09. Dezember 2016

Rosl und Paul Arnsberg-Preis und Arno Lustiger-Förderpreis: feierliche Verleihung

von Extern

Dr. Alexandra Klei ist für ihre Arbeit zum Thema "Jüdisches Bauen in Nachkriegsdeutschland: Der Architekt Hermann Zvi Guttmann“ mit dem Rosl und Paul Arnsberg-Preis 2016 ausgezeichnet worden.  Dr. des. David Schnur wurde für seine Arbeit "Geschichte der Juden in Frankfurt am Main und der Wetterau von den Anfängen bis um 1400" mit dem erstmals vergebenen Arno Lustiger-Förderpreis prämiert.

 


Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main ehrt herausragende Forschungen zur Geschichte des jüdischen Lebens in Frankfurt.

Dr. Alexandra Klei – seit 2014 assoziiertes Mitglied am Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg – beleuchtet mit ihrer Arbeit einen Zeitraum der jüdischen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der unter architekturhistorischen Aspekten bislang wenig erforscht worden ist.

Sie untersucht die Entstehung neuer Räume, die – so Klei – der Öffentlichkeit entzogen waren. In diesen Räumen kam nicht nur die Übergangssituation jüdischen Lebens im Nachkriegsdeutschland zum Ausdruck; sie entstanden auch in Reaktion auf die Schwierigkeiten der deutschen Öffentlichkeit im Umgang mit den jüdischen Überlebenden der Schoah.

Als einer der wenigen jüdischen Architekten, die in der Nachkriegszeit tätig waren, eröffnete Hermann Zvi Guttmann Anfang der 1950er-Jahre ein Architekturbüro in Frankfurt. Guttmann engagierte sich für die jüdische Gemeinde seiner Wahlheimat und verwirklichte eine Vielzahl an Bauprojekten sowohl in Frankfurt als auch in anderen deutschen Städten.

"Doppelter Beitrag zur Erforschung der jüdischen Geschichte Frankfurts"

"Frau Klei liefert mit ihrer Studie einen doppelten Beitrag zur Erforschung der jüdischen Geschichte Frankfurts. Neben den Bedingungen und Möglichkeiten, unter denen jüdische Architekten in der Bundesrepublik arbeiteten, beleuchtet sie am Beispiel des Wirkens von Guttmann die nach wie vor wenig erforschte Geschichte der jüdischen Gemeinde, die in Frankfurt nach der Schoah entstand“, so die Begründung der Jury unter Vorsitz von Dr. Mirjam Wenzel, der Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main.

Arno Lustiger-Förderpreis erstmals vergeben

Im Andenken an den Historiker und Publizisten Prof. Dr. Arno Lustiger, der ebenfalls maßgeblich zur Erforschung des jüdischen Lebens in Frankfurt beigetragen hat, ergänzt die Stiftung den Rosl und Paul Arnsberg-Preis im Jahr 2016 erstmals um den Arno Lustiger-Förderpreis.

Die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung wird für eine Dissertation oder ein Dissertationsvorhaben vergeben und geht in ihrem ersten Jahr an Dr. des. David Schnur für seine Arbeit "Geschichte der Juden in Frankfurt am Main und der Wetterau von den Anfängen bis um 1400".

14.000 Quellen

Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen: "Die Studie besticht durch die akribische Erschließung einer außergewöhnlich breiten Quellenlage zur mittelalterlichen jüdischen Geschichte. Dr. des. Schnur hat in circa fünfzig bundesdeutschen und internationalen Archiven und Bibliotheken etwa 14.000 relevante Quellen ermittelt, die noch nicht in die bisherig Standardliteratur eingeflossen waren. Seine Arbeit ermöglicht weiterführende Einsichten in die Sozial-, Wirtschafts- und Alltagsgeschichte der Jüdischen Gemeinde als Teil der allgemeinen Geschichte der Reichs- und Messestadt Frankfurt am Main. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei der ausgezeichneten Arbeit um ein zukünftiges Standardwerk zur Geschichte des spätmittelalterlichen Judentums in Frankfurt handelt."

"Rosl und Paul Arnsberg, denen zu Ehren der Preis gestiftet wurde, stehen in vorbildlicher Weise für die Vergegenwärtigung des jüdischen Erbes Frankfurts", betonte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. Unermüdlich habe Paul Arnsberg (1899-1978) Forschungen über die Rolle der Juden in Frankfurt und Hessen angestellt und dazu Standardwerke verfasst. Seine Frau Rosl (1908-2010) unterstützte ihn dabei nachhaltig. "Jüdische Bürger haben traditionell eine herausragende Rolle bei der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung in Frankfurt gespielt, das Mäzenatentum geprägt und den Fortschritt der Stadt gefördert", so Kaehlbrandt weiter. Das Bewusstsein dafür zu schärfen und die Kenntnis darüber zu mehren, sei der Zweck des Preises, der 2016 zum fünften Mal vergeben worden ist.

Auf Anregung von Prof. Dr. Arno Lustiger (1924-2012) wurde er anlässlich des 100. Geburtstags von Rosl Arnsberg 2008 gestiftet und seitdem alle zwei Jahre vergeben.

Die Jury im Jahr 2016:

  • Dr. Mirjam Wenzel (Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Vorsitz)
  • Dr. Gad Arnsberg (Historiker, Ramat Gan)
  • Dr. Evelyn Brockhoff (Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt am Main)
  • Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft)
  • Walther von Wietzlow (Präsident der Polytechnischen Gesellschaft e. V.).

Die Galerie mit Bildern der Veranstaltung finden Sie in unserer Mediathek