08. Februar 2019

Stadtteil-Botschafter führen den Bundespräsidenten durch die "Neue Altstadt"

von Jens-Ekkehard Bernerth

Bei seinem stramm durchgetakteten Besuch in Frankfurt am Main ließ es sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nicht nehmen, die "Neue Altstadt" zu besuchen. Eine besondere Führung erhielten er und seine Frau Elke Büdenbender dabei von den ehemaligen Stadtteil-Botschaftern Vane Beglaryan und Moritz Wagner, die wiederum von Stadtteil-HistorikerDieter Wesp auf diesen besonderen Termin vorbereitet wurden.

Genossen sichtlich die Führung: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender, eingerahmt von Vane (links) und Moritz (rechts).


Der Frankfurt-Besuch des Bundespräsidenten stand ganz im Zeichen der Begegnung. Nachdem er zuvor unter anderem das "Mädchenbüro Milena" besucht und sich im Anschluss bei der Kaffeetafel die Sorgen und Gedanken von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern angehört hatte, traf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der finalen Führung durch die Altstadt mit Vane Beglaryan und Moritz Wagner zwei Abiturienten, die sich als Stadtteil-Botschafter vielfältig und sozial für den Zusammenhalt in Frankfurts Stadtteilen einsetzen. 

In der frühen Abenddämmerung besichtigte das Präsidentenpaar die "Neue Altstadt". Startpunkt war der Frankfurter Salon, von dort aus ging es durch den Innenhof "Hinter den Lämmchen" in die gleichnamige Straße, wo dem Bundespräsidenten die Rekonstruktion der Altstadt anschaulich erläutert wurde. Der Besuch der Hoechster Porzellanmanufaktur und das Haus der Tante Melber standen als nächstes auf dem Plan. Besagtes Haus ist in die Weltliteratur eingegangen, da es Goethe in seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" erwähnte und er dort auch als Kind zeitweise übernachtet hatte.

Ein kurzes Verweilen am Denkmal von Friedrich Stoltze musste natürlich ebenfalls sein. Stoltze prägte nicht nur die Frankfurter Liebesbekundung: "Es is kaa Stadt uff der weite Welt, Die so merr wie mei Frankfort gefällt, Un es will merr net in mein Kopp enei: Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“, sondern war auch ein überzeugter Demokrat, der im Alter von 16 Jahren am Hambacher Fest teilnahm und bis an sein Lebensende für demokratische Rechte kämpfte. Von dort aus führten Vane und Moritz den Bundespräsidenten und seine Frau in das "Rote Haus", einem Fachwerkkuriosum, das kein Erdgeschoss hat und auf drei Eichenholzsäulen steht. Hier wurde in vergangenen Zeiten den neugewählten und -gekrönten Herrschern ein Trank gereicht.

Die beiden letzten Stationen waren die Straße Markt und die Goldene Waage. Die Straße Markt hat eine besondere geschichtliche Bedeutung als historischer Krönungsweg von zehn Herrschern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die damit Frankfurt zur heimlichen Hauptstadt machten. Die Goldene Waage wiederum steht als Beispiel erfolgreicher Integration von Glaubensflüchtlingen in der liberalen Handelsstadt Frankfurt. Gleichzeitig ist die „Goldene Waage“ das einzige Gebäude der Neuen Altstadt, das auch im Inneren historisch rekonstruiert wird.

Um kurz nach fünf kam die Führung zu einem Ende. Der Bundespräsident und seine Frau zeigten sich beeindruckt von ihren jungen Stadtführern. Frau Büdenbender lobte: "Unglaublich, was ihr in diesem Alter zustande gebracht habt," und der Bundespräsident gab den Jugendlichen noch folgenden Ratschlag mit auf den Weg: "Das Leben ist immer das ,was man nicht geplant hat. Wichtig ist Offenheit für das, was am Wegesrand liegt - und zugreifen, wenn es passt!"