22. April 2020.

Sprachbildung trotz Corona im digitalen Feriencamp

von Monika Röttele

In den Osterferien nahmen 32 Schülerinnen und Schüler mit Sprachförderbedarf von 11 Frankfurter Schulen für zwei Wochen erstmalig am digitalen Camp-Format "Fit für die Zukunft - Deutsch als Bildungssprache" teil. Via Smartphone und PC bereiteten sie sich auf ihren Haupt- oder Realschulabschluss vor.

Ein Mädchen mit einem Tablet (Symbolfoto). Foto: Philip Eichler


Das Kooperationsprojekt des Hessischen Kultusministeriums, des Dezernats für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft wurde vom Frankfurter Sozialunternehmen ZuBaKa (Abkürzung für Zukunftsbaukasten) umgesetzt. Das ursprünglich geplante analoge Osterferienprogramm wurde aufgrund der aktuellen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie innerhalb nur einer Woche in ein digitales Format überführt.

Für Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz ist ein gutes Deutsch das entscheidende Zugangstor zur einer erfolgreichen Bildungslaufbahn. "Nur wer seine Lehrer und Mitschüler versteht, kann dem Unterricht auch folgen. Je früher wir also mit der Förderung unserer Bildungssprache beginnen, desto größer sind auch die Chancen unsere Kinder, ihre Talente im Bildungssystem optimal entfalten zu können. Das Sprachfördercamp 'Fit für die Zukunft' trägt dazu bei. Und in diesem Jahr haben alle Beteiligten – in ganz besonderen Zeiten – ein ganz tolles innovatives digitales Format ins Leben gerufen."

Die Schülerinnen und Schüler, die am Kurs teilnahmen, stammen alle aus Intensivklassen von weiterführenden Schulen in Frankfurt oder sind vor kurzem erst in die Regelklassen gewechselt. In digitalen Lerneinheiten wurden sie unterstützt, sich auf ihren Haupt- oder Realschulabschluss und den Übergang in den Beruf vorzubereiten. "Mit dem Ferienangebot halfen wir denjenigen, die es aufgrund von fehlenden Sprachkenntnissen schwer haben, den Schulabschluss gut zu bestehen", sagt die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber. "Zu schon bestehenden sprachlichen Defiziten kommen die Probleme der letzten Wochen im Homeschooling, fehlende Hardware und vor allem mangelnde Unterstützungsmöglichkeiten Zuhause hinzu. Hier müssen wir gegensteuern und dürfen die Kinder und Jugendlichen nicht alleine lassen."

Intensive Übungen im Prüfungsfach Deutsch

Thematische Schwerpunkte des Camps waren vor allem intensive Übungen im Prüfungsfach Deutsch. Nachmittags erfuhren die Teilnehmer dann Interessantes zu Bewerbungsverfahren und Berufseinstieg, zudem ging es um Lernstrategien und die Stärkung des Selbstbewusstseins. Jeweils ein pädagogisch geschulter studentischer Betreuer, ein sogenannter „ZuBaKa-Scout“, begleitete eine Lerngruppe von fünf Schülern zwischen 14 und 18 Jahren, die sich mittels eines Gruppenchats über das Kommunikationstool "Signal" austauschten. Dort erhielten die Jugendlichen täglich entsprechend ihres Lern- und Sprachniveaus Materialien mit Aufgabenstellungen. Dabei wurde auf ein Konzept zur Sprachförderung der ibbw-consult GmbH, einem Institut für berufsbezogene Beratung und Weiterbildung, zurückgegriffen. 

Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, betont: "Sprachförderung ist ein Kernelement unserer operativen Stiftungsarbeit. Denn wir sind überzeugt, dass gesellschaftliche Teilhabe und schulischer Erfolg nur dann gelingen, wenn sprachliche Hürden abgebaut werden. Das große Engagement der Feriencamp-Teilnehmer bestätigt uns darin und zeigt, wie dankbar solche Angebote aufgenommen werden."

Prüfungsvorbereitung digital

Die Camp-Teilnehmer bearbeiteten ihre Aufgaben eigenständig am heimischen Schreibtisch. Wer Unterstützung benötigte, konnte seinen ZuBaKa-Scout jederzeit im persönlichen Videochat ansprechen und Fragen stellen. Die Arbeitsergebnisse wurden per E-Mail dem Team von ZuBaKa eingereicht, dort korrigiert und den Schülerinnen und Schülern zurückgesandt. Anschließend besprachen die Camp-Betreuer per Videokonferenz oder Telefonat die kommentierten Ergebnisse mit den Teilnehmern. Das Projekt wurde täglich durch Befragungen der Schülerinnen und Schüler und der Lehrkräfte ausgewertet. Dabei standen insbesondere der individuelle Lernfortschritt, die jeweilige Lernsituation, die Lernmotivation sowie der Umgang mit den digitalen Medien im Fokus. Die gewonnen Erfahrungen sollen in mögliche zukünftige digitale Angebote einfließen.

“Wir sind begeistert, wie motiviert die Jugendlichen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen von zu Hause aus mitarbeiteten. Unsere Erwartungen mit Blick auf diese eher schwer erreichbare Zielgruppe wurden deutlich übertroffen”, so Anna Meister, Geschäftsführerin von ZuBaKa. Früh morgens gingen bereits Anrufe von Teilnehmenden ein, die nachfragten, wann es im Gruppenchat nun endlich losgehe, berichtet Meister.

Das digitale Feriencamp “Fit für die Zukunft - Deutsch als Bildungssprache” ist ein Gemeinschaftsprojekt des Hessischen Kultusministeriums, der Stadt Frankfurt, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und dem Sozialunternehmen ZuBaKa. Es wird zu gleichen Teilen von allen Projektpartnern finanziert.