21. Oktober 2016

Startschuss für KEMIE!

von Stephan Hübner

An neun Samstagen will das Lehr- und Lernkonzept KEMIE Zehn- bis Dreizehnjährigen und ihren Eltern anhand alltagsnaher Experimente die Faszination der Chemie vermitteln. Das Konzept von Frau Prof. Sommer von der Ruhr-Universität wurde im Februar mit dem Polytechnik-Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ausgezeichnet. 

KEMIE will Zehn- bis Dreizehnjährigen und ihren Eltern die Faszination Chemie näherbringen (Foto: Jürgen Lecher).


"'KEMIE' steht für 'Kinder erleben mit ihren Eltern Chemie'", erklärt Dr. Wolfgang Eimer, Leiter des Bereichs Wissenschaft und Technik der Stiftung, das Konzept. "Einmal monatlich bis Schuljahresende gehen 10- bis 13-Jährige mit ihren Eltern ins Labor, experimentieren in Zweierteams und lernen dabei naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen kennen. Dieses Angebot für gemeinsames Experimentieren ist einzigartig in Frankfurt."

Die alltagsnahen Experimente drehen sich dabei immer um Lebensmittel, ihre Inhaltsstoffe und Konservierung: Wie bestimmt man den Zuckergehalt von Limonade? Wie unterscheidet man Honigsorten? Und wieso konserviert Salz Lebensmittel, etwa beim Pökeln? Insgesamt gibt es im aktuellen ersten Projektdurchlauf von KEMIE 38 Tandem-Plätze – die so stark nachgefragt waren, dass "sogar dreimal so viele hätten vergeben werden können", so Dr. Eimer.

Professionelle Laborbegleitung

"Unterstützt und begleitet werden die Tandems von Studierenden, Wissenschaftlern, Auszubildenden und Ausbildern", erläutert Chemiedidaktiker Prof. Dr. Arnim Lühken von der Goethe-Universität, und ergänzt: "KEMIE fördert die naturwissenschaftliche Bildung in einer familienpädagogischen Dimension, die in Schulen nicht leistbar ist."

Seiner Einschätzung nach werden die zahlreichen außerschulischen naturwissenschaftlichen Bildungsangebote im Raum Frankfurt durch das Projekt im Bereich der Chemie wertvoll ergänzt.

Begeisterung bei den Nachwuchs-Chemikern

Und was sagen die Teilnehmer? "Der Tag hat viel Spaß gemacht, und ich freue mich schon auf das Hausaufgabenexperiment, das ich mit meiner kleinen Schwester machen werde. Die kann dann beim nächsten Mal bei KEMIE auch mitmachen", meint Justus Stolze (10). Matteo Brack (11) und sein Vater Reinhard wiederum haben am eigenen Leib erfahren, dass man zum Experimentieren viel Geduld mitbringen muss, und "wie sehr man sich freut, wenn am Ende alles geklappt hat."

Mutter Iskin Güral wurde durch ihre Söhne auf KEMIE aufmerksam: "Unser älterer Sohn ist im Chemie-Leistungskurs. Daher ist Chemie zu einem großen Thema in der Familie geworden. Engiz, sein jüngerer Bruder, wollte deshalb an KEMIE teilnehmen. Und ich lerne gleichzeitig auch noch was von der Chemie kennen."

Ausgezeichnetes Konzept

Erfinderin von KEMIE ist Prof. Dr. Katrin Sommer von der Ruhr-Universität Bochum. Sie erhielt dafür den mit 50.000 Euro dotierten ersten der insgesamt vier in diesem Jahr vergebenen Polytechnik-Preise. Alle Preisträgerkonzepte sind in der Dokumentation zum Polytechnik-Preis beschrieben.

Die Wirksamkeit ihres Projekts konnte bereits durch eine systematische empirische Evaluation in Bochum bestätigt werden. Neben dem Goethe-Schülerlabor der Universität ermöglicht in Frankfurt Provadis GmbH, Partner für Bildung & Beratung, die Durchführung von KEMIE. Der Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie e. V. fördert maßgeblich die Realisierung von KEMIE.

(Text: Stephan M. Hübner, Bild: Jürgen Lecher)