12. Juni 2017

Tag der Junior-Ingenieure: kleine Messe, große Ingenieursleistungen

von Stephan Hübner

Die Idee der Elisabethenschüler passte perfekt zum sommerlichen Wetter: Denn zum Tag der Junior-Ingenieure am Samstag brachten die Schüler aus dem Frankfurter Nordend ihre selbst entwickelte Cocktailmaschine mit in den Industriepark Höchst. Ein Höhepunkt unter vielen.

Foto: Dominik Buschardt


Das aus Legosteinen gebaute Gerät füllt automatisch die gewünschten Mengen Sirup, Soda oder Saft in einen Cocktailbecher, der auf einem Förderband unter den verschiedenen Flaschen entlang fährt. Am Ende wird das Getränk gemixt und mit einem Strohhalm versehen, beides automatisiert natürlich, und auf einem kleinen Roboterfahrzeug wird die Erfrischung dem durstigen Genießer serviert.

Zwei Jahre lang tüftelten die 17 Schülerinnen und Schüler im Schnitt drei Stunden wöchentlich an dieser Idee – im Rahmen der Junior-Ingenieur-Akademie, die die Stiftung Polytechnischen Gesellschaft an vier Frankfurter Gymnasien als naturwissenschaftlich-technischen Wahlpflichtunterricht ermöglicht.

Zum Ende des Projekts bekamen sie am Samstag im Peter-Behrens-Bau des Industrieparks ihre Abschlusszertifikate überreicht. Rund 300 Gäste waren gekommen, um dies mitzuerleben und sich auf der großen Mitmachmesse über die Ideen der Schüler und die Angebote der Projektpartner (von der Frankfurt University of Applied Sciences über die Schülerlabore der Goethe-Universität bis zur Samson AG) zu informieren.

Ideenschau aus diversen Bereichen

Insgesamt präsentierten rund 60 Schülerinnen und Schüler der Klassen acht bis zehn ihre Ideen: Die Ziehenschule, die ihre Junior-Ingenieur-Akademie unter das Motto "Robotik und Bionik" gestellt hat, zeigte zum Beispiel eine Solarzelle, die sich wie eine Blume stets der Sonne zuwendet. Die Schüler der Wöhlerschule hatten einen Turnschuh entworfen, der beim Laufen entstehende Wärmeenergie speichert, damit sie später etwa zum Aufladen von Handy-Akkus verwendet werden kann – ihr Oberthema lautete "Umwelttechnologie". Die Junior-Ingenieure vom Gymnasium Riedberg wiederum, für die gerade Projekt-Halbzeit ist, erklärten unter anderem an Modellen von Nervenzellen die Grundlagen sogenannter myoelektrischer Prothesen.

"Alltagsnahe naturwissenschaftlich-technische Allgemeinbildung"

"Das Ziel der Junior-Ingenieur-Akademie ist es, Mittelstufenschülern eine alltagsnahe naturwissenschaftlich-technische Allgemeinbildung zu ermöglichen – dank eines interdisziplinären Wahlpflichtunterrichts, den die Schulen gemeinsam mit Hochschulen und Unternehmen gestalten. So sollen die Jugendlichen mit den Berufsbildern aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) vertraut gemacht werden", erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, die Motivation der Akademie.

Diese wurde 2005 von der Deutsche Telekom Stiftung entwickelt und wird seit 2009 von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt am Main durchgeführt. In Kooperation mit dem am Industriepark ansässigen Fachkräfteentwickler Provadis hatte letztere auch den Tag der Junior-Ingenieure initiiert, der in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand. Bundesweit gibt es derzeit übrigens ein Netzwerk von rund 80 Schulen, die eine Junior-Ingenieur-Akademie anbieten.

"Der Industriepark Höchst ist der passende Ort um Ihre Projektarbeiten zu präsentieren", begrüßte Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv Höchst, der Betreibergesellschaft des Industrieparks, die Junior-Ingenieure. "Hier am Standort wird seit mehr als 150 Jahren Zukunft gemacht. Viele revolutionäre Erfindungen auf dem Gebiet der Farben, Kunststoffe und Arzneimittel stammen aus dem Industriepark, der nach wie vor zu den bedeutendsten Forschungs- und Entwicklungsplätzen der Chemie- und Pharmabranche gehört. Er ist damit ein idealer Ort, an dem junge MINT-Begeisterte ihre Ideen präsentieren können", sagte Vormann.

(Text: Stephan M. Hübner, Foto: Dominik Buschardt)