12. Dezember 2017

Samstagsschule: Schuljahr der besonderen Art

von unseren Gastautoren

Was vor 200 Jahren als Sonntagsschule begann, feiert 2017 als Samstagsschule für begabte Handwerker Jubiläum. Die Samstagsschüler Isabella Krupp, Simone Fechter und Lukas Macht berichten von ihren Erlebnissen während der diesjährigen Ausgabe des Programms der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, und was sie durch die Samstagsschule gelernt haben.

Die Autorinnen und der Autor dieses Beitrags bei der feierlichen Abschlussveranstaltung im Römer: Isabella Krupp, Lukas Macht und Simone Fechter (v. l. n. r.). Foto: Felix Wachendörfer


Der Frühlingsanfang läutete auch unsere Zeit in der Samstagsschule ein: In der Frankfurter Handwerkskammer lernten sich die Neu-Stipendiaten kennen. Wir waren auch ein Teil davon. Wir, das sind Isabella Krupp, Simone Fechter und Lukas Macht.

Das Seminar "Teamentwicklung und Führung" ist mir, Isabella Krupp, besonders im Gedächtnis geblieben; nicht nur, weil es das Erste war. Es hat mir spielerisch Alltagsprobleme verdeutlicht und mir die dazu passende Lösung aufgezeigt. "Verbesserungsvorschläge sind keine Kritik!" habe ich jetzt immer im Hinterkopf, und "Ein Team ist nur so stark, wie sein schwächstes Mitglied!"

Die Abschlusswerkstatt am Ende hat uns die Möglichkeit gegeben, eigene Ideen zu entwickeln und realitätsnah zu verwirklichen. Zukünftig möchte ich die Arbeit als Führungsperson zu meinem beruflichen Ziel machen, denn ich habe durch die Samstagsschule festgestellt, dass in mir eine kompetente Führungskraft schlummert.

Inspirationen vor Ort

Zum zweiten Seminar "Aus der Praxis lernen – Betriebsbesuche in der Region" traf ich, Simone Fechter, mich mit meinen Samstagsschulkolleginnen und -kollegen bei bestem Wetter im Mai in Oberursel. Eine Tour durch verschiedene Handwerksbetriebe stand an. Wir starteten den Tag mit der Besichtigung eines Heizungs- und Klimatechnikbetriebs, es folgte ein Metallverarbeitungsunternehmen und zum Schluss ging es nach Bad Homburg zu einem Hörgeräteakustiker. 

 Blockheizkraftwerke, Heizen mit Biomasse oder Holzpellets sowie die Installation geeigneter Belüftungseinrichtungen waren nur einige der spannenden Themen, die wir dort kennen lernen durften. Im Metallverarbeitungsunternehmen erfuhren wir, wie sich die Firma von einem kleinen Schlossereibetrieb zu einem modernen Dienstleistung- und Fertigungsbetrieb mit 3D-Druckern und CNC-Fräsen entwickelt hat.

Der Hörgeräteakustiker brachte uns sein durchdachtes Ladengeschäft und sein Firmenkonzept näher; nicht ohne Grund gewann er 2016 auch den Hessischen Gründerpreis. Mit diesen spannenden und innovativen Eindrücken waren wir perfekt für das zwei Wochen später folgende Seminar gerüstet. Hier haben wir uns mit vielen zukünftigen Trends und Möglichkeiten im Handwerk beschäftigt. All das hat mir für meinen weiteren Berufsweg viele faszinierende Zukunftsvisionen aufgezeigt. 

Abschlusspräsentation als i-Tüpfelchen

Im September ging es für mich, Lukas Macht, und die übrigen Samstagsschüler mit den Vorbereitungen auf die Abschlusspräsentation los. Es waren viele verschiedene Produktideen dabei, von der schlauen Datenbrille bis zum Ergonomischen Werkzeug. An zwei Projekttagen hatte jede Kleingruppe die Möglichkeit ihren Prototypen zu bauen und die Präsentation vorzubereiten. Äußerst hilfreich für mich waren unsere Seminarleiter, die als Ansprechpartner fungierten. Doch damit war die Präsentation noch nicht vollendet, denn an mehreren Tagen haben wir uns noch nach Feierabend in den Projektgruppen getroffen, um der Vorstellung unserer Firma und unseres Produkts den letzten Schliff zu geben.

Es war beeindruckend, die Begeisterung und die Opferbereitschaft meiner Kollegen zu sehen, was sich letztendlich mehr als bezahlt gemacht hat. Denn so konnten wir, die Samstagsschüler 2017, vier grandios ausgearbeitete Präsentationen vor Verwandten, Vertretern aus den Betrieben und hohen Persönlichkeiten aus dem Handwerk halten. Für die Zukunft bin ich hervorragend informiert über Selbstständigkeit im Handwerk und das eigene Auftreten und schaue jetzt viel motivierter in meine berufliche Zukunft.

Text: Isabella Krupp, Simone Fechter und Lukas Macht

Über die Samstagsschule für begabte Handwerker

Bereits 1817 setzte sich die Polytechnische Gesellschaft mit der Freien Sonntagsschule für Handwerker für die Qualifizierung im Handwerk ein. Seit dem Jahr 2009 knüpfen die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main mit der Samstagsschule für begabte Handwerker an diese Tradition an. Mit dem einen Unterschied, dass heute andere Fächer als Schönschrift oder Rechnen auf dem Programm stehen.

Die Auswahl der Teilnehmer trifft die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, in deren Händen auch die Projektkoordination liegt, gemeinsam mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die Stiftung übernimmt mit Unterstützung der Marga Coing-Stiftung die Kosten für das Seminarprogramm. 2017 erfolgte der Projekttransfer nach Darmstadt, dort wird das Programm von der Dotter-Stiftung in Kooperation mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main durchgeführt.

Über die Autoren

Isabella Krupp ist gelernte Raumausstatterin. Sie arbeitet im Staatstheater Wiesbaden als Theaterdekorateurin. In diesem Beruf ist viel Kreativität und handwerkliches Geschick gefragt, was sie in ihrem zukünftigen Beruf unbedingt ausüben wollte.

Simone Fechter ist Maßschneiderin am Stadttheater Gießen. Nähen war schon immer ihre Leidenschaft.

Lukas Macht ist ausgebildeter Informationselektroniker.