03. April 2017

Samstagsschule: Die neunte Generation legt los

von unserer Gastautorin

Eine neue Generation Samstagsschüler wurde am 29. März feierlich in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main aufgenommen. Es ist bereits der neunte Jahrgang des Kooperationsprojekts der Handwerkskammer und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Die sieben jungen Frauen und acht Männer - drei Maßschneiderinnen, zwei Raumausstatterinnen, zwei Anlagenmechaniker, ein Maler, eine Zahntechnikerin, eine Imkerin, ein Straßenbauer, ein Tischler, ein Kfz-Mechatroniker und ein Karosserie- und Fahrzeugmechaniker - werden in den kommenden Monaten in sechs ein- bis zweitägigen Seminaren erfahren, was es heißt, in einer Führungsposition zu arbeiten.

Ihnen werden kommunikative und rhetorische Fähigkeiten für den Umgang mit Kunden und Mitarbeitern sowie Kenntnisse der Betriebswirtschaftslehre vermittelt. Außerdem steht ein Praxisbesuch an, bei dem die Samstagsschüler einen Einblick in erfolgreiche Unternehmen in Frankfurt und der Region erhalten. Die Seminare sollen die jungen Handwerker motivieren, eine Führungsposition anzustreben, einen Meisterbrief zu erlangen oder selbst einen Betrieb zu gründen.

Vorbereitung auf die Selbstständigkeit

Das Ziel des eigenen Unternehmens verfolgt Stefanie Ludewig. Sie ist 23 Jahre alt und arbeitet als Tierwirtin mit Fachrichtung Bienenhaltung, kurz: Imkerin, am Institut für Bienenkunde in Oberursel, das, wie die Stiftung, eine Tochter der Polytechnischen Gesellschaft ist. Im kommenden Jahr möchte sie die Meisterausbildung beginnen und nach dem erfolgreichen Abschluss am Institut tätig sein. Langfristig plant sie, sich selbstständig zu machen. Von der Samstagsschule erhofft sie sich, betriebswirtschaftliche Grundlagen zu erwerben und ihre kommunikativen Fähigkeiten zu erweitern. "Im Institut habe ich kaum Kontakt zu den Kunden, aber wenn ich einen eigenen Betrieb gründe, muss ich mit den Kunden kommunizieren können und wissen, wie man für sich selbst Werbung macht", sagte sie.

Vermitteln von Führungsqualitäten

Der Anlagenmechaniker Christopher Brandt hat die Meisterprüfung bereits abgelegt. Dennoch freut er sich über die Möglichkeit, an der Samstagsschule teilzunehmen: "In der Berufsausbildung habe ich kaum etwas über Führungsqualitäten gelernt." Diese Wissenslücken möchte er nun in der Samstagsschule schließen. "Ich möchte mit meinen Kollegen und den Kunden richtig umgehen können."

"Die Qualität des deutschen Handwerks ist sehr hoch, dank der dualen Ausbildung. Das ist ein großes Plus für Deutschland", sagte Dr. Christof Riess, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. "In den vergangenen Jahrgängen konnten wir beobachten, dass aus schüchternen Menschen selbstbewusste und engagierte Handwerker geworden sind."

Zu den Ehemaligen gehört der Informationselektroniker Jan Arnold. "Das Umfeld von jungen und motivierten Leuten stärkt auch die eigene Entscheidung, den Schritt zum Meister zu machen", berichtete er. Bis zum Ende des Jahres werden die Samstagsschüler die Seminare besuchen. Ihre Fähigkeiten wenden sie in einem Abschlussprojekt dann praktisch an, bevor sie im Dezember feierlich aus der Förderung entlassen werden und ihre Zertifikate erhalten.

Mit der symbolischen Übergabe des Staffelstabs wurde die neunte Generation auf ihren Weg geschickt, an dessen Ende hoffentlich viel Wissen und Selbstsicherheit auf die 15 jungen Handwerkerinnen und Handwerker wartet.

(Text: Astrid Heindel, Foto: Stefan Krutsch)