03. Februar 2020.

Stadtteil-Botschafter Marcel etabliert "Technik Café" für alle Generationen

von Karoline Leibfried

Für seinen Stadtteil Bergen-Enkheim hat Stadtteil-Botschafter Marcel Hauck ein Café etabliert, in dem er sich des Themas Medienkompetenz für alle Generationen annimmt. Wir sprachen mit ihm über die Idee zu seinem Projekt.

Foto: Philip Eichler


Marcel, Dein Technik Café für Jung und Alt im Jugendhaus in Bergen-Enkheim fand mittlerweile schon ein paar Mal statt. Wie kamst Du auf diese Idee für Dein Stadtteil-Botschafter-Projekt?

Ich habe viele Menschen in meinem Bekanntenkreis, die Probleme im Umgang mit Technik haben, die unterstütze ich dann immer sehr gerne. Und dann kam ich auf die Idee, dass ich ja noch viel mehr Menschen in meinem Stadtteil helfen und ihnen den Umgang mit Technik näherbringen könnte.

Warum möchtest Du Dich für Deinen Stadtteil engagieren?

Weil ich hier groß geworden bin. Bergen-Enkheim gehört zwar auch zu Frankfurt, ist aber wie ein kleines Dorf, da kennt jeder jeden. Ich wollte den Menschen dort auch mal etwas zurückgeben. 

Was können die Besucher Deines Technik Cafés erwarten?

Ich biete eine Art offene Stunde an, zu der jeder vorbeikommen kann, der ein Problem mit seinem mobilen Endgerät hat – also mit seinem Tablet, Smartphone oder Notebook –, um dort Fragen gemeinsam zu lösen. Anfangs habe ich Workshops  zu bestimmten Themen angeboten, wie beispielsweise "Sicheres Shopping im Netz zur Weihnachtszeit".

Was genau wird das Café – thematisch – seinen jungen Gästen bieten, was seinen älteren?

Für Senioren möchte ich zum Beispiel Hilfe und Beratung beim ersten Umgang mit eigenen neuen technischen Geräten anbieten, also eine allgemeine Einführung. Jugendlichen will ich zeigen, wie sie mit ihren Geräten noch produktiver arbeiten können. Die wissen natürlich, wie ein Smartphone funktioniert, kennen aber nicht alle Funktionen – viele spielen nur Spiele darauf, man kann aber ja so viel mehr damit machen; es zum Beispiel als Scanner benutzen, man kann Dokumente darauf ablegen und speichern. Weitere Themen werden unter anderem sein, wie man sicher im Internet surft oder wie man Fehlersuchen machen und Fehler beheben kann.

Sind diejenigen, die mit digitalen Geräten aufwachsen, bei deren Nutzung im Vorteil gegenüber Älteren, die den Umgang damit erst noch erlernen müssen?

Ja, weil man sich einfach ständig und selbstverständlich damit befasst, wenn man damit groß wird. Dann tut man sich leichter damit, diese Geräte zu bedienen und zu benutzen. Bei älteren Leuten ist oft die Angst groß, weil es einfach etwas Neues ist.

Willst Du deshalb das Café als Angebot speziell auch an die ältere Generation richten?

Ja. Mir ist es wichtig, dass auch die ältere Generation auf dem neuesten Stand der Technik ist und dass ältere Menschen durch die aktuellen technischen Entwicklungen nicht ausgeschlossen werden – dass sie zum Beispiel mit ihren Familien und Verwandten kommunizieren können und sicher im Netz unterwegs sind, ohne in irgendwelche Kostenfallen zu geraten.

Was, denkst Du, können die jungen Café-Besucher noch von den älteren lernen – und umgekehrt?

Wenn es zum Beispiel einen Fotografen gäbe, könnte der jemand Jüngerem zeigen, wie man mit einer alten Kamera umgeht – und jemand Jüngeres könnte dem Älteren dann zeigen, wie man mit dem Smartphone fotografieren kann. Vielleicht führt das dann zu einem Foto- oder Video-Workshop. So könnte man das für beide Seiten miteinander verbinden.

Mit Deinem Technik Café wirst Du quasi digitale (Allgemein-)Bildung betreiben. Was muss man Deiner Meinung nach können, um in der zunehmend technologisierten Welt von heute gut zurechtzukommen?

Heutzutage ist alles so schnelllebig, es gibt so viele Optionen. Man muss es schaffen, alles, was man nicht braucht, zu ignorieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Sonst wird man erschlagen von der ganzen Technik und davon, was man alles damit machen kann.

Du hast als Servicetechniker für Aufzüge täglich mit Technik zu tun. Inwiefern erleichtern Dir die Vorzüge der Digitalisierung Dein tägliches Arbeiten und Leben? Siehst Du auch Nachteile?

Bei mir als Servicetechniker für Aufzüge ist es so, dass ich ein Tablet habe, mit dem ich die Diagnose am Aufzug mache, mit dem ich meine Aufträge digital ausfülle, unterschreibe und sie dem Kunden zuschicke – ich mache einfach alles Mögliche über das Gerät. Mein Smartphone nutze ich als Kamera und um Ersatzteile im Internet zu suchen. Das hilft mir schon ziemlich. Aber wenn die Technik dann mal nicht funktioniert, ist man gleich ein bisschen aufgeschmissen, dann geht nämlich gar nichts mehr. Dann muss man die Handzettel rausholen und alles handschriftlich ausfüllen. Das ist dann sehr viel Arbeit.

Vielen Dank für das Gespräch.

Über das Programm

Marcel Hauck (24) ist Stadtteil-Botschafter der im Sommer 2019 gestarteten Generation VII. Als einer von insgesamt 15 Stipendiaten dieser Generation wird er sein Stadtteil-Projekt für Bergen-Enkheim innerhalb eines Jahres realisieren. Dabei wird er durch Mentoren der Stiftung Polytechnische Gesellschaft unterstützt. Seit zwölf Jahren unterstützt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit dem Stipendienprogramm junge Leute zwischen 15 und 27 Jahren dabei, ihre Ideen für Frankfurt in die Tat umzusetzen. 150 Stadtteil-Botschafter haben bisher in 117 Projekten in 35 Frankfurter Stadtteilen das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt, Menschen einander nähergebracht und dadurch zum Teil dauerhafte Einrichtungen in ihrem Stadtteil etabliert. Weitere Informationen unter www.stadtteil-botschafter.de.