23. November 2017

StadtteilBotschafter: Engagement trifft auf Geschwindigkeit

von Extern

Ein Generationentreffen der besonderen Art fand Anfang November beim sechsten Werk-Stadt-Tag der StadtteilBotschafter statt. Projekt-Alumnus Luca Neuperti berichtet über die Gedankenspiele der Botschafter mit den StadtteilHistorikern und BürgerAkademikern beim Engagements-Speed-Dating im Social-Impact-Lab.

Foto: Johanna Roos


"Was würdest Du tun, wenn Du Oberbürgermeister wärst?" Für fünf Minuten sprudeln die Ideen nur so aus unserer Vierergruppe heraus. Dann klingelt eine Glocke und die nächste Frage wird gestellt. Ich bin beim Engagements-Speed-Dating der StadtteilBotschafter. Der Name erinnert an die Methode des Datings, bei der sich immer zwei Personen gegenübersitzen und sich innerhalb eines knappen Zeitrahmens anhand von Leitfragen kennenlernen können, bis dann rotiert wird.

So ähnlich ist es auch hier, wenn doch ein wenig anders. Aber von vorne: Samstagmorgen sehe ich einige bekannte Gesichter im Social-Impact-Lab Frankfurt, aber vor allem blicken mir Unbekannte entgegen. Gerade deshalb bin ich hier; und sie auch. Es sind StadtteilBotschafter, Bürgerakademiker und StadtteilHistoriker. Wir teilen uns zum anfänglichen Kennenlernen selbstständig in Gruppen auf, jede Gruppe hat ein anderes Thema.

Zuerst geht es darum, wie wir angereist sind. Ich habe etwas Schwierigkeiten, mich zuzuordnen, denn ich bin mit dem Fahrrad zur Bushaltestelle gefahren, mit dem Bus zur S-Bahn Haltestelle von dort aus mit der S-Bahn weiter, um dann in die U-Bahn umzusteigen und zu Fuß zum Gebäude zu laufen. Ich ordne mich dann einfach in eine sich bildende ÖPNV Gruppe ein.

Die kommunikative Aufwärmübung erfüllt ihren Zweck, das soziale Eis ist gebrochen. Durch die eigenständige Gruppeneinteilung kommt man ins Gespräch und ist gewappnet für das eigentliche Speed-Dating.

Erste Station: Nachhaltigkeit

Dazu gesellen wir uns in thematisch vorsortierte Gruppen an Stehtischen. Meine erste Station ist mit dem Stichwort “Nachhaltigkeit” beschrieben. Mir blicken drei Menschen entgegen, die sich schnell mit mir einigen, erst nochmal einen Tee zu holen.

Dann geht es auch schon los: Zuerst die Frage, weshalb wir jeweils wohl an diesem Tisch gelandet sind. Fünf Minuten später eine zweite Frage und schließlich die erwähnte Frage nach dem Oberbürgermeisterposten.

Fünf Minuten sind nicht viel, und aufgrund der interessanten Fragen beziehungsweise aufgrund deren Beantwortung erfahre ich allerhand Wissenswertes über meine neuen Bekannten am Tisch. Die kurze Zeit sorgt für prägnantes Antworten und verhindert ein Festreden an bestimmten Themen.

Zweite Station: Stadtteile

Nach dieser ersten Runde und einer kurzen Pause geht es auch schon weiter mit Runde zwei. Dafür sind wir nun nach den Stadtteilen eingeteilt, aus denen wir kommen. Ich sitze an einem Tisch mit jemandem aus Sindlingen, aus Praunheim und aus Höchst. Spätestens die Frage, was es Aufregendes in unserem Stadtteil gibt, bringt mich etwas in Wortnot. Ich komme aus Zeilsheim. Nachdem ich mich dann doch an unser alljährliches Froschbrunnenfest erinnert und von einer wunderbaren Eisdiele erfahren habe, die ich in Sindlingen unbedingt mal besuchen muss, geht es auch schon wieder weiter.

Nach der dritten Runde mit anderer Konstellation und weiteren Fragen schwirren lauter Informationen, Thesen, Vernetzungsmöglichkeiten und Menschen in meinem Kopf herum. Das Speed-Dating hat so viele Themen angeschnitten, dass ich den dringenden Bedarf habe, mich in ein Thema hineinzubeißen. Zum Glück gibt es nun ein gemeinsames Mittagessen, bei dem ich mit zwei meiner Freunde und zwei meiner neuen Bekanntschaften mindestens so tief in meinen Teller Linsensuppe grabe, wie wir lebhaft über diverse politische Nischenthemen sprechen.

Ein Tag mit Konsequenzen

Danach helfe ich noch zwei StadtteilBotschaftern mit Informationen zum Erstellen einer Webseite und tausche mich mit ihnen weiter über Interessantes aus. Als ich mich ein paar Stunden später nach dem offenen Ende in meiner S-Bahn auf dem Weg zurück nach Zeilsheim mache und überlege, ob ich nicht vielleicht lieber in Sindlingen aussteigen und ein Eis essen sollte, lasse ich den Tag gedanklich Revue passieren.

Es hat eine Menge Spaß gemacht, war darüber hinaus aber auch sehr sinnvoll. Nun kenne ich noch mehr Engagierte aus der Stiftung und habe das Gefühl, dass diese “Familie” noch ein Stück enger zusammengewachsen ist. Auch konnte ich mein StadtteilBotschafter-Projekt, den DialogMarkt, vorstellen und habe im Gegenzug von anderen inspirierenden Ideen gehört. Und dank der neuen Bekanntschaften weiß ich jetzt genau, wen ich ansprechen muss, wenn ich eine SPD-Politikerin, einen Feuerwehrmann oder jemanden, der sich mit Graffiti auskennt, suche.

Text: Luca Neuperti