16. August 2017

Räuberhöhlen und Nächte unter Sternenhimmel

von Jens-Ekkehard Bernerth

Ganz im Zeichen von Räubern stand der diesjährige DeutschSommer. Das Leitmotiv der Lektüre "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren hat die jungen Teilnehmer zu kreativen Höchstleistungen motiviert, und der Besuch des Hessischen Kultusministers führte in Oberreifenberg zu großer Aufregung. Projektleiterin Monika Bremer von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft zieht eine positive Bilanz.

 

 

Räuber dominierten den DeutschSommer 2017 (Foto: Dominik Buschardt).


"Wir haben in diesem Jahr Ronja Räubertochter als DeutschSommer-Lektüre eingeführt, dementsprechend war alles auf Räuber ausgerichtet", berichtet DeutschSommer-Projektleiterin Monika Bremer. "Mit das Witzigste war ein Räuberessen, bei dem die Kinder mit den Händen und ohne Besteck essen durften. Also wirklich alles – Hühnchen, Salat. Anfangs waren die Kinder richtig skeptisch, dann aber sind die Dämme gebrochen."

Die Räuberthematik ließ die 161 Kinder in Oberreifenberg, Wetzlar und Bad Orb kreative Purzelbäume schlagen: "Es gab an allen Standorten selbstgedichtete Räuberlieder, die die Kinder zum Tagesabschluss abends zusammen gesungen haben. Die Melodie war zwar nicht immer richtig, aber es war trotzdem sehr bewegend", erinnert sich Monika Bremer lachend. "Das Basteln von Räuberutensilien wie Pfeil und Bogen oder Holzlöffeln war ebenfalls ein beliebter Zeitvertreib." Auch vor den Klassenzimmern machten die DeutschSommer-Räuber nicht Halt: "Die wurden flugs in Räuberhöhlen umgebaut, das fanden alle Beteiligten ganz toll."

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des hessischen Kultusministers, des "Chefs der Schulen", wie Prof. Dr. R. Alexander Lorz den Kindern angekündigt wurde. "Er hat eine eigene Eskorte von vier Kindern erhalten, die ihn dann herumgeführt und ihm 'ihren' DeutschSommer gezeigt haben", erzählt Bremer. "Ein Junge hat dabei zu ihm gesagt: 'Für mich siehst Du aus wie ein Präsident.'"

Strahlende Erfahrung

So manches DeutschSommer-Kind hat während der "Ferien, die schlau machen" nicht nur seine Deutschkenntnisse verbessert, sondern auch eine fürwahr funkelnde Erfahrung fürs Leben gemacht: "Manche Kinder haben bei der Nachtwanderung zum ersten Mal die Sterne gesehen. Sie haben das zuvor noch nie so wahrgenommen, und waren dann beeindruckt, dass da leuchtende Objekte am Himmel sind. Ein Pädagoge hat ihnen dann noch Sternbilder gezeigt, das hat sie total beeindruckt."

Neben den Sternen hat den Kindern auch so manch irdische Erfahrung großes Vergnügen bereitet, etwa das Lagerfeuer oder der Barfußpfad. "Viele Kinder kennen generell dieses Natur erleben gar nicht, das war eine komplett neue Erfahrung für sie", erläutert Monika Bremer. "Auf der Wegscheide hat eine Hausgemeinschaft unter freiem Himmel übernachtet. Das fanden die Kinder sensationell."

Pure Zufriedenheit

Viel Lob hat die Projektleiterin für die Betreuer parat: "Die Pädagogen finden den DeutschSommer super! Die neue Lektüre hat gute Wirkung gezeigt, das Räuberthema passte sehr gut zu dem ganzen Drumherum, dem Wald, den Wiesen, und das hat auch den Pädagogen sehr gefallen und viel Spaß gemacht. Sie haben insgesamt eine klasse Leistung im Lauf der drei Wochen gebracht."

Und auch bei den Kindern hat der DeutschSommer einen überaus positiven, nachhaltigen Eindruck hinterlassen. In Wetzlar beispielsweise haben drei Kinder beim Ausfüllen des F.A.Z.-Kinderfragebogens den DeutschSommer als das Schönste bezeichnet, was sie in letzter Zeit erlebt haben. Und einer der Jungen hat auf die Frage, was er mal werden wolle, geantwortet: "Wenn ich groß bin, möchte ich im DeutschSommer arbeiten."