20. April 2018

StadtteilHistoriker: Wissenshappen in der Mittagspause

von Jens-Ekkehard Bernerth

Zum wiederholten Mal haben die StadtteilHistoriker auf der Hauptwache eine Freiluftausstellung aufgebaut. Schön gestaltete Info-Plakate vermitteln knackig-prägnant Informationshappen zur jüngeren und älteren Frankfurter Vergangenheit.

Ein blauer Himmel lacht über Frankfurt am Main. Die Sonne steht hoch über der St. Katharinen-Kirche, vor deren Toren die StadtteilHistoriker für knapp zwei Wochen ihre kleine Freiluftausstellung präsentieren.

Dort, wo im Winter Wurstbuden und Glühweinstände zum Schnabulieren einladen, warten spannende Informationen über die jüngere und ältere Frankfurter Vergangenheit auf die vorbeischlendernden Passanten. Immer wieder animieren die abwechslungsreichen Informationstafeln zum Lesen und Verweilen. Themen wie der Renn-Club Frankfurt, die Bürgerinitiative Aktionsgemeinschaft Westend, das Warenhaus der jüdischen Unternehmerfamilie Wronker auf der Zeil, Graffiti und Streetart in Bockenheim oder die Geschichte der Eschersheimer Landstraße locken Einheimische und Nichtfrankfurter vor die Tafeln.

Mario F. hat die Eschersheimer Landstraße in den Bann gezogen. Aus dem Augenwinkel hatte der Banker das für ihn persönliche Reizthema erspäht und sich neugierig dem Infoplakat zugewandt. "Die momentane Situation bei der Eschersheimer Landstraße ist ein riesiger Schwachsinn", echauffiert sich der Frankfurter, der seine Wurzeln in Münster hat. Die nächsten Minuten schimpft er munter und mit Leidenschaft über die Frankfurter Verkehrsführung, die Straßenplanung und die Verkehrssituation allgemein. Die Ausstellung gefalle ihm allerdings sehr: "Ich hätte ja fast Geschichte studiert," erzählt er. "Allerdings sollte man ja sein Hobby nicht zum Beruf machen, weshalb ich einen anderen Weg verfolgt habe. Aber mal sehen, wenn ich in vier Jahren in Rente bin, werde ich vielleicht Kunstgeschichte studieren - oder aber womöglich StadtteilHistoriker werden", lacht er.

"Für micht als Nicht-Frankfurterin ist das eine super Sache", lobt Paula S. Die Passauerin, die eine Freundin in der hessischen Mainmetropole besucht, begutachtet sehr interessiert die Stellwände. "Das ist ja so grauenhaft, was mit der armen Familie geschehen ist", seufzt die Niederbayerin angesichts des Schicksals der jüdischen Kaufmannsfamilie, in deren früheren Räumlichkeiten heute eine schwedische Modekette untergebracht ist. Von den StadtteilHistorikern hat sie im fernen Bayern noch nichts gehört. Ganz im Unterschied zu Dirk W. Der frühere Architekt, der gemütlich mit einer Stulle in der Hand die Infowände inspiziert, hat aus der Tageszeitung von der Ausstellung erfahren. "Die Ausstellung macht Appetit auf mehr", betont er, "mich würden bei einigen der hier dargestellten Forschungsschwerpunkte noch mehr Details interessieren." Zudem könnte er sich vorstellen, selbst als StadtteilHistoriker aktiv zu werden, etwa bei stadtgeschichtlich-architektonischen Themen.

Stadtgeschichte interessiert auch Rene H. aus dem Frankfurter Umland. "Ich finde den Wandel in einer Stadt super interessant, vor allem wenn das bildhaft illustriert ist," erläutert der 30-Jährige. "Früher hat mich das gar nicht interessiert, aber heute finde ich das immer spannender. Ist auch super, sowas in der Mittagspause als Wissenshappen serviert zu bekommen."

Vom 7. bis zum 19. April stand die Ausstellung vor der St. Katharinen-Kirche. "Die Ausstellung, die auf eine Initiative der Stipendiaten zurückgeht, macht die vielfältigen Recherchen der StadtteilHistoriker der Öffentlichkeit zugänglich“, erläutert StadtteilHistoriker-Projekleiterin Dr. Katharina Uhsadel der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. "Dieses Hineinwirken in die Stadtgesellschaft ist der Stiftung wichtig – und die Arbeit der ehrenamtlich tätigen StadtteilHistoriker erfährt damit eine breitere Würdigung."

Derzeit sucht die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Hobbyhistoriker für die neue Generation. Alle Details finden Sie hier