichtungen implementiert.

Das Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Spitzennachwuchses an Frankfurter Hochschulen, MainCampus, nahm am 26. April seine sechste Stipendiatengeneration auf. Unter den 24 neuen Stipendiaten sind erstmals ein Wirtschaftswissenschaftler und ein Student der provadis-Hochschule.

Als vierte Frankfurter Schule bietet seit Herbst 2016 das Gymnasium Riedberg eine Junior-Ingenieur-Akademie an. Das selbstgewählte Schwerpunktthema ist "Orthopädiemechanik (mehr...)". 15 begabte Handwerker (mehr...) wurden in die achte Generation der Samstagsschule aufgenommen.

Kunst, Kultur und Pflege des kulturellen Erbes

Mit ungebrochenem Erfolg fortgesetzt wurden die konzertpädagogischen Projekte Sinfonik hautnah! im Großen Saal der Alten Oper und Sinfonik für Kindergärten. Sie erreichten fast 4.000 Frankfurter Kinder. In das Projekt ANKLANG – eine Schule des Hörens für Frankfurter Kinder wurden 22 neue Grundschüler aufgenommen, und das etablierte Förderprojekt Jazz und Improvisierte Musik in die Schule! beging mit einer jazzigen Feierstunde sein fünftes Jubiläum.

Im Bereich der Stadtkultur wurde die sechste Generation der StadtteilHistoriker ausgeschrieben. Zudem schaffte das Laienhistoriker-Stipendium den Sprung nach Wiesbaden. Für ihre Arbeit über den jüdischen Nachkriegsarchitekten Hermann Zvi Guttmann erhielt Dr. Alexandra Klei (mehr...) den Rosl-und-Paul-Arnsberg-Preis zur Erforschung des jüdischen Lebens in Frankfurt am Main, und Dr. des. David Schnur wurde mit dem erstmals vergebenen Arno-Lustiger-Förderpreis geehrt. Er hatte sich der Geschichte der Juden in Frankfurt und der Wetterau von den Anfängen bis um 1400 gewidmet.

Soziales, Karitatives, Humanitäres

Am Projekt Babylotse, das Familien rund um die Geburt ihres Kindes den Weg zu den passenden Angeboten Früher Hilfen ebnet, beteiligen sich mittlerweile sieben der acht Frankfurter Geburtskliniken.
In den Stadtteilen beendeten die 26 jungen StadtteilBotschafter der fünften Generation ihre Tätigkeit – in anderthalb Jahren (mehr...) brachten sie zum Beispiel ein Repair Café in Sachsenhausen, einen internationalen Jahrmarkt in Ginnheim und Kulturveranstaltungen im Nordend zum Laufen. Im fünften Jahrgang der BürgerAkademie vernetzen und informierten sich 23 verdiente Frankfurter aus unterschiedlichen Ehrenamtsorganisationen. Als neue Alfred-Grosser-Gastprofessorin für Bürgergesellschaftsforschung an der Goethe-Universität konnte im Winter 2016/2017 Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix (Paris) begrüßt werden.

Förderung Dritter

Die Stiftung unterstützte 87 Projekte aus der Frankfurter Stadtgesellschaft, darunter die Tanzplattform Rhein-Main, das Jüdische Museum und das Museum Judengasse sowie das naturwissenschaftliche Mitmachmuseum ExperiMINTa und die Koordinierungsstelle für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe Frankfurt hilft!.

(Text: Stephan M. Hübner)

Tätigkeitsbericht 2016

Den Tätigkeitsbericht 2016 finden Sie hier als PDF zum Download.