10. August 2021.

Sommer, Sonne, Diesterweg

von Elisabeth Brachmann

Spiel und Spaß waren bei den Sommerspielen des Diesterweg-Stipen­diums garantiert. Das offene Spieleangebot wurde in den Sommerferien erstmals durchgeführt. Die Diesterweg-Stipendiatinnen, -Stipendiaten und ihre Geschwister waren mit Freude und Ehrgeiz dabei.

Fanden 2021 zum ersten Mal statt: Die Sommerspiele des Diesterweg-Stipendiums. Foto: Philip Eichler


Es ist der vierte Tag der Diesterweg-Sommerspiele. Einige Kinder wurden von ihren Eltern schon früh am Morgen zum Gelände der Sportjugend Frankfurt gebracht, andere treffen erst zur Frühstückszeit um 10 Uhr ein. In jedem Fall heißt es zum Start in den Tag erst einmal: Kräfte sammeln. Denn vor den Diesterweg-Stipendiatinnen, -Stipendiaten und ihren Geschwistern liegt ein weiterer Tag voller Spaß und Spiele. 

Die Idee für ein Ferienprogramm sei ganz natürlich gewachsen, so Beate Moran, Projektleiterin des Diesterweg-Stipendiums der Stiftung Polytechnische Gesellschaft: "Es sind Sommerferien, viele Familien können in diesem Jahr nicht verreisen und so ergriffen wir die Möglichkeit, ein ganz neuartiges Ferienangebot für unsere Diesterweg-Familien auf die Beine zu stellen." Detlef "Charly" Braun und Jago Lehmann stellen das Konzept und die Spielgeräte für die Sommerspiele zur Verfügung: Sie haben das Gelände zu einer "computerspiel-freien Zone" erklärt. Von Tag zu Tag leiten sie die Kinder an den verschiedenen Spielestationen an und stehen ihnen mit hilfreichen Tipps zur Seite. Als zertifizierte "Mind Do"-Trainer wählen sie altersgerechte Spiele aus, die logisches und räumliches Denken, Motorik, Gedächtnis, Kreativität, Neugier, Kommunikationsfähigkeit und Durchhaltevermögen fördern.

Auch ein Veranstaltungsort war schnell gefunden: Petra Pressler ist Vorsitzende der Sportjugend Frankfurt und Bürger-Akademikerin der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Sie vermittelte das Gelände am Brentanobad für die Woche der Sommerspiele. Auf der großzügigen Rasenfläche ist viel Platz, damit sich die Kinder über Woche an den Spielgeräten ausprobieren können. Um die Neugier aufrechtzuerhalten, stehen von Tag zu Tag neue Aktivitäten auf dem Programm. Andere Spiele bleiben erhalten, damit die Kinder ihre Fähigkeiten verbessern können. "Das wird nie langweilig", findet Diesterweg-Stipendiat Abdurrafeh.

Foto: Philip Eichler

Teamwork und Beharrlichkeit führen zum Ziel

So konnte es also losgehen: Nach dem Frühstück schnappt sich Anshikha das erste Spiel des Tages: Mithilfe eines magnetischen Stabes muss sie versuchen, aus einer Menge verschiedenfarbiger Metallglöckchen die mit ihrer Farbe herauszuziehen. Dabei darf kein Glöckchen mit einer anderen Farbe am Stab hängenbleiben. "Das ist mein Lieblingsspiel!", strahlt Anshikha. Seit Anfang der Woche probiert sie sich an dem Spiel aus, mittlerweile ist sie ein Profi – genau wie ihre kleine Schwester Sanjhpreet, die auch an den Sommerspielen teilnimmt. Geschickt benutzen die beiden verschiedene Seiten des Magnetstabs, bewegen ihn mal schnell, mal vorsichtig und schaffen es so sogar, alle Glocken innerhalb eines Zuges aufzuheben. Kaum ist das geschafft, ruft Anshikha aufgeregt: "Ich will nochmal spielen!"

Mehrmals am Tag kommt die Gruppe in den Innenräumen des Vereins zusammen, um gemeinsam eine besonders knifflige Aufgabe zu lösen. Detlef "Charly" Braun und Jago Lehmann erklären die Aufgabe: Die Kinder sollen heute einen sogenannten Fröbelturm bauen. Jedes Kind hält ein Seil in der Hand, die Seile sind in der Mitte verbunden. Daran befestigt ist ein Haken, mit dessen Hilfe einzelne Holzklötze zu einem Turm zu stapeln sind – eine echte Herausforderung, die die Kommunikationsfähigkeit und Feinmotorik genauso wie das Durchhaltevermögen trainiert. Wie, das stellen die Diesterweg-Kinder unter Beweis. Gemeinsam nehmen sie Holzklotz nach Holzklotz auf, balancieren ihn und geben auch dann nicht auf, wenn ihnen ein Klotz hinfällt oder sie versehentlich den Turm umstoßen. Und ihre Beharrlichkeit zahlt sich aus: Immer genauer werden die Absprachen, und schließlich dröhnt ein lautes "Yay!!" aus Kinderstimmen durch den Raum. Gemeinsam haben sie es geschafft, den letzten Holzklotz abzusetzen und damit den Turm zu vervollständigen.

Foto: Philip Eichler

Von Tag zu Tag ein bisschen besser

Betreut werden die Kinder außerdem von Esther Bergweiler, Projektreferentin im Diesterweg-Stipendium, und Jonathan Vogt, den die Stipendiatinnen und Stipendiaten als Dozenten der Reihe "Weltwissen mit Jonathan" aus dem Stipendienprogramm kennen, sowie zwei Diesterweg-Alumni: Zhiying Ye nahm von 2012 bis 2014 selbst am Stipendium teil. Inzwischen besucht sie die 13. Klasse des Goethe-Gymnasiums in Frankfurt. Manal Bellabda ist Studentin der Sozialen Arbeit, ihr Bruder war ebenfalls von 2012 bis 2014 Diesterweg-Stipendiat.

Zum Ende der Sommerspiele blickt Beate Moran noch einmal auf den Anfang der Woche zurück: "Während der ersten drei Tage wurde viel motiviert, erklärt und angeleitet. In den letzten beiden Tagen wurden die Trainer und Betreuer häufig gerufen, damit sie die erworbenen Fertigkeiten im Jonglieren, Werfen, Balancieren bewundern." Wie zum Beispiel die Schwestern Poorvi und Shambavi, die immer besser darin werden, sich gegenseitig einen Jonglierstab zuzuwerfen, oder Wirawut, der sein Diabolo hoch in die Luft wirft und es gekonnt wieder auffängt. Am fünften und letzten Tag der Diesterweg-Sommerspiele haben auch die Diesterweg-Eltern die Gelegenheit, sich von den neuen Geschicken ihrer Kinder zu überzeugen – viele von ihnen treffen sich bei den Sommerspielen ebenfalls zum ersten Mal. "In der aktuellen Situation war es genau das richtige Angebot und die erste Möglichkeit, Stipendiaten und Geschwister persönlich näher kennenzulernen", so Moran, "Es war eine große Freude auf allen Seiten."

Mehr über das Diesterweg-Stipendium erfahren Sie auf der Projektseite.