06. Juli 2017

Start in den DeutschSommer 2017

von Jens-Ekkehard Bernerth

191 Kinder sind bei schönstem Wetter in den Frankfurter DeutschSommer 2017 gestartet. Mit Bussen wurden die Kinder am Montagmorgen an die drei außerstädtischen Standorte in Bad Orb, Oberreifenberg und Wetzlar gebracht. Erstmals wird der DeutschSommer auch in Gießen angeboten.

Foto: Dominik Buschardt


Am ersten Tag stand das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund, zudem wurde das Gelände vor Ort erkundet. In den nächsten Tagen erwartet die 8-12-Jährigen ein buntes Programm aus Deutsch lernen, Theater und Freizeit.  

Ein Novum ist der DeutschSommer in Gießen. Bei einem Projektbesuch in der Jugendherberge Schmitten-Oberreifenberg, gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, sagte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz am heutigen Donnerstag: "Ich erlebe den DeutschSommer als ein Musterbeispiel dafür, wie nachhaltig Grundschüler im wichtigsten Fach Deutsch, aber auch hinsichtlich Selbstbewusstsein, Motivation und Lernbereitschaft gefördert werden können. Das, was in Frankfurt entstanden ist, ist mittlerweile so gereift, dass es an der Zeit ist, den DeutschSommer weiter auszudehnen. Diesen Prozess möchten wir fortan maßgeblich unterstützen und weitere Standorte in ganz Hessen ermöglichen.“

Gießen als erster neuer Standort

In einem ersten Schritt findet der DeutschSommer nun auch in Gießen statt, weitere Städte mit hohem Zuwandereranteil folgen im Jahr 2018. In der Vergangenheit hatten bereits Kassel, Hanau, Offenbach und Schwalbach am Taunus das Projekt übernommen und mit lokalen Trägernetzwerken umgesetzt. Mit Hilfe der finanziellen Förderung durch das Hessische Kultusministerium können mit dem Projekt nun noch mehr Kinder erreicht werden.

"Grundschüler, die Schwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache haben, bekommen im DeutschSommer die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse vor der versetzungsrelevanten vierten Klasse zu verbessern und dadurch für ihren weiteren Bildungsweg zu profitieren", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. "Wir freuen uns sehr, dass die Landesregierung den DeutschSommer als effektive Ergänzung des landesseitig gesicherten schulischen Gesamtsprachförderkonzepts ansieht."

Kultusminister Lorz betonte bei seinem Besuch: "Vor dem Hintergrund der seit dem Jahr 2014 über 38.000 neu aufgenommenen Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger ohne Deutschkenntnisse an hessischen Schulen ist eine effektive Zusammenarbeit von Stiftungen und des Landes von größerer Bedeutung denn je. Ich freue mich, dass mit dem DeutschSommer ein Programm entstanden ist, das die starken schulischen Bemühungen der Vermittlung von Bildungssprache auch in den Ferien unterstützt und dieses nun ausgebaut wird." 

48 Nationen beim Frankfurter DeutschSommer

In diesem Jahr nehmen Kinder aus 48 Nationen an dem Bildungsprogramm der Stiftung Polytechnische Gesellschaft teil, 26 Kinder haben Fluchterfahrung. 51 Pädagogen - davon 13 Deutsch als Zweitsprache-Lehrer, 13 Theaterpädagogen, 20 Sozialpädagogen sowie 5 Praktikanten kümmern sich in den nächsten drei Wochen um die Teilnehmer der "Ferien, die schlau machen". Die Drittklässler besuchen 43 Frankfurter Grundschulen, die sich über 26 Frankfurter Stadtteile verteilen.

DeutschSommer in der Stadt

30 Kinder erleben in der Textorschule in Sachsenhausen den "DeutschSommer in der Stadt", der ohne Übernachtung stattfindet. Dieser Standort ist in 2016 speziell für Schüler aus Frankfurter Intensivklassen, vornehmlich mit Fluchterfahrung, ins Leben gerufen worden. Das Dezernat für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt trägt die Kosten für die Umsetzung des Programms am innerstädtischen Standort.

Eine Neuerung ist in diesem Jahr die DeutschSommer-Lektüre. "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren wird ab jetzt die Lese- und Theatergrundlage im DeutschSommer sein. Alle Teilnehmer bekamen zum Start eine Ausgabe des Kinderliteraturklassikers geschenkt.

Der DeutschSommer findet 2017 zum elften Mal statt. Insgesamt wurden seit 2007 über 1.800 Kinder und deren Familien erreicht. 47 Frankfurter Grundschulen haben seit dem Start des Programms regelmäßig Kinder für den DeutschSommer nominiert.

Große Wirksamkeit

Im Rahmen der großen Generationenumfrage der Jahre 2007-2013 gaben 91 Prozent der befragten Schüler an, dass der DeutschSommer ihnen geholfen habe, sich sprachlich zu verbessern;  78 Prozent teilten mit, dass der DeutschSommer dazu beigetragen habe, sich in der Schule mehr anzustrengen, und 76 Prozent gaben an, dass der DeutschSommer sie beim Schulwechsel unterstützt habe. Bei 74 Prozent haben sich nach der Teilnahme die Schulnoten verbessert.

2016 wurde das Sprachförderprogramm mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet.

Starke Partner

Der DeutschSommer wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium, dem Staatlichen Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main, dem Dezernat für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt am Main, dem Stadtschulamt der Stadt Frankfurt am Main sowie dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main durchgeführt. Weitere Partner sind die Volkshochschule Frankfurt am Main, das Deutsche Jugendherbergswerk – Landesverband Hessen e.V., die Peter Fuld Stiftung, Stiftung CITYOEN, die Erhard Kunert-Stiftung, die DZ BANK Stiftung sowie die Rechtsanwalts- & Steuerberatungsgesellschaft Sterlepper.

Der Frankfurter DeutschSommer baut auf einem Pilotprojekt aus Bremen auf, das von der Jacobs Foundation initiiert wurde. Dank zahlreicher Partner in Kommunen außerhalb Frankfurts wird der DeutschSommer mittlerweile auch in Kassel, Münster, Hanau, Offenbach und Schwalbach am Taunus angeboten.